Kompromiss scheint vom Tisch

Zweifachhalle: Überraschende Koalition für große Neubau-Lösung

So könnte die neue Zweifachhalle im Sportpark Werl aussehen.
+
So könnte die neue Zweifachhalle aussehen im Sportpark Werl aussehen.

Der geplante Bau einer Zweifachhalle im Sportpark wird zum Kräftemessen zwischen den politischen Lagern: Hier die CDU, die sich für eine „kostenneutrale“ Kompromisslösung ausspricht, dort ein Block aus SPD, Grüne, BG und FDP, die sich in einer gemeinsamen Presseerklärung für den Neubau mit Tribüne und Mehrzweckraum ausspricht – der Mehrkosten zum Trotz.

Werl - Die CDU hatte in einer Erklärung vom Dienstag die Kompromisslösung in den Raum gestellt, der die Vereine Werler TV und DJK Grün-Weiß Werl sowie der Stadtsportverband - wenn auch zähneknirschend - zuzustimmen bereit wären. Der Kompromiss sah vor, statt einer Tribüne eine Reihe mit 60 Sitzgelegenheiten zu bauen und den gewünschten Mehrzweckraum kleiner als zunächst geplant zu bauen.

Aber der politische Schulterschluss der anderen Seite mischt die Karten völlig neu. Vom Kompromiss ist darin keine Rede: „Wir von den Fraktionen SPD, Grüne, BG und FDP konnten bei dem Workshop eine klare Meinung der Schul-, Sport- und Vereinsvertreter mitnehmen“, heißt es in dem von Sascha Quint (SPD), Thomas Schulte (Grüne), Siegbert May (BG) und Mayela Hiltenkamp (FDP) unterzeichnetem Schreiben. Und: „Aufgrund aller Fakten positionieren wir uns eindeutig zu Gunsten der Vereine und Schulen.“

Man habe die Argumente abgewogen und fordere nun den Neubau der Zweifachturnhalle mit Tribüne und Mehrzweckraum. „Auch wenn das für unsere Stadt Mehrkosten verursacht und andere Maßnahmen aus dem ISEK (Stadtentwicklungskonzept, die Red.) geringer ausfallen oder eventuell verschoben werden müssten, sehen wir dieses zukunftsweisende Projekt als echten Gewinn für die Werler Stadtentwicklung und die gesamte Bevölkerung“, so die Fraktionen. „Werl hat hier und jetzt die Chance, nachhaltig und mutig in einer gemeinsamen Anstrengung einen Kraftbrunnen für die Sportler von heute und morgen zu erschaffen und sollte diese nicht vergeben.“

Dreistündiger Gedankenaustausch

Am Montag hatte ein rund dreistündiger Gedankenaustausch von Vertretern der Verwaltung, des Marien-Gymnasiums, der Sälzer-Sekundarschule, des Stadtsportverbands, der Vereine DJK und TV sowie aus allen politischen Fraktionen über den Neubau im Sportpark stattgefunden.

Dabei, so heißt es in dem Schreiben, sei es im ersten Diskussionspunkt um die Frage gegangen, „ob ein zusätzlicher Mehrzweckraum mit Spiegelwand benötigt wird“ – so wie es die Verwaltung in einem Variantenentwurf vorgestellt hatte. „Schnell stellte sich heraus“, so SPD, Grüne, BG und FDP, „dass sich sämtliche Nutzer der geplanten Zweifachhalle in aller Deutlichkeit für diesen zusätzlichen Raum aussprechen.“ Dort könnten nicht nur kleinere Gruppen ihren Sport ausüben, auch Fitnessgeräte, „die in absehbarer Zeit aus der Overberg-Sporthalle ausgelagert werden müssen, wären hier gut einsetzbar.“

Die Vertreter der Schulen hätten ebenfalls den zusätzlichen Multifunktionsraum befürwortet, da Arbeitsgemeinschaften „diesen wunderbar nutzen können, ohne gleich eine ganze Halle zu benötigen und so parallele Nutzungen möglich sind.“

