Artenschutz in Wickede

Brachflächen zu Wildblumenwiesen

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Sie sorgen in großem Stil für Wildblütenflächen: Die Landwirte Senior und Junior Eberhard Wenner sowie die Brüder Michael und Markus Tönnies (v.r.) - mit von der Partie ist bei der Aktion auch Bauern-Vorsitzender Theo Arndt.

Wickede/Wiehagen – Blühende Landschaften! Unter diesem Schlagwort war schon manches angekündigt worden - Wickeder Bauern haben es umgesetzt, haben auf ihren Äckern Blühschneisen angelegt und in einem Fall sogar ein ganzes Feld mit Wildkräutern und Wildblumen eingesät, um neue Refugien für Insekten, Vögel, Rebhühner, Fasane und Feldhasen einzurichten.

Und viele kleinere Flächen im Gemeindegebiet machen es ihnen nach - von der öffentlichen Wiese bis hin zum Privatgarten.

In Anlehnung an den Ausspruch von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der Anfang der 90er Jahre mit besagten „blühenden Landschaften“ die Wandlung der Industriebrachen in den neuen Bundesländern in florierende Wirtschaftsbezirke meinte, haben einige engagierte Wickeder Landwirte mit der Realisierung ihres Projektes tatsächlich - und wesentlich nachhaltiger - Ackerflächen zu Leben spendenden Wildblumenwiesen werden lassen. 

Das größte „Bienenbuffet“ ist dabei sicherlich das 10 000 Quadratmeter (1 Hektar) große Feld von Landwirt Eberhard Wenner zwischen Prozessionsweg und dem Weg „Am Bock“ als Ausläufer des Haarstrangs. 

Im zeitigen Frühjahr habe er mit Bürgermeister Dr. Martin Michalzik gesprochen, um ihn vom Wildkräuter-Projekt zu überzeugen und um Unterstützung zu bitten, berichtet Eberhard Wenner jetzt neben dem blühenden Feld. Tatsächlich habe der Bürgermeister sofort positiv reagiert und ihm über den Bauhof zehn Kilogramm der Saatmischung „Blühschneise hoch, einjährig“ zukommen lassen.

 „Bei einer Saatstärke von einem Gramm pro Quadratmeter war dies auch die exakt richtige Menge für mein Feld!“, so Wenner. 

Zwar war es bereits Ende Mai als Wenner das Saatgut letztlich in den Händen hielt und auch umgehend aussäte. Zudem habe es tags darauf  stark geregnet, so dass etliche Samen zugeschlagen, also verschlemmt und verkrustet seien. Dennoch stehe der Acker mittlerweile mit zahlreichen Wildkräutern, Ringelblumen, Lein, Phacelia und Sonnenblumen in prächtiger Blüte. 

Beim Ortstermin jedenfalls wimmelte es dort nur so vor Bienen, Hummeln und Wespen, man konnte zahlreiche Wildspuren erkennen und auch die Vögel nutzen das blühende und duftende Refugium offensichtlich als Lebensraum. 

Neben Eberhard Wenner und Sohn Eberhard jr. haben WLV-Ortsverbandsvorsitzender und Landwirt Theo Arndt und die beiden Brüder Markus und Michael Tönnies (Spediteure und Nebenerwerbslandwirte) jeweils Ackerstücke und Randstreifen von etwa 2 000 Quadratmeter eingesät. 

Als Saatgut dienten die von offiziellen Prüfstellen anerkannten „Wildkräuter-Blühmischungen“ (Saatstärke 2g/Quadratmeter) des westfälischen Landwirtschaftsverbands - auch diese Aktionen verliefen übrigens mit großem Erfolg. 

Nun soll, so die Hoffnung der beteiligten Landwirte, für die kommenden Jahre ein Patenschaftssystem (Crowdfunding) installiert werden, um die Nachhaltigkeit des Projektes abzusichern. 

Die Bauern hoffen auf Unterstützung aus der hiesigen Unternehmerschaft und natürlich auch von Privatleuten, die bereit, sind die Kosten für das Saatgut und eine kleine Entschädigung für den Ernteausfall zu übernehmen.

„Die Arbeitskraft, die Sachkenntnis und die Maschinen sowie den Boden werden wir liefern. Aber wir benötigen etwas Unterstützung, um das Projekt für die kommenden Jahre zu stabilisieren“, so Eberhard Wenner. Kontaktmöglichkeit und Infos zum Projekt gibt’s bei ihm unter der Wickeder Telefonnummer 7239 oder bei Theo Arndt (Tel. 2318 oder reitschule-arndt@t-online.de. 

Was die Landwirte im Großen geleistet haben, findet man zudem auch an vielen Stellen der Gemeinde im Kleinen; ob es nun die Samentütchen waren, die für die Wildblumenecke im Privatgarten verteilt wurden, ob es der Streuer mit Wildsaatgut war, den man sich im Frühjahr mal im Discounter gekauft und mit blühendem Ergebnis daheim ausprobiert hat, oder ob es die Flächen sind, die der Bauhof in der Salmke auf diese Weise einsäte.

Zahlreiche Beete, Streifen und Einfassungen im Gemeindegebiet sind in diesen Tagen ein Paradies für alle Sinne. Die Augen erleben die schönsten Farben, der Duft verleitet zum tiefen Einatmen und die Augen erfreuen sich an der großen Vielfalt der Insekten, unter deren Gewicht sich die Wildblumen mitunter tief hinabbeugen, um ihren Blütenstaub abzugeben...

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