Glasfasererschließung

Mit Verzögerung auf der Zielgeraden: Präsent von der DG

Mit der Glasfasererschließung auf der Zielgeraden: v.l. Bürgermeister Dr. Martin Michalzik, Ortsvorsteher Willi Eickhoff, Wirtschaftsförderin Ruth Hornkamp, DG-Geschäftsführer Dr. Stephan Zimmermann, DG-Bereichsleiterin Angie Hagemann, Ortsvorsteher Rainer Belz, DG-Projektleiter Peter König und Wickedes Tiefbau-Fachmann Christian Drees bei der aktuellen Bestandsaufnahme im Rathaus. - Foto: Hüttenbrink

Wickede – Dass die Deutsche Glasfaser (DG) ihren Kunden in Wickede jetzt etwas schenkt, weist darauf hin: Die Glasfasererschließung ist nicht komplett nach Plan gelaufen. Wenn Mitte Juni alles abgeschlossen werden soll, hat die Maßnahme im Gemeindegebiet ein halbes Jahr länger als geplant in Anspruch genommen. Als kleine Entschädigung bekommen die Kunden deshalb ab 1. Juni eine Vertragslaufzeit lang eine Verdoppelung bzw. deutliche Erhöhung ihrer Anschlussleistung gratis. 

Zudem hat Dr. Stephan Zimmermann, einer der fünf Geschäftsführer der DG, am Donnerstag die Absicht bekundet, mit einer Telefonaktion im Sommer die Zufriedenheit der Kunden vor Ort zu erfragen - ein so genannter Courtesy-Call. 

Der Manager gab zu erkennen, dass sein Unternehmen alleine im Vorjahr mit der Hälfte aller erstellten Glasfaseranschlüsse in Deutschland und rund 150 parallel laufenden Projekten schon eine gewisse Größe und Kompetenz vorzuweisen hat. 

Allerdings stecke man nicht in jedem Detail. Probleme gab’s gerade in Echthausen, das mit seinem großen Zuspruch gleich zu Beginn der Kampagne als „Türöffner“ fungierte und entsprechend vorrangig angeschlossen werden sollte. Allerdings ergaben sich durch den Bedarf, Gelsenwasser-Gelände zu nutzen, unerwartete Hemmnisse. Als „ärgerlich“ bezeichnete der Geschäftsführer diese Schwierigkeiten, gab bezüglich der Verhandlungen mit dem Wasserversorger offen zu: „Da war der Wurm drin, das hat uns unvermutet getroffen“. 

Zudem lief auch das Miteinander mit dem Tiefbauer in Echthausen nicht nach DG-Vorstellungen. Die Kooperation mit der Firma sei inzwischen beendet, Nachforderungen seien aber noch zu erfüllen. Die DG müsse sich „rechtlich absichern“, immerhin gehe es um „einen signifikanten sechsstelligen Betrag“, der offenbar an die Million heranreicht.

Sei’s drum: Den Echthausern verspricht Geschäftsführer Dr. Zimmermann: „Die rund 380 Kunden im Ortsteil werden weitestgehend im April am schnellen Netz der Deutschen Glasfaser angeschlossen sein, spätestens Ende Mai sind alle Anschlüsse aktiviert“. Und hier wie im übrigen Gemeindegebiet gelte: Ende Juni ist die Gesamtmaßnahme abgeschlossen.

Etwa 40 Prozent der rund 3 800 Haushalte vor Ort werden mit der DG ans schnelle Netz gehen, weitere folgen mit Anbietern wie z.B. der Telekom. „Ein Jahrhundertprojekt“, wie beim Gespräch im Rathaus auch Bürgermeister Dr. Martin Michalzik unterstrich, der damit ein gewisses Verständnis für Probleme signalisiert, dennoch aber auf Erfüllung der baulichen Auflagen bei der adäquaten Wiederherstellung von Straßen und Wegen pocht. Zum Teil haben sich Kommune und Deutsche Glasfaser bisher auch schon zusammengetan, wenn Pflaster oder Asphaltierung wieder zu schließen waren und man nach ohnehin schadhaftem Bestand nun eine Verbesserung erzielen konnte.

