Bürgermeinung ist gefragt

Werler Wirtschaftswege werden geprüft

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Typischer Zustand eines Werler Wirtschaftswegs: Zigfach geflickt, die Bankette ausgefahren, Risse im Asphalt. Für die nun startende Bürgerbeteiligung geht es aber darum, ob und wie intensiv ein Weg überhaupt noch genutzt werden soll.

Werl – Die Stadt Werl macht sich auf den Weg. Genauer: den Wirtschaftsweg. Auf rund 300 Kilometer summieren sich all diese vorwiegend von Landwirten genutzten Strecken auf dem Stadtgebiet. Welcher muss saniert oder ausgebaut werden, welcher verändert, welcher ist gar verzichtbar?

Diese Fragen will die Stadt nicht allein beantworten. Bei der Erarbeitung eines Konzepts für die Zukunft der Werler Wirtschaftswege sollen ihr vielmehr die Bürger helfen. Alle Werler werden am Verfahren beteiligt. Heute Nachmittag wird dazu im Internet die Seite „wirtschaftswegekonzept.de“ frei geschaltet. „Wir wollen die Bürger beteiligen, weil wir sonst nicht ausreichende Akzeptanz finden“, sagt Ludger Pöpsel, als Fachbereichsleiter im Rathaus auch für die Straßen zuständig. Nötig sei auch Transparenz. Bürger sollen sich beteiligen, ob sie nun an der jeweiligen Straße wohnen oder nicht. Wichtig dabei: Es geht nicht um Mängel, sondern um die künftige Nutzung solcher Wege.

Es gab bereits seit längerer Zeit Vorüberlegungen und zwei Arbeitskreissitzungen unter Beteiligung von Landwirten und Ortsvorstehern. Das war aber nur der erste Aufschlag. Dass etwas passieren muss mit den Wirtschaftswegen in Werl, sei unstrittig, sagt Bernd Mende, Geschäftsführer der „Ge-Komm“ (Gesellschaft für kommunale Infrastruktur), die das Konzept im Auftrag der Stadt Werl erstellt. „Denn das passt heute alles nicht mehr“, sagt Mende. „Die Fahrzeuge sind größer, breiter, schwerer.“ Hinzu kommt, dass viele Wege zigfach geflickt sind und damit am Ende der Nutzungsmöglichkeit. 

Ebenso klar ist aber auch: Es fehlt an vielen Millionen Euro, um einfach alle Wege breiter und damit nutzbarer zu machen. „Und wir können auch nicht alles machen, was Bürger sich wünschen – dafür ist das Geld nicht da.“ Die wahllose Sanierung wäre ein Fass ohne Boden. Es braucht vielmehr ein genaues Konzept, was gemacht werden soll – und wann. 

Warum jetzt? Weil es seit Kurzem die Möglichkeit gibt, Förderungen für die Erneuerung von Wirtschaftswegen zu bekommen. Dazu ist jenes Konzept unabdingbare Voraussetzung. „Ohne das gibt es keine Förderung“, sagt Pöpsel. Viele Kommunen haben ein solches Papier noch nicht erstellt, versichert Mende. Wickede und Welver allerdings haben es schon. Zu früh wäre die Stadt Werl damit also nicht. Auf 20 bis 25 Jahre ist das Konzept angelegt. „Aber es ist nie in Stein gemeißelt, sondern unterliegt der fortdauernden Überprüfung“, sagt die Ge-Komm. 

Es sind nicht nur Wege, sondern auch die kostenträchtigen Brücken, die erfasst werden müssen. Zunächst hat die „Ge-Komm“ alle Straßen abgefahren und in kleinen Abschnitten Fotos erstellt vom Zustand der Wege rund um Werl. Diese Bilder sind im Netz abrufbar und versehen mit den GPS-Koordinaten. 

Natürlich, das weiß auch die Stadt, kann es unterschiedliche Sichtweisen geben, ob und wie intensiv ein Weg genutzt werden kann und soll – und auch Konflikte, die „Zündstoff“ bergen können. Anwohner sind über Abkürzungen an ihren Häusern vorbei selten erfreut. Autofahrer wollen aber vorwiegend kurze Wege. Was der eine als „Zumutung“ empfindet, ist für den anderen eine Notwendigkeit. „Da gibt es Knackpunkte“, sagt Bernd Mende. „Und für die müssen wir Lösungen finden.“ In anderen Kommunen habe sich gezeigt, dass die Bürger das Instrument der Beteiligung gerne nutzen, mal waren es nur 50, aber auch schon mal 500 Anregungen, die im Netz eingingen. 

So stellt sich die unter „wirtschaftswegekonzept.de“ zu findende farblich unterlegte Karte dar. Sie birgt viele Einzelheiten. Der Ausschnitt zeigt den Bereich Hilbeck/Sönnern.

Es gehe um Ausbau von Wegen samt neuer Wegedecke, wo es nötig ist, aber auch um Rückbau zum Beispiel mit wassergebundenen Decken, wo Wege nicht mehr so wie früher gebraucht werden und unattraktiver gemacht werden sollen. Dort sollen Pkw nicht mehr fahren. Insgesamt sei davon auszugehen, dass das Paket zum Umgang mit den Wirtschaftswegen Millionen Euro verschlingen wird. 70 Prozent Fördermittel erwartet Städte, die am Leader-Programm beteiligt sind – so wie Werl. 

Bislang stand immer nur eine kleine Summe im Haushalt für die Instandsetzung von Wirtschaftswegen. Zuletzt waren es 39 000 Euro im Jahr. Viel zu wenig, um wirklich der Probleme Herr zu werden, sagt Rainer Engelmann von der Verwaltung.

Wie die Bürgerbeteiligung funktioniert

Das Portal „wirtschaftswegekonzept.de“ soll sechs Wochen auf sein. Bis zum 26. Januar einschließlich haben die Bürger unter dem Stichwort „Werl“ Zeit, anonymisiert ihre Anmerkungen und Vorschläge zu machen. Herzstück der Seite ist das Kartenwerk, auf dem jeder Weg samt Klassifizierung farblich hinterlegt ist. Es geht aber allein um die Wirtschaftswege. Jeder Abschnitt eines Weges ist mit einer Nummer versehen, auch gibt es Fotos zur Identifizierung. 

Die Nummer soll der Bürger nutzen, um einen Vorschlag für den Abschnitt zu machen und das auch zu begründen. Es gibt einen Schieber auf der Seite, der Änderungen zwischen dem heutigen „Ist“ und dem baldigen „Soll“ nach ersten Überlegungen zeigt. Ende Februar soll das Konzept stehen, danach soll es politisch beschlossen werden. Ab dann ist es für Werl möglich, Förderanträge für den Wegebau zu stellen

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