Coronavirus-Schutz selbst gemacht

Werler Ärzte starten "mit Frauenpower" Aktion zu Mundschutz-Masken

+
Sie haben die Mundschutz-Aktion initiiert: Helga Deutsch, Thomas Roden, Gerd Horner und Maria und Wolfgang Röhrborn (von links).

Die Werler Ärzte geben Stoff beim Corona-Schutz. Und zwar wortwörtlich: Mit einer groß angelegten Aktion will die Ärzteschaft der Wallfahrtstadt dem Mangel an Mundschutzmasken begegnen. Dahinter steckt die Überzeugung: „Jede Maske ist besser als keine Maske.“

Werl - Ein Team von rund 50 Frauen unter Federführung von Helga Deutsch hat bereits damit begonnen, Masken zu nähen, die verteilt werden sollen – an Kassierer in Lebensmittelmärkten, an ältere Bürger, chronisch Kranke, an Arztpraxen, an Pflegeheime. Überall dort halt, wo Menschen einander nahe kommen, sagt Dr. Gerd Horner, der mit seinen Kollegen Dr. Maria und Dr. Wolfgang Röhrborn sowie Thomas Roden die Aktion in den Stiel gestoßen hat. Die Aktion sei gut angelaufen, berichtet Wolfgang Röhrborn am Montag. Inzwischen sind bereits 500 Masken fertig und verteilt, weitere 500 in Arbeit. 

Bei einem Treffen der Ärzteschaft war vor einer Woche überlegt worden, was man tun kann zum Schutz der Bevölkerung. Dabei kam auch die Masken-Knappheit zur Sprache. Die Mediziner sind überzeugt davon, dass sich das Coronavirus weiter rasant verbreiten wird und schon in kurzer Zeit sehr viel mehr Menschen als heute infiziert sein werden.

Werler Aktion zu Mundschutz-Masken: "Rate von Infektionen reduzieren"

Sollte da nicht generell das Tragen von Mundschutzmasken empfohlen werden?. „Wir wollen auch keine Panik verbreiten“, sagt Horner. Natürlich könne ein Mundschutz eine Infektion nicht verhindern. „Aber er kann die Rate von Infektionen reduzieren“, so die drei Mediziner. 

Einer Anleitung der Feuerwehr Essen zum Selbermachen von Masken folgend kam die Idee, das ehrenamtlich in die Hand zu nehmen und eine Hilfsaktion ins Leben zu rufen. Dabei setzen die Mediziner unter anderem "auf Frauenpower", das Team der kfd St. Norbert um die Vorsitzende Helga Deutsch, die Erfahrung mit dem Nähen hat. Schließlich organisieren die Frauen seit Jahren die Herzkissen-Aktion. Und mit Deutsch und ihrer Computerstickerei besteht jede Menge beruflicher Erfahrung im Umgang mit Stoffen.

500 selbst genähte Masken sind am Montag schon fertig und verteilt, weitere 500 in Arbeit. 

Mundschutz-Masken nähen: "Frauen machen das umsonst"

„Die Frauen brennen dafür und machen das umsonst“, freut sich das Ärzte-Trio über das Engagement. Die Ärzte haben Geld gespendet, um den Stoff zu bezahlen. So viele Masken wie möglich sollen in kurzer Zeit produziert werden; rund 1000 sollen es werden, die dann gegen eine kleine Spende verteilt werden.

Sie sollen aus kochfester Baumwolle bestehen, sodass man waschen und wiederverwenden kann. Sie sollten nach Benutzung, mindestens einmal täglich, in der Waschmaschine bei 90 Grad gewaschen oder auf dem Herd im Wasserbad fünf Minuten ausgekocht werden. 

Virenmenge durch beiderseites Tragen reduzieren

Aber warum denn eigentlich die Maske? "Man kann davon ausgehen, dass die allermeisten Corona-Infektionen durch Übertragung von Mund/Nase zu Mund/Nase (also auf der einen Seite Husten, Niesen, Ausatmen und auf der anderen Seite Einatmen) stattfinden", beschreibt Röhrborn. Die Maske führe nun beim Infizierten zu einer Verminderung der Virenabgabe und beim Nichtinfizierten zu einer Verminderung der Virenaufnahme. 

Eine erhebliche Verminderung der im Kontaktfall übertragenen Virenmenge könne also am besten durch das beiderseitige Tragen erreicht werden. Und es gelte die einfache Formel: "Viele Viren machen richtig krank, wenige Viren ein bisschen und keine Viren gar nicht." Keiner weiß, ob sein Gegenüber Virusträger ist. "Die Dunkelziffer noch nicht registrierter Fälle ist wahrscheinlich sehr hoch, da es acht bis zehn Tage dauern kann, bis man sich krank fühlt. Manche Menschen merken überhaupt nicht, dass sie infiziert sind und wissen zu keiner Zeit, dass sie ansteckend sind. Das erstrebenswerte Ziel ist es daher, immer dann eine Maske zu tragen, wenn man in Kontakt tritt mit Menschen, mit denen man nicht in einer Wohnung lebt. Vor allem dann, wenn man nicht den empfohlenen Abstand von zwei Metern einhalten kann.

Masken sind doppelt wirksam

Die Masken seien also doppelt wirksam: Wer womöglich nicht wisse, dass er infiziert ist, verbreite weniger Viren. Und der Nichtinfizierte, womögliche Risikopatient, nehme „mit Sicherheit weniger Viren auf als ohne Atemschutzmaske“, bekräftigt Wolfgang Röhrborn. Man wisse inzwischen, dass auch die Menge aufgenommener Viren eine Rolle dabei spielt, wie schwer die Krankheit verläuft. Vor allem aber sei zu befürchten, dass es mittlerweile etliche Bürger gebe, die das Virus in sich tragen unbewusst andere anstecken.

Eigentlich sei es beschämend, mit solchen Behelfsmasken an die „Front“ geschickt zu werden, so Roden. Aber keinesfalls werde man die Bemühungen um zertifizierte Masken aufgegeben. „Die blanke Not und die Angst vor noch höherer Ansteckungsgefahr erfordert momentan solche Schritte, leider. Ein Warten auf eine bessere Liefersituation kann lebensgefährdend sein."

Weitere Infos gibt es unter corona-maske-werl.de. Die Situation im Kreis Soest behalten wir in unserem Newsticker im Blick.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare