Neuregelung stößt auf Widerstand

Werler Fotografen laufen Sturm gegen geplantes Passbild-Verbot

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Andreas Stegmann (links) hat möglicherweise bald nicht mehr viel zu lachen...

Werl – Passbilder nur noch vom Amt? Fotografen und Betreiber kleiner Fotofachgeschäfte laufen derzeit überall Sturm gegen entsprechende Pläne der Bundesregierung.

Auch in Werl stößt dies auf großen Widerstand. Laut Regierung soll mit der Maßnahme das sogenannte „Morphen“ verhindert werden – also die nachträgliche Veränderung von Gesichtszügen auf Ausweisfotos. 

Andreas Stegmann, Betreiber eines Fotogeschäfts in der Fußgängerzone und Vorsitzender des Werler Wirtschaftsrings, hält dieses Vorhaben für ,,nicht zu Ende gedacht“. Zum einen sei dadurch die Existenz kleinerer Fotogeschäfte bedroht, da für sie die Aufnahme von Passbildern ein großer Bestandteil ihrer Arbeit sei. Außerdem seien die Pläne realistisch nicht durchsetzbar. Denn die Ämter müssten Platz für Aufnahme- und Wartebereiche schaffen und zusätzliches Personal einstellen. Laut Stegmann habe die Stadt Düsseldorf schon bekannt gegeben, dass sie dies ,,nicht gestemmt kriegen wird“. Darüber hinaus sei fraglich, wie die Beamten Passbilder von nicht mehr mobilen Menschen in Altersheimen oder JVA-Insassen machen sollen. „Im Gegensatz zu Fotografen können Beamte nicht so einfach zu den Menschen kommen“, so Stegmann. Zudem verärgere es ihn, dass es zwar bereits seit 2008 eine technische Lösung für die sichere digitale Übertragung und die eindeutige Zuordnung von Gesichtszügen gebe, diese aber nun nicht angewendet werden soll. Nach Angaben Stegmanns sind bisher auch nur drei Fälle von „Morphen“ in der Branche bekannt. 

Fotografin Yvon Notzon, Betreiberin eines Fotogeschäfts in der Steinerstraße, sieht in dem Vorhaben bereits einen falschen Ansatz: „Damit werden alle Fotografen unter den Generalverdacht gestellt, Bilder zu fälschen, obwohl dies wohl eher von den Kunden ausgeht.“ Wie Andreas Stegmann beklagt auch Yvonne Notzon die immer weiter „aussterbende Innenstadt“ und fehlenden Service für nicht mehr mobile Menschen. Außerdem sorgt sie sich um den möglichen Wegfall einer Haupteinnahmequelle, welcher für ihr Geschäft auf die Dauer existenzbedrohlich wäre. Notzon weiter: „Ich frage mich auch, wo die Leute hingehen sollen, die zum Beispiel für den Führerschein ein Passbild brauchen, wenn sich die Fotogeschäfte nicht mehr halten können. Besser wäre es, wenn zertifizierte Fotografen Passbilder direkt an die Ämter übermitteln.“ 

Nach deutlicher Kritik an der vorgelegten Neuregelung für Passfotos erwägt die Bundesregierung Medienberichten zufolge aber inzwischen eine Entschärfung der Reform. Die Bundesregierung wolle insbesondere die Möglichkeiten einer Zulassung vertrauenswürdiger Fotografen bei der Erstellung von Ausweisbildern prüfen.

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