Ärger um Genehmigungen

Flugplatz-Streit: Planer widersprechen Umweltschützern

Am Flugplatz Echthausen - so der frühere Name - wird in nächster Zeit gearbeitet.
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Der Flugplatz Arnsberg-Menden (FAM) aus der Luft.

Im Streit um die Baumaßnahme am Flugplatz Arnsberg-Menden (FAM) in Voßwinkel haben Behörden, Betreiber und Planer jetzt einem BUND-Vertreter widersprochen. Der hatte mit Falschbehauptungen versucht Stimmung gegen eine notwendige Baumaßnahme zur Erhöhung der Sicherheit im Luftverkehr zu machen. Alle Arbeiten des Projektes hätten erst nach amtlicher Genehmigung begonnen, heiß es übereinstimmend.

Vosswinkel/Echthausen – Bei den vorbereitenden Arbeiten zur Boden-Aufschüttung am südwestlichen Ende der Start-und-Lande-Bahn des Flugplatzes Arnbserg-Menden (FAM) gibt es keinen behördlich verfügten „Baustopp“. Dies erklärten die Stadt Arnsberg, der Hochsauerlandkreis sowie der NRW-Landesbetrieb Wald und Holz jetzt gegenüber unserer Redaktion.

„Es gibt eine bestehende Baugenehmigung der Stadt Arnsberg und nur die Stadt kann diese widerrufen. Und das hat sie bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht getan“, hieß es. Damit widersprechen die drei Behörden ebenso wie alle anderen am Verfahren beteiligten Parteien den Behauptungen des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND). Dessen regionaler Sprecher hatte in der vergangenen Woche gegenüber unserer Zeitung behauptet, dass die Kreisverwaltung die Baugenehmigung einkassiert und die Arbeiten gestoppt hätte.

Dass nach der Entfernung von Bäumen und Sträuchern sowie der Terrassierung aktuell keine weiteren Aktivitäten an der Baustelle stattfänden, habe Gründe, berichteten die zuständigen Planer. So gäbe es vor weiteren Erdarbeiten erst noch ein Ortstermin mit einem Experten für ökologische Baubegleitung. Generell habe der Bauherr bei dem voraussichtlich zwischen ein und drei Jahren dauernden Projekt zudem keine Eile.

Ziel Arbeiten: „Erhöhung der Sicherheit im Luftverkehr“

Ziel der Maßnahme sei die „Erhöhung der Sicherheit im Luftverkehr“, betonte FAM-Geschäftsführer Stefan Neuhaus. Der neue Grasstreifen solle als Überrollstrecke dienen – allerdings nur in Notfällen. Gleichzeitig verbessere die Anschüttung die Thermik für landende Flugzeuge. Seit Beginn der Planungen hätten die Verantwortlichen stets den Umwelt- und Naturschutz auf der einen Seite als auch die Sicherheit für Piloten und Passagiere auf der anderen Seite abgewägt.

In Gesprächen mit zuständigen Behörden habe man deshalb ein nachhaltiges Konzept entwickelt. Dieses umfasse eine zweistufige Artenschutzprüfung und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung sowie einen ökologischen und forstlichen Ausgleich an anderer Stelle und einen landschaftspflegerischen Begleitplan. „Der Eingriff in die Natur an dieser Stelle wird durch Aufwertungsmaßnahmen an anderer Stelle in der Landschaft mehr als ausgeglichen“, betonte Waldbesitzer von Ketteler.

Unbelasteter Boden als Füllmaterial

Driller soll in den nächsten Monaten beziehungsweise Jahren die notwendige Auffüllung des Geländes weitgehend in Eigenregie vornehmen. Dass es sich dabei um qualitativ guten Boden handeln müsse, sei klar festgelegt und werde behördlich geprüft, hieß es. Für die Auffüllung solle hauptsächlich normaler Aushub aus Baugruben für Gebäude, Straßen usw. verwendet werden.

Als „Milchmädchenrechnung“ bezeichnete Bauunternehmer Dustin Driller die veröffentlichte Gewinnschätzung. Die Rechnung sei einfach nur illusorisch.

Die Bodenaufschüttung mit einer natürlichen Böschung werde außerdem an den Seiten wieder mit Büschen und Bäumen begrünt und auf der Krone mit Gras eingesät, beschrieb Planer Paul Schüpstuhl das weitere Vorgehen. Es gehe nur um die topografische Angleichung des abschüssigen Geländes mit dem Plateau auf dem Westerberg. Die erst kürzlich neu asphaltierte Piste werde in diese Richtung nicht verlängert.Forstbetrieb und Flugplatz widersprachen den in der Vergangenheit erhobenen Anschuldigungen, dass man Genehmigungen nicht abgewartet und zu früh mit Umsetzungen begonnen habe.

Bauherr, Eigentümer, Stadt Arnsberg: Genehmigung erteilt

Dies bestätigten auf Nachfrage inzwischen auch die Stadt Arnsberg und der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der rechtzeitig eine ordnungsgemäße „Waldumwandlungsgenehmigung“ erteilt hatte. Zudem habe das Regionalforstamt den Projektträger bereits Mitte Februar 2021 gebeten, die Baumfällungen noch vor Beginn der Setz- und Brutzeit durchzuführen, sagte dessen Sprecher Andreas Ernst. Franziskus Freiherr von Ketteler bestätigte, dass die Arbeiten daraufhin fach- und fristgerecht ausgeführt worden seien.

Bauherr und Grundeigentümer sowie die Stadtverwaltung Arnsberg erklärten übereinstimmend, dass die notwendige Baugenehmigung zur Erhöhung der Sicherheit im Luftverkehr am 26. April 2021 erteilt worden sei. Erst danach und nach der positiven Entscheidung des Naturschutzbeirates des Hochsauerlandkreises vom 4. Mai 2021 sei das Bauunternehmen Driller mit vorbereitenden Erdarbeiten beauftragt worden.

Für die FAM Holding werde das Projekt unterm Strich wirtschaftlich kein nennenswertes Ergebnis erbringen, dafür gebe es aber einen Gewinn bei der Verbesserung der Sicherheit im Luftverkehr, betonte FAM-Geschäftsführer Stefan Neuhaus.

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