Ruhr-Renaturierung

Glückliche Wendung mit Grundstücksgeschäft

Dezernent Ulrich Detering (M.) leitet die Planungen bei der Bezirksregierung - die Bevölkerung lernte ihn u.a. 2014 kennen, als er vor Ort die Eröffnung der ersten Renaturierungsstufe moderierte, links Projektleiter Jan Frederic Stute, rechts Bürgermeister Dr. Martin Michalzik, der die aktuelle Entwicklung begrüßt, kommt sie doch auch der Kommune zugute. Foto: Hüttenbrink

Wickede – In die Renaturierung der Ruhr Teil II ist ganz frisch Bewegung gekommen. Nach längeren Verhandlungen hat das Land jetzt noch weitere Flächen erwerben können, um damit nun das Optimum der Planungen zu erreichen.

Die Tinte ist trocken, der Kaufvertrag wurde vor wenigen Tagen geschlossen. Mit den zusätzlich erworbenen rund vier Hektar kann nun auch zwischen dem Trommelwehr und der Ruhrbrücke das südliche Ufer mit Aufweitungen gestaltet werden, um an Formenvielfalt und damit Artenreichtum an Wickedes Fluss zurückzugewinnen.

Zum ursprünglichen Verlauf der Ruhr kann man natürlich nicht zurückkehren. Schließlich hat sich der Mensch über die Jahrzehnte und Jahrhunderte das Gewässer so geformt, dass es möglichst nutzbringend ist und möglichst wenig Platz wegnimmt. Entsprechend rückten die Siedlungsbereiche an den begradigten Flusslauf heran, sind heute Gebäude, Straßen und andere Bauwerke dort errichtet, wo sich in grauer Vorzeit noch die Ruhr ausbreitete. 

Mit Begradigung und Einengung des Flusses aber blieb immer mehr die Ökologie auf der Strecke. Der Artenreichtum nahm ab, früher ansässige Tierarten verschwanden, das vielfältige Geflecht von Fauna und auch Flora verlor immer mehr Facetten.

Die Renaturierung hat das Ziel, hier gegenzusteuern und die Ökologie wieder aufzuwerten. Zwar wird man den Urzustand - von der planenden Behörde bei der Bezirksregierung „Leitbild“ genannt - nie wieder erreichen können. Aber man kann die Einschränkungen durch den Menschen auf der einen und die Aufwertung der Natur auf der anderen Seite näher zusammenbringen. Dieser Kompromiss wird als „Entwicklungsziel“ bezeichnet.

Etliche Beispiele zeigen am rund zwei Kilometer langen Teilabschnitt I der Renaturierung vom Freibad- bis zum Trommelwehr, dass der Plan seit 2014 aufgegangen ist. Vertriebene Vogelarten sind zurückgekehrt, auch im Wasser hat der Artenreichtum wieder messbar zugenommen. Die Ruhr ist dort auf dem besten Weg, im Rahmen der vom Menschen gewährten Möglichkeiten zu ihrem Urzustand zurückzukehren. 

Mit dem jüngsten Flächenkauf kann das jetzt auch für den rund drei Kilometer langen Teil II vom Trommelwehr bis zur Grenze zum Kreis Unna westlich des KC-Heimes noch besser und effektiver in Angriff genommen werden. 

Gekostet hat dieser Vorteil vor allem Zeit. Nach Eröffnung und Flutung des Teilabschnitts I unter großer Anteilnahme der Bevölkerung 2014 sollte sich der weitere Schritt direkt anschließen. Gegenüber dem Beringhof hatte das Land bereits Flächen zugekauft, ebenso am Südufer unterhalb der Ruhrbrücke. Doch die Grundstücksverhandlungen um die letzten noch ausstehenden vier Hektar kamen nicht voran. 

Die Zeit ging durchs Land, so dass die Bezirksregierung letztlich beschloss: „Wir ziehen Teil II jetzt auch ohne die vier Hektar durch“. Immerhin aber: Das Tischtuch wurde nicht zerschnitten, man blieb mit dem Eigentümer weiter im Kontakt. Und das lohnte sich schließlich. Jetzt werden die begonnenen Umplanungen revidiert, kann das beauftragte Fachbüro mit dem Optimum an Fläche in die Feinplanung einsteigen. 

Fertigstellung bis Ende 2021

Die Zeitplanung sieht vor, dass bis zu den Sommerferien nun die nötigen Abstimmungen im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens laufen und nach dem Sommer das Antragsverfahren in Angriff genommen wird. „Wir rechnen mit einer Genehmigung etwa Mitte 2020“, erläuterte am Mittwoch der bei der Bezirksregierung zuständige Dezernent für Wasserwirtschaft, Ulrich Detering. 

Gemeinsam mit Projektleiter Jan Frederic Stute erläuterte er bei einer Visite im Rathaus auf Anfrage das weitere Vorgehen. Detering machte dabei deutlich, dass mit Eintreffen der Genehmigung nicht gleich gebaut werden kann.

 Denn abgesehen von der Sondierung der Verfügbarkeit der notwendigen Mittel muss schließlich auch noch das Ausschreibungsverfahren absolviert werden. Kurz: Baustart könnte Mitte 2021 sein, die Fertigstellung Ende 2021.

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