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Brombeere blockiert Bewuchs

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Von: Martin Hüttenbrink

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Holzhaufen und Hochhaus
Am Hochhaus sind Äste und Unkraut zusammengeschoben worden, zwischen den Wällen wird in Kürze aufgeforstet. © Martin Hüttenbrink

Bei der Wiederaufforstung früherer Waldflächen im Gemeindegebiet wird jetzt der nächste Gang eingelegt. Die Südspitze des Hövelwaldes bekommt in diesem Frühjahr ihre hochwertige Aufforstung, ebenso knapp 10 000 Quadratmeter am Hochhaus. Und zwischen Hövelstraße und „Im Winkel“ soll dem Wald im Kampf gegen die Brombeeren auf die Beine geholfen werden. Die Naturverjüngung fruchtet nicht wie gewünscht, gibt Förster Allan Mitchell einen Überblick.

Wickede – Auf dieser Gefällefläche war nach den Sturmschäden durch „Friederike“ 2018 ursprünglich eine Wiederaufforstung mit Einzäunung der Schonung vorgesehen. Später hatten Förster und Kommune gemeinsam beraten, die Fläche sich selbst zu überlassen. Die Hoffnung: Im Rahmen der Naturverjüngung sollte standorttypischen Bäumen Gelegenheit gegeben werden, sich hier z.B. durch Samenflug selbst zu säen, so dass sich nach und nach von ganz alleine ein neuer Baumbestand bildet und zu einem Wald heranwächst.

Die gute Voraussetzung hierfür ist aber zugleich das größte Hindernis: Der fruchtbare nährstoffreiche Boden! Er begünstigt vor allem die schnell wachsende Brombeere, die dazu neigt, den Boden so abzudecken, dass Baumschößlinge keine oder kaum eine Chance haben. Weil sich nur vereinzelt junge Hochstämme durch das Dornengeflecht kämpfen konnten, werde dort in Kürze „Hand angelegt“, erklärt Förster Allan Mitchell.

Anpflanzungen sind ein Spiel mit dem Licht

Will heißen: Im Waldverband mit den bisher durchgekommenen Sträuchern und jungen Bäumen sollen insbesondere im feuchten Siepen Schwarzerlen gepflanzt werden; sie weisen gerade in der Jugend ein rasantes Wachstum auf und sollen später den Boden derart beschatten, dass die Brombeere ihre Dominanz verliert und sich dann schattenliebende Arten wie Buchen und Weißtannen entwickeln, so das Kalkül der Fachleute.

„Es ist immer ein Spiel mit dem Licht“, beschreibt Allan Mitchell das strategische Vorgehen, wenn es um Neuanpflanzungen und Aufforstungen geht. So auch am Hochhaus. „Dort haben wir eine Fläche mit dem Bagger räumen lassen“, beschreibt der Förster zum Vorgehen. Das ergebe zwar nicht so ein sauberes Bild wie beim Mulchen, bei dem am Ende nur noch Häcksel am Boden übrig bleibt.

Stattdessen schiebe man alles Astmaterial, Unkraut etc. zu langen Wällen zusammen. Zwischen denen wird dann aufgeforstet. Bei einer ersten Durchforstung nach 20, 30 Jahren sind die früheren Wälle in sich zusammengesackt, ist das Material verrottet. Diese Streifen können dann als Rückegassen genutzt werden, um den Baumbestand zu pflegen.

Bis dahin werden die Stämme etwa von Eiche oder Kirsche zunächst bewusst so eng gesetzt, dass sie vor allem nach oben dem Licht zustreben und einen schönen schlanken Wuchs ausbilden. Nach 20 bis 40 Jahren werden dann bei einer ersten Durchforstung gezielt einzelne „Bedränger“ gefällt, damit die auserwählten Bäume jetzt eine breitere Krone und einen größeren Stammdurchmesser entwickeln können.

Die so gezüchteten Bäume wachsen nun weiter – bei Eichen sind es 160 bis 200 Jahre, bei Kirschen 60 bis 80 Jahre, um dann als wertvolles Holz entsprechend vermarktet werden zu können. Dabei wird immer auch darauf geachtet, ob eine „Wertastung“ notwendig ist. Dabei werden etwa bei der Kirsche vor allem im unteren Stammbereich Äste entfernt.

Zaunbau am Hochhaus beginnt in Kürze

Sie wachsen so nicht mehr ins Stammholz ein. Dadurch können sich störungsfreie Jahresringe bilden, die Holzqualität wird deutlich erhöht. Bei Totastverlieren wie Buche, Eiche oder Ahorn macht das die Natur: Wenn diese Bäume eng beieinander stehen und die jeweiligen Äste kein Licht mehr bekommen, sterben sie von alleine ab.

Während die neu gepflanzten Schwarzerlen an der Hövelstraße jeweils einzeln mit einem Kunststoffschlauch geschützt werden sollen, erfolgt der Schutz bei der rund einen Hektar großen Aufforstung am Hochhaus mit einem Zaun. Der Zaunbau soll dort in den nächsten Wochen laufen.

Fertiggestellt sein wird dann auch die Einzäunung in der Ostspitze des Hövelwaldes. Es ist das Gebiet zwischen dem Fußweg von der Rollschuhbahn zum ASV-Heim und der Grenze nach Ense. Dort, wo früher die Dicke Buche stand, hat der neue Eigentümer gemeinsam mit den Forstexperten eine wertige Aufforstung der Fläche in erster Linie mit Laubmischwald geplant.

Auch wenn es kein ausgewiesener Wirtschaftswald ist, der auf den gemeindlichen Flächen gepflanzt wird, so steht doch mit Blick auf die Aufforstungen immer eine ökologische und auch ökologische Wertigkeit im Fokus. „Selbst wenn es kein Nutzwald ist, denkt man trotzdem immer auch an die Holznutzung. Deshalb streben wir auch immer danach, einen vernünftigen Wald zu erstellen“, so Allan Mitchell.

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