Mehr Sicherheit

Corona-Impfaktion in Flüchtlingsunterkunft: Viele Bewohner wollen den Pieks

In der ZUE Wickede-Wimbern gibt es fünf weitere Corona-Fälle. Das haben erste Ergebnisse des Massentests gezeigt.
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Mehr als 300 Personen leben und arbeiten in der ZUE in Wimbern. 

Der Impfschutz ist für die Bewohner der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Wimbern ein wichtiges Thema. Das zeigen die jüngsten Impfaktionen im Haus an der Mendener Straße, bei denen sich immerhin 63,3 Prozent aller impffähige Frauen und Männer, die hier aufgenommen sind, immunisieren ließen.

Wimbern - 76 Menschen aus der Bewohnerschaft haben sich bei der Kampagne vor wenigen Tagen und einer früheren Aktion piksen lassen. Von den insgesamt 181 anwesenden Bewohnern sind 53 unter 18 Jahre alt. Da eine Impfung mit dem Impfstoff Johnson und Johnson erst ab 18 Jahren zulässig ist, blieben noch 128 Personen über 18 Jahren. Abzüglich der acht schwangeren Bewohnerinnen verblieb eine Anzahl von insgesamt 120 impffähigen Bewohnerinnen und Bewohnern. Davon haben 44 das Impfangebot nicht angenommen – macht unterm Strich besagte Impfquote von 63,3 Prozent.

Impfen in der ZUE: Einfach-Impfung ein großer Vorteil

Der Vorteil des Impfstoffs Johnson und Johnson ist gerade für die Menschen in der ZUE von Bedeutung: Das Vakzin muss nur einmal verabreicht werden, um den vollen Impfschutz zu erlangen. Mittel mit doppelter Impfung sind eher ungünstig, weil immer mit der Zuweisung einzelner Bewohner der ZUE an neue Wohnsitze zu rechnen ist und es dann kompliziert wird, wenn noch eine Impfung offen ist. Aber nicht alle Frauen und Männer der ZUE haben Johnson und Johnson bekommen. Neben der Aktion in der Vorwoche hatten sich 17 Risikopersonen bereits am 29. April mit Biontech erstmalig impfen lassen und erhielten am 9. Juni bereits ihre Zweitimpfung mit Biontech, erläuterte jetzt Anna Carla Springob, Sprecherin der Bezirksregierung Arnsberg.

Im Vorfeld der Kampagne hatte die Landeseinrichtung auf verschiedenen Ebenen Informationen zum Thema angeboten. Zweimal täglich gab es eine Impfsprechstunde zu sämtlichen Fragen in Zusammenhang mit der Impfung.

Ein Aufklärungsvideo in verschiedenen Herkunftssprachen wurde im Foyer der Einrichtung gezeigt. Zudem gab es Informationsblätter mit QR-Codes, mit deren Hilfe das Aufklärungsvideo auf dem Handy in der jeweiligen Landessprache angeschaut werden konnte.

Vor dem Impftermin kam ein Impfarzt in die ZUE und informierte Kleingruppen im Rahmen einer Informationsveranstaltung. Zudem gab es weiteres Aufklärungsmaterial des RKI in den Herkunftssprachen – eine Fülle von Informationen und Aufklärung also, die zur Impfquote von 63,3 Prozent beigetragen haben dürfte.

Mit ähnlich hohem Anteil ist mittlerweile auch die Mitarbeiterschaft im Haus durchgeimpft. 127 Frauen und Männer arbeiten in der ZUE, rund zwei Drittel von ihnen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt geimpft. Weitere Impftermine für die Mitarbeiter im Impfzentrum Soest sind vereinbart.

Die Immunisierung kann aber nur ein Teil des Schutzkonzeptes in der ZUE sein. Wenn zwischen 180 und 200 Menschen dort wohnen, zusätzlich ein Stab von rund 120 Betreuungs-, Verwaltungs- und Sicherheitskräften im Haus agiert, kann nur ein enges Netz von Schutz- und Sicherheitsvorkehrungen verhindern, dass es zu vermehrten Infektionen kommt.

Tatsächlich hatte es aber unter den Bewohnern in der gesamten Pandemie bisher nur 36 begründete Covid-Verdachtsfälle gegeben, Personen also, die aufgrund von Symptomen getestet wurden. Von diesen Verdachtsfällen hatten sich lediglich 13 als positive Infektionen erwiesen. Und von denen, so war im vergangenen Jahr zu hören, hatten sich noch nicht einmal alle vor Ort infiziert, sondern auswärts, hatten dann entsprechend auswärts die Infektion durchlebt und waren erst genesen wieder nach Wimbern zurückgekehrt.

Die Prävention im Haus war seinerzeit nicht zuletzt von der Kommune hervorgehoben worden. So hatte Bürgermeister Martin Michalzik im Zusammenhang mit einer Testaktion geäußert: „Die aktuell geringe Fallzahl unterstützt meinen bisherigen Eindruck, dass das Pandemie-Management in der ZUE-Flüchtlingsbetreuung durch Bezirksregierung und Malteser-Hilfswerk während der vergangenen 12 Wochen, seit Beginn der Auflagen, insgesamt funktioniert.“

Um das zu erreichen, legt die ZUE hohe Maßstäbe an. So werden nur Neuankömmlinge aufgenommen, die binnen der vergangenen 48 Stunden per PCR-Test negativ getestet wurden. Wer die ZUE länger als 48 Stunden verlässt, wird bei der Rückkehr per Schnell- und PCR-Test durch das medizinische Fachpersonal der hauseigenen Sanitätsstation überprüft. Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden die Bewohner in Kohorten eingeteilt. In diesen Gruppen werden sie zum Essen in die Kantine begleitet, die zwischen den einzelnen Kohorten desinfiziert und gelüftet wird. Auch die Taschengeldausgabe oder verschiedene Freizeitaktivitäten finden in dieser Gruppenaufteilung statt. In der Einrichtung gelten Hygiene- und Abstandsregelungen, Klinken und Handläufe werden laufend desinfiziert, zudem bietet das Haus regelmäßig kostenlose Tests für die Mitarbeiter ebenso wie für alle Bewohner an. Das gelte auch für Kinder des schulnahen Bildungsangebotes, über das jüngst noch berichtet wurde.

Impfen in der ZUE: Vertrauensvolles Miteinander

Das Gesamtpaket dieser Maßnahmen gewährt den Menschen in der ZUE ein hohes Maß an Sicherheit, dass eine massive Corona-Infektion im Haus keine Chance hat.

Und es gibt vor dem Hintergrund des Miteinanders vor Ort auch der Bevölkerung ein gutes Gefühl, wenn man sich als Mensch begegnet, ob auf dem Bürgersteig oder an der Theke im Supermarkt.

Auch das ist ein Mosaiksteinchen des vertrauensvollen Miteinanders, das sich nach einem turbulenten Auftakt Mitte des vergangenen Jahrzehnts über die Jahre entwickelt hat. Dies belegen sowohl die Kontakte auf administrativer Ebene als auch die Partnerschaft von ZUE und ehrenamtlichem Engagement, die sich in der Bevölkerung breiter Unterstützung erfreut.

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