Aufregung am Bahnübergang

Werler geschockt: Zug fährt bei offener Schranke durch

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So soll es sein am Bahnübergang Hammer Straße: die Eurobahn fährt ein, die Schranke ist geschlossen. Am Donnerstagnachmittag gab es aber einen technischen Defekt am Übergang – und eine Schrecksekunde für einen Werler.

Werl - Der Werler war zu Tode erschrocken: „Ein paar Sekunden später und er hätte mich erwischt.“ Soeben hatte er mit seinem Wagen den Bahnübergang Hammer Straße passiert, als unvermittelt ein Zug durchgefahren sei – bei offener Schranke. Die Eurobahn versichert aber: „Der Zug hat gestanden.“

Ein Hupen des Zuges habe er zwar noch vernommen, aber ansonsten habe es keinen wahrnehmbaren Hinweis für ihn gegeben, sagt der Werler. Zuvor sei die Schrankenanlage mehrere Minuten lang geschlossen gewesen. Im Bahnhof habe der Zug Richtung Unna gestanden.

Dann hätten sich die Schranken geöffnet, mehrere Autos seien durchgefahren. „Ich war etwa Zehnter in der Schlange, fuhr stadtauswärts“, schildert der Werler. Plötzlich habe der Wagen vor ihm einen großen Schlenker nach rechts gemacht, er selber sei durchgefahren – und dann habe hinter ihm die Eurobahn den Übergang passiert, die in Richtung Soest unterwegs war. „Für mich war das völlig unvermittelt“, sagt der geschockte Werler. 

Störung bestätigt

Die Deutsche Bahn bestätigt eine „Bahnübergangsstörung“ um 14.54 Uhr, die als Meldung an das Stellwerk gegangen sei. Es habe sich um eine „technisch nicht näher bezeichnete einzelne Störung“ gehandelt, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage. Dadurch sei es zu Verspätungen für einen Zug um fünf Minuten gekommen. Es habe, wie in solchen Fällen üblich, nachweisbar einen so genannten „schriftlichen Befehl“ des Fahrdienstleiters im Stellwerk an den Zugführer gegeben. 

Sexuelle Belästigung in der Eurobahn

So ein Befehl müsse auch bestätigt werden im Austausch zwischen Fahrdienstleiter und Zugführer. Dadurch wird sichergestellt, dass der Zugführer um die Gefahr weiß und es nicht zu Unfällen kommen kann. Er könne nur auf das Procedere verweisen, sagt der Bahnsprecher, aber nicht darauf, wie der Zugführer sich dann tatsächlich verhalten hat. 

Gehupt und gehalten

Die Eurobahn kündigte unmittelbar eine Aufklärung des Sachverhalts an. Man nehme das ernst, wisse aber nichts von einer Störung, so Sprecherin Nicole Pizzuti. Das Unternehmen nahm auch Rücksprache mit dem Triebfahrzeugführer. Der habe mehrfach versichert, nach Vorschrift gehandelt zu haben. 

Bahnschranke schlägt zwischen Pferdegespann und Kutsche auf

Er habe gehupt und gehalten – und sei erst nach Absicherung, dass keine Gefahr besteht, weitergefahren. Ansonsten würden Züge auch automatisch ausgebremst, versichert die Sprecherin. Möglich sei, dass der Autofahrer die Situation durch den Schreckmoment des hupenden Zuges falsch wahrgenommen habe.

Was der „schriftliche Befehl“ vorsieht

Ein Bahnsprecher erläuterte, was es mit dem „schriftlichen Befehl“ im Falle von Schrankenfunktionsstörungen wie gestern in Werl auf sich hat. Vorgegeben sei, dass ein Zug dann halten und einen Achtungspfiff von sich geben muss. Wenn sichergestellt sei, dass die Fahrer von Autos, die queren wollen, den Zug bemerkt haben, darf ein Zug in Schrittgeschwindigkeit den Übergang passieren und damit seinem Vorfahrtsrecht an Bahnübergängen nachkommen.

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