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Neuapostolen schließen ihre Kirche

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Von: Martin Hüttenbrink

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Kirchengebäude Vorderansicht
Entwidmet und bald auf dem Markt: die frühere neuapostolische Kirche © Martin Hüttenbrink

Im August hatte die neuapostolische Kirchengemeinde vom gemeinsamen kirchlichen Unterricht der Kinder aus den Gemeinden Wickede und Werl berichtet. Auch die Senioren hatten sich öfter schon zu gemeinsamen Treffen verabredet. Jetzt vollziehen die beiden Kirchengemeinden die vollständige Fusion. Das Gotteshaus an der Kirchstraße in Wickede wird veräußert.

Wickede – Mit einigem Wehmut hatten die Gläubigen am vergangenen Sonntag den letzten Gottesdienst in Wickede gefeiert. Dabei habe dann auch die Entwidmung des Kirchengebäudes stattgefunden, erläuterte Bezirksvorsteher Olaf Koch. Nach der Gründung der Kirchengemeinde 1987 war das Gotteshaus dort in den Folgejahren errichtet worden. Es entwickelte sich ein reges und intensives Gemeindeleben, in dessen Folge später sogar noch bauliche Erweiterungen nötig wurden.

Doch auch die neuapostolische Kirche, die zur Konfessionsgruppe der apostolischen Gemeinschaften zählt, unterliegt dem Trend, den andere Konfessionen hierzulande beobachten: Die Mitgliederzahlen sind rückläufig und damit auch der Gottesdienstbesuch und die Akzeptanz kirchlicher Angebote.

Knapp ein Dutzend Gläubige an Wochentagen, 18, vielleicht 20 an den Sonntagen – so in etwa beziffert Gemeindevorsteher Koch zuletzt den Besuch der Gottesdienste. Bei der finalen Feier am Sonntag waren es rund 30 – inklusive verschiedener Gäste und Weggefährten, die zu diesem besonderen Anlass gekommen waren.

Gruppenarbeit litt

Auch wenn die neuapostolische Kirche Wickede mit dem Besuch eine Quote von rund 25 Prozent der Gemeindemitglieder erreichte – sicherlich weitaus mehr als etwa die großen Konfessionen vor Ort – fiel die konkrete Zahl der Gottesdienstbesucher aufgrund der kleinen Kirchengemeinde entsprechend gering aus.

Schwindende Gläubigen-Zahlen stellten in der Folge auch weitere Angebote in Frage. Wenn der Jugendkreis lediglich von einem 23-jährigen Jungen und einem 14-jährigen Mädchen besucht werde, die beide bei diesem Altersunterschied kaum etwas miteinander anfangen können, sei in etwa vorstellbar, wie aktiv so eine Gruppenarbeit sein kann.

Im Sommer hatte es diverse Gottesdienste und andere Aktivitäten gemeinsam mit der Werler Kirchengemeinde gegeben. Wenn etwa der kirchliche Unterricht wieder mit mehreren Kindern stattfinden kann – „das“, so Bezirksleiter Olaf Koch, „hat dann schon eine ganz andere Qualität“. Die Vorteile reichen bis hin zu Angeboten wie dem gemeinsamen Gesang: „Wir können jetzt auch wieder mit einem Chor singen“.

Auch Wirtschaftlichkeit ein Faktor

Natürlich hat die Entwicklung der Kirchengemeinde auch eine wirtschaftliche Dimension. Das Kirchengebäude will unterhalten werden, von der Heizung bis zur Fassade stehen verschiedenste Gewerbe auf dem Investitionsplan – auch dieser Aufwand ist bei rückläufigen Gläubigen-Zahlen abzuwägen.

Die Mitglieder der neuapostolischen Kirche sind von der Kirchensteuer befreit. Sie finanzieren die entstehenden Aufwendungen mit Spenden und Opfergeldern. Diese werden von der Kirchenleitung verwaltet, die für die Gebietskirche West ihren Standort in Dortmund hat. Mit der Fusion kann das Gemeindeleben für die Gläubigen nicht nur inhaltlich, sondern auch wirtschaftlich effektiver gestaltet werden.

Entwidmete Kirche wird verkauft

Frühere gemeinsame Aktivitäten hatten da bereits einen Vorgeschmack geliefert. Daher werde die Zusammenlegung mit Werl in der kleinen Gemeinde durchaus positiv gesehen. „Es gibt sogar Stimmen, die sagen, das hätte man eher machen sollen“, meint Olaf Koch. Anderseits habe es am Sonntag bei der Profanierung natürlich auch Trauer gegeben. Taufe, Konfirmation, Segensspendungen – viele Erinnerungen verbinden sich mit dem Gotteshaus an der Kirchstraße 105, das rund 35 Jahre lang Mittelpunkt des Gemeindelebens vor Ort war.

Die neue Heimat für die Neuapostolen der Ruhrgemeinde wird nun die Kirche an der Hedwig-Dransfeld-Straße in Werl sein, dort, wo man bereits im Sommer gemeinsam mit den Gemeindemitgliedern Gottesdienste und Gemeindeleben erfahren habe. Die Kirche in Wickede soll veräußert werden. „Darum kümmert sich unsere Immobilienverwaltung in Dortmund“, erläutert Olaf Koch.

Fusion im Weihnachtsgottesdienst

Die Zusammenlegung der beiden neuapostolischen Kirchengemeinden gibt’s praktisch als Präsent zu dem am Wochenende bevorstehenden Christenfest. Bezirksleiter Olaf Koch erläutert: „Im Weihnachtsgottesdienst am 25. Dezember in Werl werden die Gemeinden Werl und Wickede fusioniert und es wird dann nur noch eine Gemeinde geben, die ihre Gottesdienste in unserer Kirche in Werl erleben wird“.

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