Jugendschöffengericht

Opfer (21) droht Anklage wegen Falschaussage

"Charakterlich ungeeignet": Klage gescheitert
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Ein junger Mann aus Ense (21) verstrickt sich vor Gericht in Widersprüche.

Da er sich in Widersprüche verwickelte, geriet eine junger Mann aus Ense, der eigentlich das Opfer im Prozess vor dem Jugendschöffengericht war, ins Visier des Richters. Erst nach vier Stunden Verhandlung machten die Täter ihre Geständnisse und wurden verurteilt 

Höingen - Auf „schwere räuberische Erpressung und schwere Körperverletzung“ lautete die Anklage des Jugendschöffengerichts Soest gegen zwei junge Männer, beide Anfang 20 aus Ense und Fröndenberg. Die Schrift klang wie das Skript zu einem Actionkrimi. Herauszufinden, was wirklich passiert war, aber kostete das Gericht vier Stunden Zeit und war harte Art.

 Denn während die beiden Angeklagten zuerst zu den Tatvorwürfen schwiegen, verwickelte sich der mutmaßlich Geschädigten immer stärker in Widersprüche. Der Haupttäter, der Fröndenberger, kam schließlich mit einer achtmonatigen Jugendstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1000 Euro davon. Sein Kumpel aus Ense verurteilte das Gericht zu einer einjährigen Jugendstrafe auf Bewährung. 

Das Verbrechen spielte sich am Abend des 1. November vergangenen Jahres in einem verlassenen und heruntergekommenen Gebäude zwischen der Neheimer Straße und Zum Kleifeld ab. Dort sollen die beiden jungen Männer einen 21-jährigen Enser ausgeraubt und schwer geprügelt haben. .Mit Faustschlägen und Tritten sollen die beiden den Dritten zur Herausgabe seines Mobiltelefons und des Portemonnaies mit 450 Euro gezwungen haben. Sie stießen ihn eine Treppe herunter und schmetterten ihn gegen mehrere Wände. 

Wie es zu der Eskalation gekommen sei, erklärte der Enser so: Er habe mit einer Gruppe junger Leute, zu der auch die beiden Angeklagten gehörten, in der Ruine auf seinen Geburtstag angestoßen. Aus heiterem Himmel und völlig grundlos seien die beiden über ihn hergefallen. Der Richter wurde zum ersten Mal stutzig, als er das hörte Es blieb nicht bei dem einen Mal. 

Der Richter glaubt dem Enser auch nicht, dass er trotz 30 Faustschlägen ins Gesicht nur einen blauen Fleck am Oberschenkel davon getragen habe. Die 30 Faustschläge hatte er im November bei der Polizei genannt Ohnehin hatte er die Beamten erst spät gerufen. Ein Attest konnte er nicht vorlegen. Der Richter wunderte sich auch, dass der mutmaßlich Geschädigte bis heute nicht erklären konnte, warum zwei alte Freunde ihn spontan verprügelten und ausraubten hatten. Angeblich hatte der Enser seither nie auch wieder Kontakt zu den beiden gehabt. Er will auch mit niemand über den Vorfall gesprochen haben. Nicht nur der Richter, auch Verteidiger und die Staatsanwältin konnten ihm nicht glauben.

Ein Verteidiger deutete sogar an, von einer namentlich bekannten Person zu wissen, die dem „Opfer“den blauen Fleck nachträglich zugefügt haben soll, damit es überhaupt verletzt zu wirkte. Schließlich drohte der Richter dem angeblich Geschädigten mit einem Verfahren wegen Falschaussage, auch wenn ein erster Zeuge dessen Aussagen im Wesentlichen stützte. 

Erst spät gestanden die Angeklagten, dass den Vorfall gegeben hat. Der Fröndenberger soll die treibende Kraft gewesen sei. Das „Opfer“ sei früher ein enger Freund gewesen Er habe aber beiden einige Hundert Euro geschuldet, die er in der Spielothek verzockt und nie erstattet habe, sagten die beiden. Stattdessen habe er jeden Kontakt zu ihnen abgebrochen. An jenem Abend wollten sie das Geld eintreiben – im Rückblick sei das eine „unfassbar dämliche Aktion“ gewesen, räumte der Fröndenberger ein. So übel wie behauptet, hätten sie den Enser aber nicht zugerichtet. 

Auch auf sein Handy hätten sie es nicht abgesehen gehabt. Das Opfer wies den Vorwurf der Verschuldung als erfunden von sich. Ein Prozess wegen uneidlicher Falschaussage sei ihm dennoch sicher, gab ihm der Richter mit auf den Weg. Die Entscheidung liegt jedoch bei der Staatsanwaltschaft. Schließlich übte der Vorsitzende harte Kritik an den Verteidigern und den Angeklagten. Sie hätten so lange mit dem mit dem Geständnis gewartet, dass es schon fast zu spät war. Den Tathergang habe er aus den Zeugen „herausprockeln“ müssen, monierte der Richter.

 In den soliden Lebenslauf des Ensers „passt das nicht rein, vermutlich weiß Ihr Arbeitnehmer auch nichts davon, oder?“ Die beiden Täter hatten der Geburtstagsrunde auch mit mit Mord gedroht, falls einer von ihnen zur Polizei gehen sollt

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