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Begleitung kleiner Patienten: Test beim Kieferorthopäden doch kein „Muss“ - Rolle rückwärts der Behörden

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Von: Gerald Bus

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Die Patienten würden den Verantwortlichen der Corona-Regelung gerne die Zähne zeigen. Aber anders als gedacht.
Die Patienten würden den Verantwortlichen der Corona-Test-Regelung gerne die Zähne zeigen. Aber anders als gedacht. © Breloer

[Update 12 Uhr] Neuer Wirbel um die Testpflicht von Begleitungen junger Patienten: Was sich nach Klarstellungen des NRW-Gesundheitsministeriums bei Kinderärzten erledigt hatte, fand beim Kieferorthopäden weiter Anwendung. „Kann doch nicht sein“, dachte sich ein Werler, als er am Donnerstagmorgen den Anruf bekam. Kann es doch. „Muss es sogar“ - sagte die Werler Praxis. Bis zum Mittag: Da erfuhr sie sowie die Kollegen allerorten vom Ministerium: Der Test von Begleitern ist doch nicht nötig.

Werl - Die Bundes-Zahnärztekammer habe klar gesagt, dass Begleitpersonen von Kindern einen aktuellen Coronatest vorlegen müssen, selbst wenn sie geimpft sind, sagt Dr. Sabine Dietze-Sauer von der Werler Praxis für Kieferorthopädie auf Anfrage unserer Redaktion am Donnerstagmorgen. Die Anweisung des Berufsverbands sei deutlich. Werde das nicht befolgt, droht Ärger. Nichts zu machen also.

Die Rolle rückwärts konnte die Praxis dann aber am Mittag antreten: Da erreichte ein Schreiben des NRW-Gesundheitsministeriums zur Klärung der Lage die Praxis: Bei Begleitern handele es sich eben nicht um „Besucher“. Eltern, Erziehungsberechtigte und Betreuer seien vielmehr den Patienten gleichzusetzen. Heißt: Es ist doch kein Test mitzubringen.

Allerdings geht die Kieferorthopädin auch davon aus, dass ein zwölfjähriges Kind wie im Fall des Werlers nicht zwingend begleitet werden müsse. „Eltern können auch draußen warten.“ Bei Sechsjährigen sehe das schon anders aus. Aber auch da galt bis zum Donnerstagmittag : Der kleine Patient braucht keinen aktuellen Testnachweis, die Begleitung schon.

Unsere Kräfte am Empfang bekommen den geballten Unmut der Patienten zu spüren.

Sabine Dietze-Sauer, Kieferorthopädin

Dass das Patienten, gerade wenn sie doppelt geimpft sind, schwer zu vermitteln ist, weiß die Medizinerin. „Aber uns sind die Hände gebunden.“ Es gebe jede Menge Desinformation, das sei ohne Frage ärgerlich. Niemand wisse in dem Chaos richtig Bescheid, die Unsicherheit sei riesig. „Unsere Kräfte am Empfang bekommen den geballten Unmut der Patienten zu spüren“, schildert Sabine Dietze-Sauer. Dabei könnten die am wenigsten für das Problem. Man müsse in Grauzonen handeln - und folge Anweisungen. Dass die sich womöglich kurzfristig wieder ändern, ahnte Sabine Dietze-Sauer. Kurz darauf folgte die behördliche Klarstellung. Da war das Chaos aber schon perfekt.

Der Werler, der am Morgen den Anruf mit der Aufforderung zum Test für den Praxisbesuch am Nachmittag erhielt, kann all das nicht verstehen. Der Termin für das 12-jährige Kind stehe so lange, nun solle umständlich vorher noch ein Test gemacht werden? „Da ist es doch kein Wunder, wenn die Menschen Krankheiten verschleppen und gar nicht mehr erst zum Arzt gehen.“ Dass er nun doch nicht zuvor zum Testzentrum muss, erleichtert ihn. Aber der Frust über das Wirrwarr ist groß.

„Unklarheit“ auch bei Tests für Praxis-Beschäftigte

Auch bezüglich der täglichen Testungen der Praxis-Beschäftigten trotz Impfung oder Genesung erkennt das NRW-Gesundheitsministerium „eine Unklarheit“ im neuen Infektionsschutzgesetz des Bundes. Man sei um Klärung bemüht. Gerade vor dem Hintergrund knapper werdender Tests und Lieferschwierigkeiten sei die Aufrechterhaltung der Praxen gefährdet. „Eine solche Gefährdung aufgrund einer unklaren Gesetzeslage muss auf jeden Fall vermieden werden“, stellt das NRW-Ministerium klar. Daher sei eine nur zweimalige Testung immunisierter Beschäftigter erstmal „nicht zu beanstanden“.

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