Landwirtschaft

Westönner testet Ackerflächen auf ihren Nährstoffgehalt

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Mit seinem Quad fährt Steffen Hünnies aus Westönnen über die Felder, um mit seinem Bohrstock Bodenproben zu entnehmen.

Die Landwirte in Deutschland leiden unter der Hitze und Trockenheit der vergangenen Jahre. Durch mangelnden Niederschlag fehlen den Ackerflächen vielerorts wichtige Nährstoffe. Steffen Hünnies aus Westönnen nimmt Bodenproben, um Feldpflanzen optimale Bedingungen bieten zu können.

Westönnen - „Die Hoffnung stirbt zuletzt – das ist das Motto der Landwirtschaft“, sagt Steffen Hünnies. Er lacht. Lustig findet Hünnies die Situation in der Landwirtschaft nicht – es ist Galgenhumor. Die Landwirte in der Soester Börde sehnen sich, wie deutschlandweit, nach Niederschlag. Daran ändert auch der Regen der vergangenen Tage und Wochen wenig. Denn der kommt zu spät, „die Vegetationszeit ist beinahe zu Ende“.

„Normalerweise haben wir zwischen 750 und 800 Liter Niederschlag pro Quadratmeter im Jahr. Wir haben Oktober und haben nur rund 450 Liter“, sagt Steffen Hünnies. Der 27-Jährige nimmt Bodenproben für Landwirte aus der Umgebung – im letzten Jahr waren es rund 500 Stück. Normalerweise testet Steffen Hünnies auf Nährstoffe im Boden, um beispielsweise die richtigen Mengen an Dünger zu ermitteln. „Der Wassermangel macht sich auch hier bemerkbar“, sagt der Westönner.

Denn Basis für ein gesundes Pflanzenwachstum sind die Grundnährstoffe Phosphat, Kalium, Magnesium sowie ein optimaler pH-Wert. Der pH-Wert gibt an, ob ein Boden als sauer, neutral oder alkalisch eingestuft wird – jede Ackerkultur bevorzugt einen anderen Wert.

nen anderen Wert. Die regelmäßigen Bodenuntersuchungen sollen dafür sorgen, dass die Nährstoffversorgung auf Ackerflächen ausreichend vorhanden ist.

„Wir leben im Wandel der Zeit“, sagt Landwirt Friedrich Nieder, der unter anderem Gemüse und Kartoffeln an der Westönner Bundesstraße direkt vermarktet.

Alle drei Jahre lässt Friedrich Nieder Bodenproben von seinen Ackerflächen nehmen – mittlerweile von Steffen Hünnies. „Du machst es dir aber auch sehr einfach“, sagt der Landwirt mit einem Augenzwinkern zu Hünnies. Der fährt nämlich mit seinem Quad quer über die Ackerflächen, um die Proben zu nehmen.

Proben landen im Labor

20 Einstiche mit einem Bodenanalysegerät muss Hünnies auf einer drei Hektar großen Fläche machen. Rund 30 Zentimeter tief dringt der Bohrstock in den Boden ein. „Das ist der Oberboden, der für die Landwirtschaft genutzt wird“, erklärt Hünnies. Den Boden aus den Einstichen sammelt Hünnies in einem Eimer, den er an seinem Gürtel trägt. Anschließend vermischt er den Boden gründlich und füllt rund 500 Gramm in einen kleinen Papierbeutel ab. Eine Waage braucht Steffen Hünnies nicht mehr – „das mache ich mit Erfahrung“, sagt er. Den Papierbeutel schickt er schließlich in ein Labor. Dieses braucht mindestens 400 Gramm, um eine aussagekräftige Analyse des Bodens vorzunehmen.

Die Landwirtschaftskammer NRW verpflichtet die Landwirte dazu, mindestens alle sechs Jahre eine Bodenprobe auf Phosphat untersuchen zu lassen. Neben dieser Grunduntersuchung empfiehlt die Landwirtschaftskammer auch eine Analyse der Spurenelement-, Natrium- und Humusgehalte des Bodens.

Durch die Düngeverordnung (DüV) sind die Landwirte dazu aufgefordert, jährlich den Stickstoff-Gehalt vor der Düngung zu ermitteln. Das ist eine Wissenschaft für sich, findet Friedrich Nieder, der auf rund 40 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann. Nieder beschäftigt neben Hünnies einen Düngeberater, der den geforderten Nährstoffvergleich für Stickstoff und Phosphat erstellt. Auf der Fläche, die Steffen Hünnies derzeit testet, hat Friedrich Nieder eine Zwischenfrucht gepflanzt – aus Futtererbsen, Ackerbohnen und Phacelia.

Zwischenfrüchte sollen den Ertrag der Kulturen erhöhen, die im Anschluss gepflanzt werden. Sie wirken sich positiv auf den Boden aus. „Das ist eine Dauerfrucht, die bis zum 15. Februar auf dem Feld bleiben muss“, erklärt Friedrich Nieder. Pflanzen was er will, ist nicht erlaubt, denn auch für die Fruchtfolgen gibt es Regelungen der Landwirtschaftskammer.

Noch fehlt auch den Zwischenfrüchten der Niederschlag zum wachsen, aber Friedrich Nieder hegt weiter Hoffnung, dass es bald ausreichend regnet und die Saat aufgeht. Funktioniert das, kann er im Frühjahr Dünger einsparen.

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