Mit Kommentar

An bunten Bänken für den Markt scheiden sich die Werler

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Stehen in der Kritik: die geplanten Werl-Sitzbänke am Marktplatz.

Werl – Vier Buchstaben, auf die sich die Werler künftig setzen können, sorgen für jede Menge Gesprächsstoff in der Stadt. Es geht um die bunten Buchstaben-Bänke, die Teil des Stadtquellenprojektes für den Marktplatz sind.

Viele Werler sind offenbar der Meinung, dass es der Verein „Historischer Stadtkern Werl“, der das Projekt ehrenamtlich auf die Beine gestellt hat, mit dem vierfarbigen Schriftzug „W, E, R, L“ zu bunt getrieben hat. 

Jens Lücke, Vorstandsmitglied des Vereins, erklärt auf Anfrage, was es mit den bunten Buchstaben auf sich hat. Die Idee sei im Verein gewachsen, weil ein reines Fontänenfeld gar nicht über Leader (EU-Förderprogramm für ländliche Regionen) förderfähig gewesen wäre. Hierfür sei es wichtig, dass auf dem Markt ein Kommunikations- und ein außerschulischer Lernort entsteht. 

Drittes Element des Projektes ist deshalb ein Pylon, an dem drei Tafeln den Betrachtern die Stadtgeschichte und die besondere Bedeutung von süßen und salzigen Quellen für die Entwicklung Werls näher bringen. Auf diesem soll auch der Windmesser angebracht werden, der das Fontänenfeld bei zu starken Böen abstellt. 

Für die bunte Gestaltung der Sitzmöbel habe man sich bewusst entschieden, damit sie ins Auge fallen und Aufmerksamkeit auf das Fontänenfeld lenken. Es sollte etwas Besonderes sein, mit dem sich Werl abhebt. „Grundsätzlich ist die Farbgestaltung Geschmackssache. Darüber kann man sicher noch mal diskutieren“, sagt Lücke. Auch über die genaue Position auf dem Marktplatz könne man nachdenken. Aber klar sei, dass die Buchstaben-Bänke Gegenstand des geförderten Leader-Projekts sind. „Wir können sie jetzt nicht einfach an der Gänsevöhde aufstellen.“ 

Hartschaum und Glasfaser

Die bunten Buchstaben bestehen im Kern aus Hartschaum und haben eine glasfaserverstärkte Auflage, die wiederum in verschiedenen Farben lackiert wird. Sie werden mit Sand beschwert, sodass sie nicht einfach von Unbefugten mitgenommen werden können. 

Mit Hilfe eines Gabelstaplers seien sie aber transportabel, so Lücke. So könnten sie eingelagert werden, wenn sie einer Großveranstaltung auf dem Markt im Wege stünden. Für den Wochenmarkt sei dies aber nicht nötig. „Das ist mit der Stadt und den Marktbeschickern abgestimmt.“ Letztere könnten von der Steigerung der Aufenthaltsqualität ja sogar profitieren, so Lücke. 

Die vier Buchstaben kosten rund 24.000 Euro, das etwa 2,5 mal 2,5 Meter große „W“ ist bereits in den Gesamtprojektkosten von rund 275.000 Euro enthalten. Die restlichen 18 000 Euro für „E“, „R“ und „L“ hofft der Verein über Crowdfunding finanzieren zu können.

Kommentar: Marktplatz kann Mut vertragen

Die Kulisse ist schön. Doch der Marktplatz selbst ist an ungenutzten Tagen ein sehr großer, leerer und langweiliger Platz. Die gut 50 Meter zwischen Volksbank und Apotheke brauchen dringend mehr Struktur.
Das flache Fontänenfeld allein kann dies nicht leisten. Im Zusammenspiel mit den großen Sitzbänken sieht das schon anders aus. Der Brunnen wird optisch vom Rest des Marktes abgetrennt, der Platz verliert etwas von seiner Weite.
Gerade für Kinder dürften die bunten Buchstaben direkt am Wasserspiel ein attraktiver Ort zum Verweilen, Spielen und Klettern sein. Dass die Ehrenamtler, die hinter dem Projekt stehen, den Mut aufbringen, auf einen klaren Kontrast zu setzen und sich nicht ans historische Umfeld anbiedern wollen, verdient Respekt. Denn Mut kann der leere Marktplatz gut gebrauchen. Und als Fotomotiv für Touristen hätten die großen Lettern sicher auch ihren Charme.
Über Farb- und Materialwahl sollte trotzdem noch mal nachgedacht werden. In der derzeitigen Darstellung erinnern die Buchstaben schon sehr an die quietschbunten Logos von Ebay- oder Google. Das Ensemble sollte schon eine gewisse Wertigkeit ausstrahlen, sonst bleibt es ein Hingucker, an dem sich die Werler schnell satt sehen werden.

Eifrige Diskussion im Netz

Nach dem der Anzeiger eine Grafik des Projekts veröffentlichte, wurde auch im Internet eifrig diskutiert. Es folgt ein Auszug aus den Beiträgen: 

– „Oh mein Gott, diese bunten Bänke passen mal so überhaupt gar nicht in die Altstadt.

So soll das Fontänenfeld bei Nacht aussehen.

– „Ein Platz zum Verweilen im Zentrum von Werl. Ein Ort, an dem sich die Kinder genauso gerne aufhalten werden wie die älteren Generationen. Eine Attraktion, die an die Vergangenheit Werls erinnert und auch touristisch wertvoll sein wird. Alles, was Werl Stück für Stück schöner macht, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und warum nicht auch mal mutig sein und bunte Buchstaben nehmen?“

– „Finde moderne Kunst nicht schlecht, jedoch passen die Bänke dort absolut gar nicht.“

– „Recht machen jedermann ist eine Kunst, die niemand kann.“

– „Die Wasserfläche finde ich super! Aber diese bunten Bänke gehen gar nicht!“

– „Cool! Alles, was unsere Städte interessanter macht, ist gut.“

– „Dann wollen wir mal hoffen, dass die Neuanschaffung auch lange bestehen bleibt und nicht durch irgendwelche Experten beschädigt oder anderweitig dekoriert wird.“

– „Wenn in Werl nichts gemacht wird, ist es nicht recht. Wenn was gemacht wird, ist es nicht recht. Ich finde es ein tolles Projekt. Irgendwer wird immer was zu meckern haben.“

– „Die Stadtquellen sind ein Paradebeispiel dafür, was mit ehrenamtlichen Engagement alles möglich ist. Bei den Bänken kann man sich sicherlich über die Farbgestaltung streiten, über das Material der Bänke jedoch nicht – Plastik ist ein No-Go! Wir sollten anfangen, nicht nur von Nachhaltigkeit zu reden, sondern diese auch zu leben!“

– „Geht es noch ein bisschen hässlicher? Der Marktplatz sollte mit Leben gefüllt werden und nicht mit bunten Schnickschnack.“

– So schön auch die Gestaltung des Wasserspiels auf dem Marktplatz geplant ist, sie wird durch ein fürchterliches Konstrukt aus Kunststoff erdrückt. An anderen Stellen werden Plastikmöbel entfernt und durch Stadtmöbel aus Holz, Stein und Metall ersetzt. Ein Trend, der bei den Verantwortlichen und Architekten anscheinend noch nicht angekommen ist.“

– "Die Stadtquellen sind bereichernd. Die Sitzmöbel sind hoffentlich nur ein Gag."

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