Das Summen nervt. Die Summen noch mehr.

Geschäft mit Wespen brummt: Experten-Tipps gegen Insekten und Abzocke

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Nützlich, aber nicht immer willkommen: Viele menschen haben Angst vor Wespen. Aber es gibt Tipps, um die Tiere zu vertreiben.

Werl - Das Summen nervt viele. Aber die Summen noch mehr: Es gibt spürbar mehr Meldungen von Wespennestern – und mehr Einsätze für Schädlingsbekämpfer Guido Preker. Aber offenbar auch zunehmende Klagen über hohe Beseitigungskosten von Nestern durch Abzocke.

Klar ist: Das Geschäft brummt. Aber nicht jedem schmeckt die Rechnung, die er aufgebrummt bekommt. 

Mehr Insekten auf Autoscheiben

„Wir hatten zwei Supersommer“, sagt Preker zum vermehrten Auftreten von Wespen. Das habe Wespen und auch Hornissen beste Möglichkeiten zur Entwicklung geboten. So wie auch anderen Insekten. „Wenn ich jetzt mit dem Auto fahre, kleben wieder deutlich mehr Insekten auf der Scheibe als in den Vorjahren“, sagt Preker. Das Verbot der Neonikotinoide, hochwirksame Insektizide, sowie Maßnahmen wie Blühstreifen helfen der Insektenwelt ebenfalls. 

Bei Wespennestern registriert der Fachmann „ein konstant hohes Aufkommen“. Es sei aber auch so, dass wegen der Corona-Pandemie mehr Menschen Zuhause geblieben sind und daher ein Wespennest schneller auffällt. Die fliegenden Baumeister gelten als ungebetene Gäste in den Häusern, Gärten und Gartenhütten der Stadt. 

Beschwerden über schwarze Schafe

Ein Anruf, und ein heimischer Schädlingsbekämpfer rückt aus – wenn nicht die Bürger unfreiwillig ganz anderen ungebetenen Gästen auf den Leim gegangen sind. Denn Beschwerden über „schwarze Schafe“ in der Branche reißen nicht ab, sagt Preker. Und so könne die Entfernung eines Wespennestes schnell einen Betrag von mehreren hundert Euro kosten, wo normalerweise zwischen 100 und 150 Euro fällig werden – je nachdem, wie leicht es zu erreichen und zu entfernen ist. 

"Firmen, die Reibach machen wollen“

Denn wer „Schädlingsbekämpfung Werl“ in die Suchmaschine eingibt, landet nicht automatisch bei einem Anbieter vor Ort, sondern zunächst bei geschalteten Anzeigen. „Da gibt es Firmen, die Reibach machen wollen“, warnt der Werler. Erst später würden Kunden merken, dass sie viel zu viel bezahlt haben. Daher sollten Kunden vorher fragen, welche Kosten sie erwarten und von wo eine Firma anreist. Außerdem könne ein Preisvergleich der Firmen vor Ort Sinn machen. 

Im Kreis Soest gebe es mehrer Anbieter, die allemal günstiger agieren als Firmen, die im Ruhrgebiet sitzen, Aufträge vermitteln und dem Kunden nur vorgaukeln, sie säßen in Werl. Ein „Notdienst“ könne oft unangemessen teure Folgen haben. 

Hilft die Gebäudeversicherung

Hektik sei also nicht angebracht, wenn man ein Wespennest entdeckt. Ein weiterer Tipp: Oft sei die Entfernung eines Wespennests über die Gebäudeversicherung abgedeckt, sodass dem Kunden gar keine Kosten entstehen. „Die Menschen sollten sich auf jeden Fall zunächst informieren“, sagt Preker. Denn ist der Bekämpfer von außerhalb erstmal weg, sehe man den nie wieder. „Da fehlt es an Kontaktdaten, Adressen, Telefonnummern“, sagt der Werler zu den „Rechnungen“, die die Menschen sofort begleichen müssen. 

Hinzu kommt, dass „Pfuscher“ oft nur handelsübliches Spray mit geringen Konzentrationen einsetzen. Die Wirksamkeit der Bekämpfung sei fraglich, eine Reklamation aber kaum durchsetzbar. „Das ist dann besonders ärgerlich“, sagt der Experte. 

