Zwischenbilanz

Halten sich Werler Kunden an die Maskenpflicht?

Peter Schmitz Rewe Stolper Soest
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Wer bei Peter Schmitz' Rewe Stolper einkaufen möchte, muss Maske tragen oder nachweisen, dass man von der Maskenpflicht befreit ist.

Seit April gilt in den Ladengeschäften die allgemeine Maskenpflicht: Zeit für ein eine Zwischenbilanz. Wie diszipliniert setzen die Kunden die Corona-Vorschriften um? Kommt es zu Reibereien? Wir sprachen mit Geschäftsführern und Kunden.

Werl – Bei Edeka Sauer steht ein großer Aufsteller neben dem Eingang, der auf die seit dem 27. April geltende Maskenpflicht hinweist. Am frühen Nachmittag sind zwar Kunden unterwegs, aber es gibt noch genügend freie Parkplätze und Einkaufswagen. Wie überall gängige Praxis, setzen die Leute ihre Masken entweder schon im Auto auf, oder spätestens dann, wenn sie den in den Laden gehen. Nicht einer, der „ohne“ den Markt betritt.

Im Geschäft selbst ist viel Platz, um sich aus dem Weg zu gehen. Treffen sich Kunden in den Gängen, wird wie selbstverständlich ausgewichen oder sich gegenseitig der Vortritt gelassen.

Maskenmuffel selten

Das deckt sich mit den Beobachtungen des Geschäftsführers Max Sauer: „Dass jemand ohne Maske reinkommt, passiert sehr selten. Dann muss man freundlich bleiben und ihn darauf ansprechen.“

In aller Regel gebe es keine Probleme. „In den ersten Wochen war es heftig, aber inzwischen sagen sich viele: Das ist so, da muss man sich dran halten.“ Er selbst habe seinen Mitarbeitern bereits das Tragen von Masken vorgeschrieben, bevor die allgemeine Pflicht kam.

An den Kassen hängen Plexiglasscheiben, hinter denen die Kassierer zusätzlich Masken tragen. Alles perfekt? Fast. Eine Verkäuferin sieht „schon mal ältere Leute, die die Maske vergessen haben. Wer keine hat, bekommt von uns eine.“

Die Abstandsregeln halten aus ihrer Sicht eher die jungen Leute nicht ein: „Wenn die Schüler sich an der Kasse drängeln, muss man sie schon mal zurechtweisen. Das geht dann auch.“

Kundin Nicole Kiesewalter hat festgestellt: „Masken werden wieder mehr getragen. Es war mal laxer.“ Die Lehrerin ist froh, dass auch viele Schüler freiwillig im Unterricht Maske tragen. Sie würde sich wünschen, dass das für alle verpflichtend wäre.

Petra Weste, die mit dem Lastenrad zum Einkaufen gefahren ist, sieht weniger Maskenverstöße als Leute, die die Abstandsregeln nicht einhalten.

Lieber Atemnot als Ansteckung riskieren

„Ich glaube, diese Leute sind gedankenlos. Um mich zu schützen, stelle ich an der Kasse den Einkaufswagen zwischen mich und den nachfolgenden Kunden.“ Geht sie mit ihrem Mann zusammen einkaufen, dann sage der schon mal zu Kunden, die die Maske unter der Nase tragen: „Ich glaube, ihre Maske ist verrutscht.“ Das helfe meistens.

Ortswechsel: Vor der Kauflandpassage setzen alle Kunden kurz vor dem Eingang erst einmal ihre Maske auf. Einige wenige platzieren sie unter der Nase. Klaus Röling glaubt, dass seine Mitmenschen alle Maske tragen. „Ich selbst habe sie anfangs oft vergessen.“ Jetzt findet er das Utensil „ganz normal“. Er seht die Notwendigkeit ein, findet allerdings, dass das Tragen „nicht so gut“ ist. „Man bekommt schlechter Luft.“ Auch Michaela Schäfer hat Atemnot unter der Maske: „Ich habe COPD (eine chronische Atemwegserkrankung), will aber nicht ohne gehen, weil ich Angst vor Ansteckung habe.“ Sie gehört zur Risikogruppe und fürchtet das Virus. „Man sieht es nicht, aber ich weiß von Leuten, die schwer krank waren.“

Sie kennt aber auch Verschwörungsgläubige, die die Maske ablehnen. „Einer hat mir meine mal runtergezogen und gesagt: „Das ist doch alles von der Polizei erfunden.“ Andere – findet sie – halten zu wenig Abstand. Aus Selbstschutz beschränke sie sich auf die nötigsten Ausflüge nach draußen: „Arbeiten, einkaufen, nach Hause.“ Stefan Klein-Uebbing steigt vom Rad und setzt sich eine große bunte Maske auf. Für ihn ist das selbstverständlich. „Leider sind viele zu leichtsinnig. Gerade in Discountern werden Masken falsch oder gar nicht getragen“, bedauert er.

Erfahrung mit Maskenverweigerern

Erfahrungen mit Masken-Verweigerern hat auch Peter Schmitz, Geschäftsführer von Rewe Stolper: „98 Prozent der Kunden haben keine Probleme damit, die Maske zu tragen“, schätzt er. „Wenn es aber Kunden gibt, die sich strikt weigern, ist es problematisch.“

Bislang habe er ausschließlich Vorfälle erlebt, bei denen die Kunden behaupteten, von der Maskenpflicht befreit zu sein. „Das akzeptieren wir – aber dann möchten wir auch das Attest dazu sehen“, betonte Schmitz.

„Dann bestehen sie darauf, dass sie das Attest nicht vorzeigen müssten, was grundsätzlich richtig ist. Richtig ist aber auch, dass wir in der Folge von unserem Hausrecht Gebrauch machen. Zum Teil wird uns dann mit Klage gedroht. Dabei wird sich auf Datenschutz-Bestimmungen und Diskriminierung bezogen, was natürlich keine Aussicht auf Erfolg hat, weil wir immer Gebrauch vom Hausrecht machen können.“

Wer die Befreiung von der Maskenpflicht nicht per Attest nachweise, könne in seinem Laden nicht einkaufen. „Für irgendwas hat der Gesetzgeber die Pflicht ja schließlich verhängt.“ Oftmals beobachte Schmitz im Übrigen, dass der Mund-Nasen-Schutz von Kunden nicht richtig getragen würde: „Es kommt häufig vor, dass die Nase beispielsweise nicht bedeckt ist. Darauf weisen wir die Kunden dann freundlich hin.“

Thorsten Pälmer, Chef vom „Wilden Mann“ in Soest, hatte mit Masken-Muffeln bislang keine Probleme: „Alle Gäste sind sehr diszipliniert – zum Glück.“

Maskenpflicht

Von März bis Ende April gab es keine Maskenpflicht. In dieser Zeit trug nur eine Minderheit der Bevölkerung Maske. Der Nutzen war umstritten.

Am 27. April wurde die Maskenpflicht eingeführt. Sie galt ab sofort in allen Geschäften, nach deren Wiedereröffnung später auch in der Gastronomie und in allen öffentlichen geschlossenen Räumen (Einkaufszentren, Kino, Theater, Museen, Krankenhäuser, Altenheime, Rathäuser, Sportstätten usw.)

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