Zuschauerbereich vom Spielfeld getrennt

Gerade die Trainerinnen der „Kangaroos“ des Werler TV seien von der Aussicht, einen zusätzlichen Raum für ihre Sportart zur Verfügung zu haben, „begeistert“ gewesen. Allein die sportlichen Erfolge dieser Gruppe würden die Diskussion der Notwendigkeit des Zusatzraums „ad absurdum“ führen. Konsens sei gewesen, dass die meisten Vertreter „eine Tribüne in der neuen Zweifachturnhalle als dringend erforderlich erachten, um auch hier Wettkämpfe mit Publikum stattfinden lassen zu können“, schreiben die Fraktionen. Der Zuschauerbereich wäre vom Spielfeld abgetrennt, „sodass der Hallenboden geschont und sehr langfristig ausbesserungsfrei bleiben wird“.

Nachdem die CDU am Dienstag die Lösung mit kleinerem Zuschauerbereich und kleinerem Mehrzweckraum als neuen Kompromiss öffentlich gemacht hatte, zeigte sich auch der Werler TV, vehementer Verfechter einer Tribüne, kompromissbereit – wenn denn dafür der vom Verein schon lange gewünschte Mehrzweckraum auch wirklich komme, so Vorsitzender Michael Kuge. Ähnlich äußerte sich auch Günter Korf, der Vorsitzende der DJK Werl: Die große Lösung wäre zwar besser gewesen, aber mit dem von Stadtplaner Ludger Pöpsel ins Gespräch gebrachten Kompromiss könne sich der Verein anfreunden.

Frage des Geldes

Die Frage, ob die Sporthalle um einen Mehrzweckraum ergänzt werden sollte, sei „am intensivsten diskutiert“ worden, sagt CDU-Chef Gerd Petermann. Viele Vereine hätten sich diesen zusätzlichen Raum gewünscht. Aber die CDU zielt vor allem auf die Kosten: Die Halle werde aus den rund 14,5 Millionen Euro umfassenden Mitteln für das Stadtentwicklungskonzept (ISEK) finanziert. Rund 7 Millionen Euro sollen in die Halle und ihr Umfeld fließen. Darin seien die Kostensteigerungen für den zusätzlichen Mehrzweckraum von rund 380 000 Euro nicht vorgesehen.

Die Gelder des ISEK seien begrenzt, es seien noch viele wichtige Projekte aus dem Topf geplant. „Die Mehrkosten des Mehrzweckraums würden in der Folge bei anderen Projekten wie der Sanierung der Fußgängerzone oder der Aufwertung des Kurparks fehlen“, sagt Petermann. Der im Kurpark geplante große Wasserspielplatz solle beispielsweise rund 320 000 Euro Kosten „und würde damit zur Disposition stehen“.

Im März, so die CDU, hatte die Politik einstimmig ein Raumprogramm mit einer Tribüne und ohne Mehrzweckraum beschlossen. „Lediglich die CDU hatte damals zusätzlich angeregt, alternativ zur Tribüne einen Mehrzweckraum für die Vereine zu prüfen“, so Petermann. In der Folge schlug die Verwaltung zwei Varianten vor: beide mit einer dreireihigen Tribüne, aber eine mitsamt Mehrzweckraum.

CDU: Viele Nutzer bevorzugen Mehrzweckraum

Im Laufe der Diskussion am Montag sei aber deutlich geworden, „dass viele Nutzer wie die anwesenden Schulvertreter oder die meisten Vereine gar keine Tribüne benötigen. Im Gegenteil sogar den Mehrzweckraum bevorzugen würden“, so die CDU. Eine Darstellung, der TV-Chef Michael Kuge auf Anfrage deutlich widerspricht: Mit Ausnahme der Vertreterin des Marien-Gymnasiums hätten alle Vertreter sehr deutlich die Notwendigkeit der Tribüne betont. „Es war keine Rede davon, dass die Tribüne wegfallen sollte. Grundsätzlich wollten sie alle“, sagt Kuge. Und auch die Vertreter der anderen Parteien wären eher auf der Linie gewesen, beides zu bauen: die Tribüne mit drei Reihen und den Mehrzweckraum, den im übrigen schon die „Kangaroos“ als TV-Abteilung vor der CDU gewünscht hätten. Gleichwohl werde man einen Kompromiss mittragen, sagt Kuge. Wenn so Platz für rund 160 Zuschauer entstehe, von denen 60 sitzen könne, sei das zumindest tragbar.

