Brutdrama an der Ruhr in Wickede

Wind fegt Storchennest vom Mast - Eier gehen zu Bruch

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Der Sturm riss ihr Nest vom Mast herunter: Das Storchenpaar in Wickede an der Ruhr

Keine guten Nachrichten vom Storchenhorst an der Alten Ruhr: „Der Wind hat das Nest in der Nacht zu Dienstag vom Strommast heruntergefegt“, berichtet Marianne Rennebaum von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Soest. Zwei von vier Eiern gingen zu Bruch. Doch es gibt auch eine gute Nachricht aus der heimischen Natur: Der Biber ist an der Ruhr jetzt offenbar auch mitten in Wickede zurück. 

Wickede - Zunächst zum Storchenpaar. Offensichtlich noch zwei junge und relativ unerfahrene Tiere, vermutet die Wickederin Marianne Rennebaum nicht zuletzt mit Verweis auf den „Bauplatz“, den sich die beiden fürs Eigenheim ausgesucht hatten: oben auf dem Strommast der 30kV-Leitung von Fröndenberg nach Wickede in Höhe der Schäferei Pieper.

Dort hatten sie in den vergagenen Wochen mit dem Brutgeschäft begonnen. Offenbar aber war das Nest nicht gut genug verankert, oder aber die Böen zu stark, die durchs Ruhrtal zogen. Jedenfalls wurde der Horst vom Strommast gefegt und landete in der Wiese.

Zwei Eier gingen zu Bruch, zwei weitere konnten Nachbar Schäfer Thomas Pieper heil bergen. Ob sie von den Eltern wieder angenommen werden, ist fraglich.  

Thomas Pieper machte jedenfalls das Beste aus der Situation: Er stapelte nebem dem Strommast Strohballen auf und setzte das Nest mit den beiden verbliebenen Eiern obendrauf. „Die Vögel haben auch schon einmal wieder im Nest gestanden - aber was da jetzt genau ist, muss man abwarten“, meint der Schäfer.

Marianne Rennebaum, die seit Beginn die nistenden Störche beobachtet, hofft ebenfalls, dass die Eltern die Brut nach dem Unfall wieder aufnehmen. Aber selbst wenn nicht: Für die Umweltexpertin liefert der Nistversuch eine gute Perspektive. „Dann versuchen sie es im nächsten Jahr bestimmt wieder“. 

In den zurückliegenden Jahren waren nistende Störche vor Ort so gut wie gar nicht zu beobachten, von den rund 25 nistenden Paaren im Kreis Soest findet man die größte Ansammlung an der Lippe. 

Weit schweifen muss das Auge vom jetzt neuen Nistplatz an der Alten Ruhr aber nicht, denn schon wenige Kilometer weiter in Fröndenberg in so naturbelassenen Bereichen wie der Kiebitzwiese sind nistende Störche keine Seltenheit.

Begeistert ist Marianne Rennebaum aber auch über eine andere Nachricht. Spaziergänger haben am 1. Mai mitten in Wickede an der Ruhrpromenade einen Biber entdeckt, der dort seelenruhig im Gebüsch vor sich hinmümmelte.

Sonja Eickenbusch hatte sich eben von der Weißen Villa aus zu einem Rundgang aufgemacht, da endeckte sie den Biber im Bereich des Trommelwehrs und zückte geistesgegenwärtig ihre Handykamera. Bestens zu erkennen ist auf ihrem Foto der breite Schwanz, das untrügliche Merkmal des Bibers.

„Wir hatten bisher lediglich am Rand von Wickede Richtung Haus Füchten Biberspuren entdeckt“, erläutert Marianne Rennebaum. Somit war zwar klar, dass der fleißige Nager vor Ort zu finden ist, aber so unverblümt vor die Linse hat man ihn in Wickede wohl noch nicht bekommen. Zuvor war vor einigen Wochen aus Möhnesee eine Biber-Beobachtung gemeldet worden. 

Dass nun ein Biber mitten in Wickede an der Ruhr gesehen wurde, ist für die Umweltexpertin „ein gutes Zeichen“. Es zeige, dass der Naturraum intakt ist, diene nicht zuletzt als Beleg dafür, dass die Renaturierung der Ruhr funktioniert.

In deren Rahmen hatte das Land unter Federführung von Dezernent Ulrich Detering den Ruhrabschnitt zwischen Freibad und Trommelwehr so zurückgebaut, wie er ursprünglich ausgesehen haben könnte. 

Der beste Bauherr am Fluss ist aber die Natur selbst - und hier spielt gerade der Biber in puncto naturnaher Gestaltung eine ganz besondere Rolle, so Marianne Rennebaum.

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