Krach zwischen zwei Familien endet vor Gericht

Vater und Sohn demolieren Auto

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Wickede – Wenn der Vater mit dem Sohne... gemeinsam auf das Fahrzeug eines anderen einschlägt und einen Sachschaden von 8000 Euro verursacht, landen sie gemeinsam auf der Anklagebank. Dort mussten sich jetzt zwei Wickeder verantworten, die am Abend des 26. August 2018 an der Esso-Tankstelle für Furore sorgten – eine Geschichte wie aus einer schlechten Seifenoper. Auslöser war ein Familienstreit – allerdings nicht in der eigenen Familie. Genau genommen dreht sich alles um drei Familien, die sich untereinander kaum kennen.

Da ist zunächst die Familie der besten Freundin der Tochter des beschuldigten Wickeder Vaters. Denn an jenem Abend suchte diese Freundin bei der Familie der Angeklagten Zuflucht, nachdem sie von ihrem Vater geschlagen worden worden sein soll. Dort wollte man daraufhin die Polizei rufen. Deshalb fürchtete die Tochter der Gastgeber, die Polizei oder das Jugendamt würden ihr die beste Freundin „wegnehmen“. Aus lauter Hysterie haute die Minderjährige mit ihr ab – barfuß.

Wischer und Türgriff abgerissen

Sie rief ihren Freund an – hier kommt Familie Nummer 3 ins Spiel, die Geschädigten. Die Sache wäre vielleicht anders ausgegangen, wäre dieser Freund bei der Familie der Angeklagten nicht so unbeliebt gewesen, denn er war bereits volljährig, habe sich aber als jünger ausgegeben, „und es hat einen Beigeschmack, wenn eine 14-Jährige sich mit einem 18-Jährigen einlässt“, so ihr Bruder. Insofern verwundert es nicht, dass die Familien sich bis dahin nicht kannten.

Der Freund stellte daheim in Hamm den Anruf laut, sodass seine Eltern mithören konnten. Die Mädchen hätten panisch geklungen, sofort habe sich das Ehepaar samt Sohn auf den Weg nach Wickede gemacht.

In der Zwischenzeit suchten auch der angeklagte Wickeder und seine Frau die Mädchen und trafen sie an der Tankstelle, genauer gesagt auf einem benachbarten Parkplatz, an, und versuchten, ihre Tochter zu Rede zu stellen. Ihr Vater habe zwar vernünftig geklungen, aber „sarkastisch“, sie habe sich nicht ernst genommen gefühlt, so die damals 14-Jährige. Seinerzeit sei das Verhältnis zwischen ihr und der restlichen Familie auch insgesamt gestört gewesen, bestätigten beide Seiten.

Als die Hammer eintrafen, flüchteten sich die Teenies sofort in deren Auto. Sie weigerten sich, es zu verlassen, und weil sie so verängstigt gewirkt hätten, habe der Mann aus Hamm den Wagen von innen verriegelt. Die Wickeder Eltern riefen telefonisch den mitangeklagten Sohn hinzu, „denn vielleicht hört deine Schwester ja auf dich“. Beide Parteien drohten einander mit der Polizei.

Vater und Sohn versuchten, den Wagen am Wegfahren zu hindern, bevor die Polizei eintraf. Dazu habe der Junior zunächst versucht, die Frontscheibe einzuschlagen. Als ihm dies nicht gelang, habe er den Außenspiegel abgetreten, in der Hoffnung, der Fahrer würde aus Wut den Wagen verlassen. Den Gefallen tat der ihm aus Angst und Leib und Leben jedoch nicht.

Im weiteren Verlauf riss der Wickeder Vater auch einen Türgriff und einen Scheibenwischer ab. Auf dem Fahrzeug herumgesprungen zu sein, wie in der Anklageschrift vermerkt, wiesen Vater und Sohn jedoch von sich. Dafür trugen beide Knochenbrüche mit bleibenden Folgen davon, als der Sohn mit einem Bein unter einen Reifen geriet und der Vater auf die Motorhaube stürzte. Der Fahrer des schwer lädierten Wagens schaffte es dennoch zu entkommen und fuhr direkt zur Polizei nach Werl, „immer mit dem Blick auf den Rückspiegel, aus Angst, dass sie uns folgen“, so der 51-Jährige.

Angeklagte brachen sich Knochen

Für den Verteidiger der Angeklagten war der Vorfall eine einzige „Verkettung unglücklicher Umstände“. Die Richterin gab ihm Recht. Es habe viele Momente geben, in denen alle Beteiligten die falschen Entscheidungen getroffen hätten. „Doch wenn man sieht, wie die minderjährige Tochter von fremden Leuten mitgenommen wird, kann schon mal Panik aufkommen.“ Sie bescheinigte den Angeklagten eine „geringe Schuld mit hohem Sachschaden“ und stellte das Verfahren gegen eine Geldzahlung an wohltätige Einrichtungen vorläufig ein, einmal 200 Euro zugunsten des Sozialdienstes katholischer Frauen und einmal 500 Euro an Vita Communis. Woraufhin die Hammer Mutter entrüstet den Saal verließ.

Bis heute keine Aussprache erfolgt

Zu einer Aussprache zwischen den Familien kam es nie. Bislang sah man sich nur in einem zivilrechtlichen Prozess zur Schadensregulierung vor dem Landgericht Arnsberg wieder. Und das, obwohl die beiden Kinder nach Aussage des Mädchens offenbar noch immer ein Paar sind – ein wenig Romeo und Julia auf Sparflamme.

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