Nach schwieriger Probenphase

Salzbachbühne feiert mit Komödie "Eltern-Zartbitter" Premiere

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Was tun, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Das fragen sich in dem aktuellen Stück der Salzbachbühne mit dem Titel „Eltern-Zartbitter“ Rieke und Rufus Sögel (gespielt von Dirk Dülberg und Ilona Wijnen).

Werl - Die vergangenen Monate haben das Potenzial, in die Vereinsgeschichte der Salzbachbühne einzugehen. Und in dem, was der Zuschauer nicht bemerkt, nicht einmal ahnt, besteht  die größte Leistung des Werler Amateurtheaters: Dass die Premiere überhaupt stattgefunden hat.

„Ich möchte Dir jetzt die Bluse aufreißen, als wäre sie mein Rentenbescheid!“ Zum Ende wird also doch alles gut, und Rieke und Rufus liegen sich nach Jahrzehnten wieder in den Armen wie frisch verliebte Teenager. Bis dahin war es jedoch ein langer Weg – für die Figuren im Stück, ein noch viel längerer aber für das Team der Salzbachbühne.

Die Grippewelle hatte die Gruppe über Wochen hinweg fest im Griff, die Darsteller steckten einander reihum an, und es gab nur wenige Proben, bei denen wirklich alle dabei sein konnten. Oft genug lagen die Nerven blank. 

Doch statt irgendwann die Segel zu streichen, zog die Gruppe das Projekt bewundernswerterweise allen Widrigkeiten zum Trotz durch. Zu denen zählt allerdings auch das Stück selber, so sehr die Gruppe auch mit Feuereifer gegen die Schwächen anspielt. 

Aber wer schon so lange am Start ist wie Salzbachbühne, hat es mit der Zeit eben auch immer schwerer, gutes Material zu finden – erst recht, wenn man den Spagat eingehen will, sich einerseits mit moderneren Stücken vom Bauernschwank abzuwenden, andererseits das Stammpublikum nicht vergrätzen will. 

Man kann den niedersächsischen Autor des Stücks, Bernd Spehling, zwar dafür loben, dass er einen anderen Zugang zur Komik sucht als über Seitensprünge, Verwechslungen und zig Türen, durch die dauernd irgendwelche Personen auf- und wieder abgehen. Aber so richtig funktioniert „Eltern-Zartbitter“ nicht. Dabei ist die Ausgangssituation durchaus reizvoll. 

Und die lautet: Was tun, wenn die Kinder, deren Aufzucht den Lebensinhalt bildete, aus dem Haus sind, der Nachwuchs aber der letzte gemeinsame Nenner war? Eigentlich sind Rieke und Rufus Sögel reif für eine Paartherapie, Spehling wählte stattdessen das fiktive Konstrukt einer Agentur namens „Eltern-Zartbitter“, die sich auf eben solche Fälle spezialisiert hat. 

Salzbachbühne Werl: "Eltern-Zartbitter"

Zwei Therapeutinnen, von denen eine keinen Satz ohne mindestens drei Anglizismen über die Lippen bringt, versuchen, die beiden wieder ins rechte Gleis zu bringen. Darüber, wie sie das letztendlich eigentlich schaffen, lässt der Autor das Publikum ebenso im Unklaren wie über die Frage, was eigentlich den ursprünglichen Keil zwischen das hypochondrische Pantoffeltierchen und seine Frau mit Frustrationshintergrund und kleinem Rotweinproblem getrieben hat. 

Am Ende einer flachen Spannungskurve zieht sich stattdessen eine von der Salzbachbühne bereits um die Hälfte gekürzte Zeitrafferphase, die im stummen Spiel und zu einer Schnulze vom Band mehrere Wochen zusammenfassen soll, immer noch wie Kaugummi. Hier müssen die Darsteller innerhalb von Minuten mehrmals die Garderobe wechseln. 

Dafür entschuldigt manch guter Gag wie „Da macht ja jede Eintagsfliege mehr Zukunftspläne als du!“ oder der Dialog: „Ich saufe mir gerade Deinen Vater schön!“ – „Rotwein ist keine Lösung!“ – „Weißwein aber auch nicht. Ich hab’s probiert“. Einen großen Lacher erzielt Stefan Kümpel, wenn er sich als feuriger spanischer Masseur Rodrigez mit einem Ruck die Trickhose von Leibe reißt. 

Die Bühnenbildner leisten wieder ganze Arbeit, das dargestellte Wohnzimmer hätte auch ein professionelles Boulevard-Theater nicht viel besser hinbekommen. 

Routinier-Komödiant Dirk Dülberg hat die meiste Arbeit auf der Bühne, ist nur selten mal nicht zu sehen. Ilona Wijnen hat ähnlich viel Text zu bewältigen, bereits deutlich weniger zu tun haben Sophia Lorei und Ida März als die beiden Therapeutinnen sowie Thomas Becker und Carina Bolduan als die verhaltensauffälligen besten Freunde der Eheleute. Clara Schröter (im Wechsel mit Charlotte Lehmpfuhl) als Töchterchen Palina und Stefan Kümpel haben nur Gastauftritte.

Weitere Aufführungen

Die Salzbachbühne steht an folgenden Terminen nochmal auf der Bühne: 

- Samstag, 23. März, Beginn 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr 

- Sonntag, 24. März, Beginn 17 Uhr, Einlass ab 16 Uhr 

- Samstag, 30. März, Beginn 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr 

- Sonntag, 31. März, Beginn 17 Uhr, Einlass ab 16 Uhr 

Für alle Aufführungen gibt noch Karten.

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