30 Prozent der im Ort rund 100 Kilometer aufgerissenen Straßen und Wege sind nach der Wiederherstellung durch die DG-Vertragsfirmen inzwischen abgenommen, weitere 70 Prozent fehlen aber noch. So z.B. im Industriegebiet „Westerhaar“. 35 Kunden bringe man dort ans Netz, so DG-Geschäftsführer Dr. Zimmermann. Bei einer Umfrage habe man 22 von ihnen erreicht, 19 dieser Kunden seien zufrieden mit dem Anschluss, bei den restlichen drei Unternehmen suche man gemeinsam nach den Ursachen, die jeweils in der hausinternen IT-Konfiguration ließen müssen, so Stephan Zimmermann. Der im Industriegebiet beauftragte Tiefbauer hat noch drei, vier Stellen nachzuarbeiten, nachdem das Leerrohr dort statt in 40 nur in 30 cm Tiefe verlegt wurde.

Beim Blick nach vorne fällt zum einen das Stichwort „Folgeschäden“. Deren Vermeidung steht bereits jetzt bei Bauabnahme und etwaigen Nachbesserungsforderungen durch das Rathaus im Mittelpunkt. Zudem gelte für die Maßnahme eine Gewährleistungsfrist von fünf Jahren, unterstrich DG-Geschäftsführer Zimmermann am Donnerstag. 

Außerdem werde die DG nach Beendigung ihre Zelte nicht komplett abbrechen. Man bleibe vor Ort, z.B. auch, um Nachbestellungen umzusetzen. Noch übrigens ist das Zeitfenster nicht geschlossen, kann man den DG-Glasfaserabschluss ohne den Baukostenbeitrag von 750 Euro ordern. Das wird aber nicht ewig so bleiben. Zimmermann: „Das Fenster wird zugehen“.

 In die jetzige Phase der Abschlussarbeiten aber greifen diese Bestellungen nicht ein. Sie sollen gesammelt werden, dann wolle man gemeinsam mit der Kommune im dritten Quartal über die Umsetzung nachdenken. Während dazu dann lediglich noch „Kopflöcher“, also punktuelle Erdarbeiten, nötig sind, dürften andere Anbieter im Sog des DG-Engagements noch für offene Gräben sorgen. 

Das Gute daran: Sie werden für eine noch größere Verbreiterung des schnellen Internet-Anschlusses mit Glasfaser sorgen und damit den Standort Wickede für Gewerbe und Haushalte weiter nach vorne bringen. Die Kommune zählt damit nach wie vor zu den Vorreitern in Deutschland.

Es ist diese Entwicklung Richtung Zukunft, mit der Wickedes Bürgermeister die Probleme der vor zwei Jahren per Vertrag und vor rund einem Jahr baulich begonnenen Maßnahme letztlich als vertretbar bewertet.

In diese positive Grundhaltung stimmte am Donnerstag auch DG-Manager Dr. Stephan Zimmermann ein. Man sei alles in allem „absolut zufrieden“ mit dem Projekt vor Ort. „Wir freuen uns, dass wir Lob und Anerkennung bekommen und unser Produkt gut ankommt und funktioniert“. 

Auch auf Ebene der Projektleitung in Wickede mit DG-Mitarbeiter Peter König und seinem Ansprechpartner im Rathaus, Christian Drees, wird das bisherige Miteinander als konstruktiv und vertrauensvoll bezeichnet.

Und Schlückingens Ortsvorsteher Willi Eickhoff, der den unbürokratischen Anschluss der Schlückinger Eigeninitiative durch die DG nicht unerwähnt ließ, lobte nicht zuletzt den Einsatzwillen der beauftragten Firmen und ihrer Mitarbeiter. Ganz gleich welcher Nationalität: „Die haben malocht wie’n Pferd“, meinte Eickhoff.

So bleibt denn nach dem Treffen am Donnerstag eine insgesamt positive Bilanz zum Stand auf der Zielgeraden der Erschließung. Wünschenswert wäre gewesen, mit einem solchen Austausch bereits zu einem früheren Zeitpunkt Einblicke in den Fortgang zu geben.

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