Drogenszene und Beitrag der Kommune 

Mehr Schulsozialarbeit auch für die Prävention

Schulsozialarbeiterin Anne Schneidermann soll nach dem Wunsch der Schulen vor Ort noch Verstärkung bekommen. - Foto: Schulte

Wickede – Die Schulsozialarbeit in der Gemeinde soll ausgeweitet werden. Das könnte auch den kommunalen Handlungsspielraum in Sachen Drogenprävention erweitern. Erste Gespräche mit dieser Zielrichtung laufen.

Die Gemeinde sei von der Drogenproblematik überproportional betroffen. Das hatte Wickedes scheidender Streetworker Frank Hake als Erfahrung der vergangenen drei Jahre festgestellt.

Aber er hatte auch verwiesen, dass die Statistik unauffällig bleibe, wenn von Polizei bzw. Staatsanwaltschaft keine Straffälle dokumentiert werden. Wickede außerhalb der Polizeidienstzeiten also eine Spielwiese für Drogendealer der gesamten Umgebung? 

Zu dieser Thematik befragt, verweist auch Bürgermeister Dr. Martin Michalzik darauf, dass weder Daten noch Statistiken vorliegen, die in puncto Drogen Wickede „als Hotspot ausweisen“. Eine besondere Problematik sei außer der persönlichen Einschätzung von Frank Hake „von keiner anderen Dienststelle an uns herangetragen worden“, hält Michalzik fest. 

Dabei baut der Bürgermeister nicht zuletzt auf die Beurteilung des Wickeder Bezirksbeamten, Polizeioberkommissar Stefan Hansner, der seit Juni 2016 vor Ort tätig ist. „Ich habe den Eindruck, dass Herr Hansner schon den Blick darauf hat“. 

Gleichwohl will Michalzik „nicht in Abrede stellen“, dass die Hinweise Hakes auf die Drogenszene vor Orte realistisch sind. „Aber es ist nicht unsere Aufgabe, zu gucken, wer da dealt“. Das sei Sache von Polizei und Staatsanwaltschaft. 

Zugriffmöglichkeiten erkennt der Bürgermeister für die Kommune aber sehr wohl, wenn es um die Prävention geht. Diese Aufgabe sieht er unter anderem bei der Schulsozialarbeit.

Weitere Möglichkeiten könnte eine Initiative der Schulen bieten, die den Wunsch auf eine Ausweitung der Schulsozialarbeit geäußert hätten, so Dr. Martin Michalzik. Nachdem Wickedes Fachkraft Anne Schneidermann bereits eine volle Stelle bekleidet, könnte eine zusätzliche halbe Kraft hinzu kommen. 

In einem ersten Gespräch zum Thema habe die CDU-Fraktion im Rahmen der jüngsten Zusammenkunft hierzu bereits Aufgeschlossenheit signalisiert, so Michalzik. 

Von familiären Problemen bis hin zur Streitschlichtung an den Schulen ergebe sich eine Fülle von Aufgaben für die Schulsozialarbeit, die „stark nachgefragt“ werden, so der Bürgermeister. Mit einer personellen Ausweitung biete sich dann auch „mehr Raum für Prävention“.

So weit, so gut. Bis eine solche personelle Verstärkung aber greift, ändert sich einstweilen nichts an der Situation, wie sie Streetworker Frank Hake bereits im nichtöffentlichen Teil des Fachausschusses oder auch bei den jährlichen zwei Treffen aller Instanzen wie Kommune, Schulen, Jugendgerichtshilfe, Schulsozialarbeit, örtliche Jugendarbeit, etc. schilderte. 

Mehr noch: Wenn Frank Hake zum 30. Juni geht, blickt die Kommune einstweilen einer Vakanz entgegen. Laut der zu Beginn dieser Woche erfolgten Stellenausschreibung soll die Position zum 1. September neu besetzt werden. Zu diesem Datum hat die evang. Kirchengemeinde die Nachfolge Hakes ausgeschrieben. 

Stelle ist neu ausgeschrieben

Die Kirchengemeinde ist offizieller Träger und Arbeitgeber der Jugendarbeit, die Finanzierung kommt aber im wesentlichen vom Kreis Soest als Jugendhilfeträger bzw. von der Gemeinde Wickede (Ruhr), die so einen Großteil der kommunalen Jugendarbeit abgedeckt sieht.

Es werde auf jeden Fall eine Vakanz von zwei Monaten geben, erläutert vor diesem Hintergrund Pfarrer Dr. Christian Klein. Die Terminierung sei allerdings mit Bedacht gewählt worden. Zum einen würde bei einer Nachfolgeregelung ab 1. Juli die neue Kraft mitten in die Ferienpause hinein anfangen, zum anderen spekuliert man mit dem 1. September als Einstiegsdatum auf Berufsneulinge von der Uni, zumal der Markt der Fachkräfte für Streetwork/Sozialarbeit hart umkämpft sei und auch Nachbarkommunen rund um Wickede auf der Suche seien. 

Einer vorübergehenden Vakanz sieht nicht zuletzt Susanne Modler entgegen, im Rathaus Fachbereichsleiterin Zentrale Dienste, Bildung und Kultur, Schule, Kindergärten, Kultur und Sport. Wie der Träger bedauert die Vertreterin der Kommune den Weggang Hakes, der intern seit gut vier Wochen bekannt sei.

Und auch sie weiß, dass der Streetworker das Thema Drogenproblematik in früheren Gesprächen schon angesprochen hat. Um einer solchen Entwicklung wirksam zu begegnen, sei die Zusammenarbeit aller beteiligten Instanzen vor Ort notwendig. 

Vor diesem Hintergrund sieht die Fachbereichsleiterin nicht nur „eingeschränkte Präsenz-Möglichkeiten der Polizei“, die „nicht immer da sein kann, wo man es direkt brauchen könnte“. Vielmehr bedauert Susanne Modler eben mit Verweis auf die aktuelle Entwicklung auch die bisher relativ hohe Fluktuation in Positionen von Jugendarbeit oder Schulsozialarbeit.

Langfristige Aufgabe

Es gehe um Aufgaben mit langfristigem Charakter - hier sei „ein breites Feld aufzuarbeiten“. Deshalb könne man nicht erwarten, „dass die Situation innerhalb von zwei Jahren eine grundlegende Besserung erfährt“. Vielmehr sei „eine kontinuierliche Zusammenarbeit wichtig. Wenn dann alle zwei, drei Jahre neue Kräfte kommen, ist diese Kontinuität nicht gegeben“. 

Selbst wenn die Kirchengemeinde als Träger die Ausschreibung auf den 1. September datiert hat und am liebsten bereits vor den Ferien die Einstellungsgespräche führen möchte, bleibt abzuwarten, ob sich geeignete Bewerber einstellen, die zumindest auch das Potenzial für eine längerfristige Kooperation erkennen lassen - Garantien gibt es ohnehin nicht, wie selbst die jüngste Vergangenheit zeigt.

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