Zwei große Anlagen nahe der Werler Grenze vorgesehen

Windradpläne sorgen für große Nervosität in Hilbeck

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Hilbeck/Unna - Aufregung in Hilbeck: Gar nicht allzu weit entfernt von jenen drei Windrädern, die unverändert in Teilen der Bevölkerung als störend empfunden werden, sollen zwei neue, ebenso wuchtige Windkraftanlagen entstehen.

In der Gemarkung Steinen und damit auf dem Gebiet der Nachbarstadt Unna ist das Projekt vorgesehen.

Es war der Hilbecker CDU-Ratsherr und Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Westervoß, der sich am Schluss der jüngsten Ratssitzung erkundigt hatte, ob ein solches Vorhaben der Werler Stadtverwaltung schon bekannt sei. Deren Mitarbeiter verneinten. Was für Andreas Schneider, Sachgebietsleiter für gewerblichen Umweltschutz im entsprechenden Fachbereich beim Kreis Unna, durchaus nachvollziehbar ist. Die Nachbarstadt Werl nämlich, sagt Schneider, habe man im laufenden Verfahren nicht eingeschaltet, weil das auch nicht erforderlich sei. Informiert dagegen habe man die Kreisverwaltung Soest.

Schneider bestätigt: In Steinen, unweit der Stadtgrenze zu Werl und nicht weit entfernt von Hilbeck, sollen zwei neue Windräder entstehen, mit gut 200 Metern ebenso hoch wie die drei Räder in Hilbeck. Die Leistung: je Rad 3 600 Kilowatt. Die Fachfirma „Abowind“ mit Sitz in Wiesbaden hat einen entsprechenden Antrag eingereicht, eine Bauvoranfrage wird zurzeit im Unnaer Kreishaus bearbeitet. 

Das erste Vorgespräch datiert aus dem August vergangenen Jahres. Mitarbeiter der interessierten Firma reichten Unterlagen und ein fachliches Gutachten nach. Verfahrensführer ist der Kreis Unna, der wichtige Behörden mittlerweile mit dem Vorhaben befasst und um Stellungnahmen gebeten hat. „Einige der Reaktionen liegen uns inzwischen vor, auf andere warten wir noch“, sagt Schneider.

Zwei Stellungnahmen könnten ganz besondere Brisanz enthalten. Die Stadt Unna muss sich zur Frage äußern, ob zwei Windräder dort in Steinen der städtischen Windrad-Philosophie entsprechen. Blickt man in die Vergangenheit, dann spricht einiges dafür, dass die Nachbarstadt den Plänen Widerstand entgegensetzen könnte, hatte man doch vor vielen Jahren im Flächennutzungsplan eine Fläche zwischen A 44 und B 1 als Vorranggelände für Windkraftanlagen ausgewiesen. Dieses Gelände ist allerdings inzwischen fast vollgelaufen.

Wichtig in diesem Zusammenhang könnte ein Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts werden. Dessen Richter hatten vor einigen Jahren geurteilt, dass auch abseits von so genannten Vorrangzonen Windräder dann genehmigungsfähig sein könnten, wenn sie dort zuvor nicht ausdrücklich ausgeschlossen worden seien. Das könnte der Knackpunkt werden.

Mit Spannung wird daher die Stellungnahme der Stadt Unna erwartet; Insider rechnen damit, dass die Stadtväter argumentieren könnten, sie hätten ein Gelände wie Steinen seinerzeit mindestens in Protokoll-Notizen als ungeeignet und unerwünscht eingestuft. Spätestens Anfang April muss das Papier der Stadt Unna vorliegen. 

Und dann ist da die Flugsicherung des Flughafens Dortmund. Ihrer Stellungnahme kommt unter Umständen eine alles entscheidende Bedeutung zu, denn sie muss aufzeigen, ob die beiden geplanten Windräder möglicherweise innerhalb des Dortmunder Flugkorridors liegen. Luftfahrt-Experten, denen die Standorte bekannt sind, sind skeptisch, halten zumindest eine deutliche Höhenbegrenzung für die beiden Windräder für möglich. Ob das dann für „Abo-Wind“ noch wirtschaftlich genug ist, bleibt abzuwarten. Klar ist: Lehnt die Flugsicherung die Räder ab, weil sie im Korridor liegen, ist die Messe gelesen. Und ob Vögel wie der Rotmilan, die dort gesichtet worden sind, das Genehmigungs-Verfahren beeinflussen könnten, ist ebenfalls noch offen. Ein Behördenvertreter, der ins Verfahren eingebunden ist, hat hinter vorgehaltener Hand bereits die Vermutung geäußert, „dass diese Geschichte ohnehin in ein Klageverfahren münden“ werde...

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