Gedenken an Möhnekatastrophe in Corona-Zeiten

"Dunkelste und traurigste Nacht in der Geschichte unserer Gemeinde"

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Wegen Corona: In nur kleiner Runde gedachten die Offiziellen der Opfer der Möhnekatastrophe.

77 Jahre nach der Möhnekatastrophe, bei der über 1500 Menschen ihr Leben verloren, fand das Gedenken zu Ehren der Opfer pandemie-bedingt in kleinem Kreis statt.

Wickede - Sicher bleibe das Gedenken „an die dunkelste und traurigste Nacht in der Geschichte unserer Gemeinde richtig und wichtig“. Das sagte Bürgermeister Martin Michalzik. 

Aber so außerordentlich die aktuellen Beschränkungen durch das Coronavirus auch seien: Sie seien Einschränkungen in einen Alltag im Frieden, „der nicht einhergeht damit, täglich Angst vor Bomben zu haben oder Hunger zu leiden“. 

Es gelte also auch, zuversichtlich und mutig zu sein – und dankbar „für gute Lebensumstände, wie sie für die Menschen, die in Wickede am 17. Mai auf ihre schwer zerstörte Heimat schauten, außerhalb jeder Vorstellungskraft lagen“. 

Ein Bombenangriff in der Nacht auf den 17. Mai 1943 zerstörte den Damm der Möhnetalsperre. In Wickede kamen 117 Menschen ums Leben. 

Möhnekatastrophe von 1943: Stumme Mahnung der Toten

Klein, still, nachdenklich: Die Zeremonie mit dem Bürgermeister, den Pastoren Dr. Christian Klein und Thomas Metten, Vizebürgermeisterinnen Gertrud Martin und Ellinor Schilling sowie Alexandra Gutland (Trompete) passte zum Anlass des Gedenkens. 

Michalzik sprach von einer stummen Mahnung der Toten, die noch heute zu beherzigen sei mit der Forderung: „Nie wieder Krieg“. Der Schlag gegen die Strom- und Wasserversorgung des Ruhrgebiets habe wie in jedem Krieg Unbeteiligten und zivilen Personen Zerstörung und Tod gebracht. „Jedes Mal schließen wir die Opfer aller Kriege in unser Gedenken und unser Gebet ein.“

Möhnekatastrophe von 1943: Dank für Leben in  Frieden

In diesem Jahr gelte die Erinnerung auch ganz besonders dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Deutschland begehe dieses Erinnern unter anderen Voraussetzungen als in den Ländern, die damals von hier aus angegriffen, besetzt und zerstört wurden, sagte Martin Michalzik. 

Die hätten „unserem Land neues Vertrauen geschenkt. Diesem Vertrauen der Völker verdanken wir in Wickede 75 Jahre Leben in Frieden. Diesem Frieden verdanken wir in Wickede eine beachtliche, gute Entwicklung aus Trümmern zu einem Heimatort mit starker Wirtschaft und schönem Wohnen.“ 

Möhnekatastrophe von 1943: Kostbar und zerbrechlich

Krieg und Tote in Trümmern gebe es noch immer. „Auch wenn die Toten selbst nicht sprechen können, erzählt uns ihr Schicksal unüberhörbar, dass Schmerz und Angst der letzten Sekunden des Menschen im Krieg sich nicht nach Ideologien oder Landesfarben unterscheiden“, mahnte der Wickeder Verwaltungschef. 

„Und auch die Trauer der Hinterbliebenen ist unterschiedslos.“ Die Toten seien Mahner: Der Frieden sei nicht selbstverständlich, sondern unendlich kostbar und zerbrechlich. 

Und auch das Coronavirus führe drastisch vor Augen, wie verflochten und wie verletzlich die Welt sei. „Täuschen wir uns nicht“, mahnte Martin Michalzik: „So schnell wie ein Virus von einem Markt in China aus unser Leben in Europa und weltweit stilllegt, genau so schnell können Kriege und Konflikte, die anderswo Tod und Zerstörung bringen, Gewalt und Hass säen, die Grenzen zu uns überschreiten."

Hier geht es zu unserer großen Multimedia-Story zur Möhnekatastrophe von 1943.

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