Ohnehin sei die Frage, ob ein Nest überhaupt entfernt werden muss. Denn nicht nur, dass Wespen im Naturkreislauf durchaus nützlich seien, weil sie zum Beispiel Kadaver fressen. Sie seien auch grundsätzlich keine aggressiven Tiere, wenn nicht nach ihnen geschlagen wird oder aber sie merken, dass es mit ihnen zu Ende geht. Denn zum Jahresende sterben die Tiere, nur die befruchteten Königinnen überleben. 

Wespen nutzen Nest nur einmal

Bleibt ein Nest hängen, wird es keinesfalls ein zweites Mal bezogen. Im Gegenteil: Wespen bauen von Jahr zu Jahr neu. Allerdings können die Tiere direkt nebenan oder in der Nähe neu bauen, wenn der Standort gut ist. 

Ob das Nest entfernt und die Tiere womöglich getötet werden, oder ob eine Umsiedlung angebracht ist, entscheidet der Fachmann vor Ort. „Er sieht, was für eine Sorte das ist.“ Es gibt neben der oft vorkommenden Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe auch seltene Arten, die schützenswert sind und daher nicht bekämpft werden dürfen. Im Zweifel kann sich der Schädlingsbekämpfer aber vom Kreis Soest genehmigen lassen, dass die Tiere getötet werden können. Schließlich gibt es Menschen, die allergisch gegen Stiche sind. Klar ist: „Wenn Menschenleben in Gefahr sind, bekommt man die Genehmigung.“ 

Hornissen-Nester beginnen zu stinken 

Das gilt auch für die geschützten Hornissen. Die seien zwar harmlos, solange sie nicht gereizt werden. Aber die Tiere sind groß, fliegen zum Licht, womöglich gegen Scheiben. Dass das nicht jeder Bürger gelassen erträgt, weiß Preker. Außerdem entwickeln Hornissennester im fortgeschrittenen Stadium eine unangenehme Eigenschaft: Sie beginnen zu stinken. Das liegt daran, dass die Tiere auch Fleisch fressen, Reste beginnen zu gammeln. Bei einem Hornissennest am Haus sollte daher auf jeden Fall ein Fachmann informiert werden, um mit ihm das weitere Vorgehen abzustimmen. 

„Manchmal hilft es, sich mit dem Tier zu arrangieren“

Grundsätzlich rät Preker erstmal zur Ruhe. Und zur Klärung, ob das Nest wirklich beeinträchtigt, zum Beispiel im Wissen um eine Allergie oder weil ein Nest in der Rigipswand geräuschbelästigend ist. Denn neben Entfernung oder Umsiedlung könne auch das Belassen eine Alternative sein. Die Kunden beruhigen und die Angst nehmen, gehört auch zum Vorgehen des Schädlingsbekämpfers. „Manchmal hilft es, sich mit dem Tier zu arrangieren“, sagt Preker. Das Nest kann dann später nach dem ersten Frost weggenommen und in der Biotonne entsorgt werden. 

Von April bis gegen Anfang Oktober ist die übliche Wespenzeit. Wo trockenes Holz verbaut ist, finden Wespen ihr Baumaterial für die Nester. Farbe aufs Holz kann schon dafür sorgen, dass es zu glatt wird, als dass die Tiere es als Baumaterial nutzen können. Ob unter Dachpfannen, in Jalousienkästen, Trockenmauern oder im Schuppen: Die Wespen suchen sich allerlei geschützte Orte zum Nestbau aus. Auch in Briefkästen, unter Eckbänken oder in Vogelhäusern fanden sich schon Nester.

Warum brennender Kaffee hilft

Wespen, die ums Essen schwirren, können nervend sein. Einen einfachen Tipp hat Guido Preker dafür: Rund zwei Esslöffel Kaffeepulver auf Alufolie anhäufen und anzünden. Das Pulver verglimmt langsam, der Rauch hält die Tiere fern. „Das ist sehr wirksam“, sagt der Experte. Ansonsten helfen Lichtkuppeln, die man an der Terrasse aufhängt. In sie kommt ein Lockstoff, der die Wespen anlockt. Durch das kleine Einflugloch kommen die Tiere nicht mehr heraus. „Die gibt es vielerorts“, sagt Preker. Rund 20 Euro kostet der Behälter.

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