WHW Hillebrand Gruppe

186 Pikser in 8 Stunden: Firma im Kreis Soest impft Mitarbeiter an einem Arbeitstag

Maja Ebel ist noch jung an Jahren und hätte ohne den Wegfall der Priorisierung noch eine Weile warten müssen. So konnte sie sich als Auszubildende bei der WHW Hillebrand Gruppe schon jetzt von Betriebsarzt Dr. Georg Bill vom Werkarztzentrum Westfalen-Mitte impfen lassen.
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Maja Ebel ist noch jung an Jahren und hätte ohne den Wegfall der Priorisierung noch eine Weile warten müssen. So konnte sie sich als Auszubildende bei der WHW Hillebrand Gruppe schon jetzt von Betriebsarzt Dr. Georg Bill vom Werkarztzentrum Westfalen-Mitte impfen lassen.

In der kleinen Halle herrscht am Mittwoch Schichtbetrieb. Jede Schicht dauert jedoch nur eine halbe Stunde: In dieser Taktung wechseln sich von 8 bis 16 Uhr der Reihe nach jeweils 15 Mitarbeiter ab.

Wickede - Reinkommen, von den Damen vom Personal- und Sozialmanagement die vorab ausgefüllten Formulare checken lassen, Gespräche mit den Ärzten, Spritze, 15 Minuten auf mögliche Nebenwirkungen warten.

186 Mitarbeiter der WHW Hillebrand Gruppe werden am Mittwoch auf diese Weite geimpft. Das mag zwar nicht dem kompletten Mitarbeiterstab entsprechen. Immerhin ist die Firma seit Jahren der größte Arbeitgeber im Ort, sichert die Existenz von rund 700 Beschäftigten und ihren Familien.

Zweitimpfung folgt am 28. Juli

Aber es musste längst nicht mehr jedem ein Impfangebot gemacht werden: Etliche sind bereits mindestens einmal geimpft, andere sind genesen, manch einer einfach nur terminlich verhindert, ein anderer wiederum ist Risikopatient. „Nur zwei oder drei Kollegen wollten nicht geimpft werden“, meint Gregor Seltmann. Als Leiter der Betriebstechnik und Fachkraft für Arbeitssicherheit hat er die Aktion organisiert.

Verimpft wird über acht Stunden hinweg Biontech. Da diese Vakzine nach sechs Wochen ein weiteres Mal verabreicht werden muss, folgt am 28. Juli die Neuauflage. Genutzt wird dafür die Halle eines früheren kleinen Nachbarunternehmens, die die Hillebrand Gruppe aufgekauft hatte. Später soll dieses firmeneigene Kurzzeit-Impfzentrum in eine eigene Lehrwerkstatt verwandelt werden, „denn wir wollen das Ausbildungsniveau höher ziehen“, meint Seltmann.

Eine unlängst hinzugekaufte Halle wird für die Test- und Impfaktionen genutzt. Später soll sie in eine Lehrwerkstatt verwandelt werden.

Vor dem Drehen, Fräsen, Schweißen heißt es hier jedoch zunächst Testen, piksen, impfen. Denn auch für große Massentests wurde die Halle schon genutzt. Zu ihr gehört auch ein Wohnhaus. Dort werden die Spritzen aufgezogen, dort befindet sich jedoch auch ein Ruheraum für Kollegen, für die die Viertelstunde, die alle nach der Impfung warten sollen, nicht ausreicht. „Aktuell befindet sich dort eine Frau, die aber nur eine Angstreaktion hatte“, meint Gregor Seltmann, der die ganze Aktion betreut. Da er auch in der Vergangenheit bereits die großen Testaktionen begleitete, galt er als priorisiert, er wie auch seine Frau, die in einem Krankenhaus arbeitet, wurden bereits geimpft, „und während ich keine Reaktionen bekam, hatte meine Frau zwei Tage lang Fieber“, spielt er die Nebenwirkungen nicht unter den Tisch.

Impfstoff schon früh bestellt

Er geht sogar noch ein Stück weiter: „Impfen ist nicht die eiserne Rüstung gegen Covid-19. Geimpft zu sein bedeutet nicht, dass man sich fortan nicht mehr mit dem Thema beschäftigen muss. Corona bleibt. Doch die Impfung verhindert in den meisten Fällen einen schweren Verlauf.“

Vielerorts hoffen die Betriebsärzte vergeblich, in den Unternehmen impfen zu können. Ihnen fehlt der Impfstoff. „Wir sind schon ganz früh in die Maßnahme eingestiegen und haben entsprechend früh bestellt. Aber auch wir wussten bis Montag nicht, ob uns genügend Impfstoffe zugeteilt wird, da schon sehr viel Biontech für die Zweitimpfungen zurückgehalten wird.“

Das Team der Impfaktion, bestehend aus (von links) Sascha Grewe vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement Juntos aus Wickede, Gregor Seltmann (WHW), Betriebsarzt Dr. Georg Bill, ebenso vom Werkarztzentrum Westfalen-Mitte wie Vera Leißner, Sarah Thomlin-Bußmann und Facharzt Christian Heinen.

Da es dann kurzfristig doch noch geklappt, nimmt das Unternehmen auch in Kauf, dass an diesem Tag der Produktionsfluss massiv gestört ist, auch auf die Gefahr hin, dass der Betrieb am Donnerstag aufgrund entsprechender Reaktionen nur im Notfallmodus laufen könnte. Seltmann lobt das „hohe Maß an Engagement der Geschäftsleitung“. Die habe auch zugesichert, dass bei einem Tag Ausfall der Lohn weitergezahlt werde. Wer länger ausfällt, muss sich ganz normal krankschreiben lassen. „Der humanitäre Gedanke, dass es der Belegschaft gut geht, hat stets im Vordergrund gestanden“, fährt Seltmann fort.

Keine Impfdose bleibt ungenutzt

Wichtig ist dem Unternehmen auch, dass wirklich alles, was an Impfdosen vorhanden ist, genutzt wird: Für den Fall, dass etwas übrig bleibt, hat Walter Hillebrands Firmenimperium sich mit dem Nachbarunternehmen verabredet, dass einige derer Mitarbeiter sich damit impfen lassen können, berichtet Seltmann.

Bei diesem Nachbarn handelt sich um Hillebrand Coating, also die Firma von Walter Hillebrands Bruder Rudolf – verbleibende Impfdosen bleiben also quasi in der Familie.

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