Wetterstation in Sönnern

Werler Wetter: Die Informationen kommen aus Sönnern

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Jörn Bremer vom Deutschen Wetterdienst kontrolliert einen Sensor, der die Sonnenscheindauer misst. Der Experte erklärt, dass der Sensor nur ausschlägt, wenn direkte Sonnenstrahlung eingeht.

Die Informationen für den Wetterbericht des Deutschen Wetterdienstes (DWD) kommen aus Werl – zum Teil. In Sönnern betreibt der DWD eine automatisierte Wetterstation. Diese liefert rund um die Uhr Daten an die Zentrale des DWD ins hessische Offenbach.

Sönnern - „Hier putzt der Chef noch selber“, sagt Jörn Bremer, Leiter der Außenstelle der regionalen Messnetzgruppe Offenbach des DWD, lachend. Normalerweise beschäftigt der DWD eine Fremdfirma zur Pflege der feinen Messgeräte. Doch in Sönnern gibt es zur Zeit niemanden. Einmal in der Woche säubert der DWD die Sensoren an den elf meteorologischen Geräten in Sönnern. „Sonst kann es sein, dass die Messwerte nicht mehr stimmen“, sagt Jörn Bremer. Selbst kleine Spinnweben müssen entfernt werden.

Jörn Bremer lobt den Verpächter der Fläche in der Feldflur in Sönnern. Der hat an den Zaun, der die Wetterstation umgibt, zwei Vogelstangen montiert. So würden sich weniger Vögel auf die Messgeräte setzen, die zum Teil mehr als zehn Meter in den Himmel ragen.

Wolkenhöhe und Sichtweite

Die Wetterstation in Sönnern misst nicht nur Daten wie die Temperatur und den Niederschlag, sondern beispielsweise auch die Wolkenhöhe und die Sichtweite.

Am höchsten in die Luft ragt der Windsensor. „Den gibt es in verschiedenen Ausführungen: in zehn, zwölf und 15 Meter Höhe“, sagt Jörn Bremer. Das ist abhängig von der Umgebung. „In Sönnern haben wir fast perfekte Bedingungen für eine Station“, so Bremer. Denn die Station ist weder umgeben von einem dichten Waldgebiet noch von Gebäuden, die die Messwerte verändern – ein zehn Meter hoher Mast reicht hier aus.

Innenleben des Niederschlagssensors: Mit der Wippe wird der Regen gemessen.

Bei der Suche nach geeigneten Standorten für eine Wetterstation muss der DWD häufig Kompromisse eingehen. „Optimale Bedingungen gibt es nur sehr selten“, erklärt Bremer.

Der Windsensor misst mit einer Windfahne und einem Schalenkreuz Windrichtung und -geschwindigkeit. „Das ist eine erprobte Technik aus den 1930er Jahren. Mittlerweile gibt es auch Messmethoden mit Lasern, die arbeiten aber nur unwesentlich genauer“, sagt Jörn Bremer. In Deutschland komme der Wind häufig aus dem Westen – vom Atlantischen Ozean herüber, erklärt der Wetter-Experte des DWD.

Die Wetterstation in Sönnern wurde im September 2003 an seinem jetzigen Standort installiert. Mit Unterbrechungen befand sich eine Wetterstation seit März 1939 in der Wallfahrtsstadt, allerdings an verschiedenen Standorten.

DWD-Experte verschätzt sich

Ein Blick in die Ferne und Jörn Bremer schätzt: „20 bis 40 Kilometer lässt sich weit schauen.“ Früher, erklärt Bremer, haben die zuständigen Meteorologen die Sichtweite immer geschätzt. Jetzt übernimmt das ein Sichtweitesensor. Der schickt einen grellen Lichtstrahl in einen wenige Zentimeter entfernten Empfänger, der durch das angekommene Licht die Sichtweite hochrechnen kann. Denn auch ein Experte liegt mal daneben: Statt der geschätzten 40 Kilometer beträgt die Sichtweite bis zu 70 Kilometer, das geht aus den Daten des Sensors hervor. Jörn Bremer nimmt es gelassen.

Auch bei seiner Schätzung der Wolkenhöhe liegt er knapp daneben. Der Wolkenhöhensensor schickt einen Laserstrahl in den Himmel – „bis zu 14 Kilometer hoch“, sagt Jörn Bremer. „Der Strahl kann bis zu drei dünne Wolkenschichten durchdringen.“ Auf 2,4 Kilometer Höhe wird der Laserstrahl heute von den Wolken reflektiert – Bremer hatte vorher auf rund 1800 Meter geschätzt. „Dort bestehen die Wolken noch aus kleinen Wassertropfen“, sagt Bremer. In höheren „Stockwerken“ bestehen die Wolken dann auch aus Eiskristallen.

Für die Messung der Bodentemperatur: In einem Glaskolben, fünf Zentimeter über dem Boden, dehnt sich ein dünner Draht aus. Die Ausbreitung zeigt die Temperatur an.


Auch die Temperatur des Erdbodens wird in Sönnern gemessen. Bis zu einer Messtiefe von einem Meter wird mit fünf Geräten die Temperatur gemessen. Zusätzlich wird auch fünf Zentimeter über dem Erdboden gemessen. Aus den Daten wird eine Bodentemperatur errechnet.

„Diese Messungen sind besonders interessant für Land- und Forstwirtschaft“, sagt Jörn Bremer. „Es gibt Auslösetemperaturen. Die sind von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich. Gras, zum Beispiel, beginnt bei einer Temperatur von über fünf Grad zu wachsen“, erklärt Jörn Bremer. Land- und Forstwirte können aus den Daten des DWD ablesen, wann es sinnvoll ist eine Saat auszubringen. Beinahe alle Messhöhen und Messwerte sind international standardisiert. „So entsteht eine Vergleichbarkeit der Daten“, erklärt Jörn Bremer.

Vorhersagen stimmen zu 95 Prozent

Rund 90 000 Vorhersagen hat der DWD im vergangenen Jahr erstellt – knapp 200 000 Wetter- und und Unwetterwarnungen wurden herausgegeben.

„Am liebsten gucke ich mir die Wettervorhersage von der Tagesschau an“, sagt Jörn Bremer, „wegen der Wolkenkarte. Das ist aber meine persönliche Meinung.“

Die Vorhersage-Wahrscheinlichkeit habe in den letzten Jahren immer weiter zugenommen. „Die Trefferquote für die ersten 24 Stunden einer Vorhersage liegt bei 95 Prozent“, erklärt Jörn Bremer. Nach 48 Stunden liege die Trefferquote nur noch bei 85 Prozent. Nach drei Tagen seien es nur noch 75 Prozent. „Es spielen viele Faktoren eine Rolle“, sagt Bremer. „Deswegen schaue ich selber nur noch auf die Wettervorhersage für den nächsten Tag“, gibt Jörn Bremer noch einen Tipp.

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