Gedenken an die Möhnekatastrophe 

Warnung vor Demagogen, Populisten, Pöblern und Rassisten und Verweis auf "Vogelschiss"-Zitat

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Eindrucksvolle Präsenz: Die Fahnenabordnungen bei der Gedenkfeier

Wickede – Die Warnung davor, sich vereinnahmen zu lassen von Demagogen und Populisten, von Pöblern und Rassisten - das war ein zentrales Thema von Dr. Christian Klein bei der Gedenkfeier für die Opfer der Möhnekatastrophe. 

Die Veranstaltung aus Anlass des Jahrestages der Flut mit ihren 117 Toten alleine in Wickede wurde auch zum Gedenken für alle weiteren Opfer kriegerischer Auseinandersetzungen und zur Warnung vor den Strategien von Kriegstreibern und Hetzern. „Denn Krieg, Grauen und Zerstörung fangen genau damit an, dass man ,alternative Fakten beschwört’, Wahrheit relativiert und aus anderen Menschen ,die da’, ,die anderen’, ,den Feind’ macht“, sagte Klein.

Der Selbstschutz vor solchen Verführungen helfe, Frieden zu bewahren. Denn „keiner schießt auf Wehrlose, wirft Bomben auf Kinder oder schickt die eigenen Volksgenossen ins Gas - wenn man sie vorher nicht zum Feind, zum Untermenschen, zum Bösen gemacht hat, den es zu vernichten gilt“, so der evang. Pfarrer. 

Er appellierte, „wachsam und standhaft zu bleiben, aufzustehen und Flagge zu zeigen“, zumal braunes Gedankengut, Großmachtsphantasien und Waffenfaszination als Verführer wieder präsent sind. 

„Wenn Politiker ernsthaft behaupten, die Nazi-Zeit wäre nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte, dann relativiert das nicht nur Geschichte, sondern verhöhnt die Opfer, die überall auf der Welt als Folge des zweiten Weltkrieges zu beklagen sind“, spielte Dr. Klein bei seiner Warnung vor Hetzern, Demagogen und Kriegstreibern auf Alexander Gauland an, der dies in seiner Eigenschaft als Chef und Sprachrohr der gesamten AFD vor knapp einem Jahr geäußert hatte.

Eindringliche Worte kamen von Pastor Dr. Christian Klein (r.), Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (2.v.l.) dankte Besuchern und Akteuren der Gedenkfeier

Klein rief dazu auf, nah zu bleiben, sich nicht trennen, und voneinander entfernen zu lassen. Er nutzte das Jesuszitat, von der anderen Wange, denn die könne man nur hinhalten, wenn man dem Anderen gegenüber stehe, nah sei. 

Der Geistliche forderte auf, die Europawahl am kommenden Sonntag bewusst zu nutzen, um etwas gegen Krieg, Tod und Flucht zu tun. Es gebe 66 Mio. Flüchtlinge weltweit - „und in Brüssel sitzen 751 Parlamentarier. Und wer das ist, das haben wir selbst in der Hand“. 

Auch Bürgermeister Dr. Martin Michalzik stellte das Bild der Nähe und des friedlichen Miteinanders in den Raum. Der Donnerstag dieser Woche sei der Tag des Grundgesetzes, dessen Artikel 1, „die Würde des Menschen ist unantastbar“, ja genau die Lehre und historische Schlussfolgerung „aus dem Unrecht, aus der Verführung und aus dem Hass des Krieges“ darstelle. 

Dass diese Nähe heute gegeben ist, zeige am Donnerstag die Beflaggung z.B. der deutschen neben der Europafahne. Mit ihr sind auch die britische und die polnische Flagge repräsentiert. Es sei schön, dass die Fahnen heute nebeneinander wehen. Die Wähler können am Sonntag einen kleinen Beitrag leisten, „dass uns diese Freiheit in Europa erhalten bleibt“, so Michalzik.

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