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Handel befürchtet Lieferengpässe

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Von: Martin Hüttenbrink

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Lichterspiel Geschenk
Weihnachten Zeit der Geschenke. Hiemische Händler berichten, dass es beim Waren-Nachschub hakt. © Paul Bröker

Manche Ware, die der heimische Einzelhandel derzeit beim Lieferanten abfragt, wird rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft angekündigt – zum Weihnachtsgeschäft 2022! Händler vor Ort signalisieren, dass der Nachschub hakt.

Wickede – Noch sind die Lager gefüllt, gibt’s bei Fachhändlern wie Fuhrmann, Picker oder Lojewski die komplette Palette. Und doch könnte es bei manchem in Kürze heißen: „Kauf’ den letzten Posten jetzt – oder warte bis lange ins nächste Jahr.“Bisweilen ist das Sortiment auch schon jetzt dünn. „Man wundert sich, was alles nicht lieferbar ist“, sagt Detlef Lojewski. Weihnachtsartikel etwa. Deren Lieferung wird erst wieder für Mitte Dezember in Aussicht gestellt: „Aber dann ist es für das Weihnachtsgeschäft zu spät.“

„Kannst Du das noch besorgen?“ Auf diese Frage nach einem vergriffenen Artikel reagiert Lojewski gegenwärtig eher zurückhaltend. „Zu 60 Prozent kann man da einen Haken dran machen“, verweist er auf Lieferengpässe. Auslöser ist vor allem die Pandemie. Wenn durch Corona nur ein Glied in der Herstellungskette eines Produktes stockt, stottert der gesamte Nachschub. „Das ist wie beim Auto, wenn da ein Chip nicht lieferbar ist – dann stockt die komplette Produktion“, zieht Lojewski Parallelen zwischen den Warengruppen.

Apropos Chip: Friedhelm Fuhrmann verweist auf Infos der Branche, denen zufolge ein großer Elektromaschinenbauer reihenweise Bosch-Waschmaschinen aufkauft, weil er aus deren Steuerelektronik einen speziellen Chip braucht – der Rest der Waschmaschine ist dann über. „Es gibt Broker, die kaufen eine Chipproduktion auf und verkaufen sie zum 60fachen Preis“, berichtet Fuhrmann von Profiteuren der Szene.

„Wir haben gekauft, was wir bekommen konnten“, beschreibt Nicole Picker ihre Lagerpolitik der vergangenen Monate. Damit kann das Wickeder Fachgeschäft mit seiner Bandbreite vom Schreib- und Bürobedarf über Geschenkideen fürs Weihnachtsfest bis hin zur EDV-Komponenten und Geräten gegenwärtig noch alle Kundenwünsche bedienen. Auch wenn es bereits Ausreißer gibt: „Wir wollten heute einen Toner bestellen, der hat 80 Tage Lieferzeit.“

Insgesamt jedenfalls sei das Ordern von Nachschub erheblich anstrengender geworden. Nicole Picker: „Wir switchen von einem Lieferanten zum anderen, um für unsere Kunden alle Waren vorhalten zu können – es ist schon ein Kampf.“

Neben Engpässen wegen Corona und dem Verweis auf vorweggenommene Rohstoffpreissteigerungen sehen die Händler noch weitere Facetten der Verteuerungen. Bisweilen komme der Verdacht auf, dass manche Branche jetzt die Chance sieht, mit einer künstlichen Verknappung das Preisniveau auf ein neues Level anzuheben. Da wundere es dann zum Beispiel, dass bei einer mit 4,5 Prozent angegebenen Inflationsrate manche Geräte im Einkaufspreis schon fünf oder sechs Prozent teurer geworden sind, erläutert Friedhelm Fuhrmann.

Wenn mit vollem Lager derzeit auch noch ziemlich jeder Wunsch bedient werden kann – Fuhrmann ist froh, mit dem handwerklichen Bereich ein weiteres Standbein zu haben. Der Elektro-Service als Dienstleistung hilft dann auch über die Runden, wenn’s beim Abverkauf mal enger wird.

Ähnlich bei Picker. Das Fachunternehmen ist neben dem Verkauf seines Warensortiment vom Stift bis zum Rechner schließlich auch als EDV-Dienstleister für einen weiter gewachsenen Kundenstamm im Markt aktiv.

Neuer Lockdown? „Das wäre der Untergang“

Ob durch steigende Corona-Infektionszahlen und weitere Verschärfung der Auflagen auch wieder mit Geschäftsschließungen zu rechnen ist? Detlef Lojewski glaubt nicht, dass es noch einmal so kommt, während Nicole Picker bei neuerlichen Schließungen für den Handel prognostiziert: „Das wäre der Untergang“. Lojewski sieht allerdings, dass die Corona-Entwicklung wieder dem Online-Geschäft in die Hände spielt. Das zeige alleine schon sein DPD-Shop. Und wenn die jetzt eingelagerte Ware abverkauft und das ein oder andere Produkt vor Ort nicht mehr zu bekommen ist, werde der Kunde ohnehin ins Netz gehen, um dort zu gucken. Friedhelm Fuhrmann hingegen rechnet damit, dass es wieder einen Lockdown und geschlossene Geschäfte gibt. „Ich gehe davon aus, dass es dazu kommt“, meint der Elektro-Händler. Das Thema sei – „möglicherweise auch aufgrund der Wahlen“ – verharmlost worden. Er jedenfalls könne sich nur wundern, meint Fuhrmann mit Verweis auf Massenveranstaltungen wie Kirmes, Karneval und Fußball.

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