Gedenkfeier

117 Tote als "Begleiterscheinung"

Ergreifende Szene der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Katastrophe: Wickeder Grundschüler stellten für jedes der benannten 117 Flutopfer eine brennende Kerze auf. - Foto: Schulte

Wickede - Die 117 Toten in Wickede und die über 1000 Getöteten im gesamten Ruhrtal - auf sie kam es gar nicht an bei der Möhnebombardierung.

„Unser Ort lag nur am Weg der Zerstörung, die mit den Bomben auf den Möhnedamm die Strom- und Wasserversorgung des Ruhrgebietes treffen sollte, wo damals Panzer und Kanonen, Patronen und Flugzeugteile für Hitlers Vernichtungskrieg produziert wurden“, hielt bei der Gedenkfeier am Donnerstag Bürgermeister Dr. Martin Michalzik fest. Die Opfer im Ruhrtal - „heute würde man das einen ,Kollateralschaden’ nennen, eine ,Nebenwirkung“, so Michalzik.

Die größte Tragödie also, die dieser Ort je erlebt hat, war nur eine unbedeutende Begleiterscheinung, die von den Angreifern billigend in Kauf genommen wurde. Wer hier Angreifer und wer Leidtragender war, spielt keine Rolle, ist austauschbar. Was bleibt, ist ein klarer Blick auf das Wesen des Krieges. 

„Krieg unterscheidet nicht zwischen Schuld oder Unschuld, Stadt oder Land“, hielt denn auch Michalzik fest und spielte auf die Namen der 117 Opfer an, die im Rahmen der Gedenkfeier verlesen wurden. 

Geläufige Wickeder „Namen von Kindern und Alten, von Frauen und Männern, jungen Leuten mit großen Träumen und gestandenen Menschen mit einfachen Hoffnungen. Es waren Menschen, die hier zu Hause waren und mit der Zuversicht schlafen gingen, hier in ihrer Heimat Sicherheit und Zukunft zu haben. Es waren Nachbarn und Menschen wie wir“.

Unter dem Eindruck dieses „Wickeder Traumas“ werde ersichtlich, dass „der Friede, den wir heute haben, nicht nur ein Geschenk ist und schon gar nicht selbstverständlich. Sondern auch unsere gemeinsame Aufgabe bleibt“, so Michalzik. Frieden müsse nicht nur „außen“ organisiert werden, sondern auch „innen“ beginnen: „Mit Respekt und Klarheit im eigenen Zusammenleben. Mit Offenheit für zunächst fremde Gesichter und Geschichten sowie mit einer deutlichen Position für Recht und Fairness“. 

So wirkt schließlich die Möhnekatastrophe vor 75 Jahren wie alle Kriege und alles sinnlose Töten auch heute und jeden Tag neu als permanenter Appell für das tägliche Miteinander. Dazu „wollen und können wir uns zusammen Mut machen, zu helfen, dass bei uns nie wieder durch Krieg Träume ertränkt und Hoffnungen begraben werden“, endete Martin Michalzik seine Ansprache.

Die Geistlichen Pastor Dr. Christian Klein und Pastor Thomas Metten thematisierten in ihren Fürbitten Aussöhnung, Verständigung und Toleranz. Musikalisch war diese Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Katastrophe vielfältig begleitet worden. 

Der Spielmannszug wirkte mit, Clara Schröter ließ ihre Stimme erklingen, der MGV „Quartett“ trug ebenso vor wie Alexandra Gutland beim Lied vom Guten Kameraden an der Solo-Trompete und Steven MacPherson mit dem Dudelsack. - ate/hütt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.