Auch Korf sagte: „60 Plätze würden uns reichen.“ Ganz auf eine Tribüne verzichten sollte man aber nicht. Schon allein, weil sonst Besucher wie Eltern mit ihren Straßenschuhen alle über den Hallenboden laufen. „Der ist dann ruckzuck kaputt.“

„Mutig entscheiden“

Korf forderte die Politiker auf, mutig zu entscheiden: Die Halle werde 30 oder sogar 50 Jahre genutzt, auf diese Zeit hochgerechnet seien die Mehrausgaben für das Gesamtpaket aus Mehrzweckraum und Zuschauerbereich aus seiner Sicht vernachlässigbar. „Wir müssen auch an die Kinder und Jugendlichen denken. Wenn wir jetzt ohne Not eine Tür zuschlagen, ist das Geschrei später groß, wenn etwas nicht geht.“

Der Kompromiss sei sicher „nicht ideal“, sagt Thaddäus Rohrer (Stadtsportverband). Gleichwohl wäre das eine Lösung, die man mittrage, um Kosten zu reduzieren. Aber nur unter der Voraussetzung, dass der vom TV erhoffte Mehrzeckraum, der einhellig gewollt werde, auch „ausreichend groß ist“. Rohrer lobte die Verwaltung für den Kompromiss, der Stadtsportverband habe aber für beides plädiert: die Tribüne und Mehrzweckraum.

Laut CDU sahen die Schulvertreter mit einer Tribüne „die Nutzung der einzelnen Hallenteile sogar beeinträchtigt, weil eine Quernutzung der Teilhallen erschwert wird.“ Daher habe die Anregung der CDU aus dem März „deutlichen Zuspruch“ erhalten. „Schlussendlich bestand lediglich der Stadtsportverband auf der Tribüne.“

Die Workshop-Teilnehmer hätten der Verwaltung den Kompromiss-Prüfauftrag mit auf den Weg gegeben: Die Tribüne soll um zwei Drittel auf eine ebenerdige Sitzreihe mit nur noch 60 Plätzen verkleinert werden. Dahinter entstehen rund 100 Stehplätze. „Die Einsparung könnte dann genutzt werden, um kostenneutral einen kleineren Mehrzweckraum zu planen“, sagt Petermann.

Späterer Anbau?

Sollte dieser Kompromiss nicht umsetzbar sein, gebe es noch die von der CDU vorgeschlagene Alternative, die Halle erst ohne Mehrzweckraum zu errichten, aber für einen späteren Anbau vorzubereiten. Der könnte dann zu einem späteren Zeitpunkt mit anderen Fördertöpfen erfolgen. So seien andere ISEK Projekte nicht gefährdet und könnte „mit etwas Verzögerung die Wunschsituation für Vereine und Schulen erreicht werden“.

Unabhängig von der Entscheidung um einen Mehrzweckraum hat die CDU die Einrichtung einer Baukommission aus Vereinsvertretern und den beiden Vorsitzenden des Sportausschusses vorgeschlagen, um die Verwaltung bei Umsetzungsfragen unterstützen zu können.

Stadtplaner Ludger Pöpsel bewertete das Treffen als „konstruktives Gespräch“. „Wir haben die Anregungen aufgenommen.“ Der Kompromissvorschlag werde nun in der Verwaltung geprüft und durchgerechnet.

Entscheidung fällt am 1. Juli im Rat

„Am Ende muss und wird die Politik entscheiden“, sagt TV-Chef Kuge. Dem sehe man gespannt entgegen. Auch die CDU verweist darauf. Am 1. Juli werde der Rat über die mögliche neue Variante mit kleinerer Tribüne und kleinem Mehrzweckraum oder eine der alten Varianten zu entscheiden haben. Für die CDU hat sich das Treffen „auf jeden Fall gelohnt“.

Mit dem gemeinsamen Vorstoß der anderen Fraktionen haben sich die politischen Vorzeichen inzwischen allerdings deutlich verändert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare