Bewohner machen große Augen / Mit Fotostrecke

Staunende Passanten machen Fotos: Warum Lamas in Holtum spazieren

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Von wegen spucken: Lama Otto macht hier bei Levin, der am Spaziergang durch Holtum teilnahm, den Eskimokuss.

Werl - Kommen Autos auf den Tross zu, halten sie an. Die Fahrer machen große Augen, viele setzen ein breites Grinsen auf. Kinder schauen neugierig, Anwohner zücken ihre Handys, machen vom Balkon Fotos. Hunde schauen irritiert durch den Jägerzaun. Pferde, ja, die sieht man hier öfter auf den Straßen. 

Aber solch exotische Tiere kennt man sonst nur aus dem Zoo. Und nun traben zwei von ihnen ganz lässig durch die Straßen von Holtum.

Es ist der erste kleine Ausflug für Karl und Otto, die beiden Lamas, die der Verein Equus et Humanitas seit Mai bei sich beherbergt. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Pädagogen, Therapeuten und sozial engagierten Menschen, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die tiergestützte Therapie zu fördern.

Gut, nicht ganz der erste Ausflug. Am Tag zuvor haben die Vorsitzende, die Reittherapeutin Simone Roolf, und einige ihrer Mitstreiter schon einmal einen kleinen Rundgang unternommen.

Lama Spaziergang in Holtum

Aber eben nur „im engsten Kreise“, sprich, ihre Leinen führten nur Menschen, die die beiden Hengste bereits kannten, denen sie vertrauen. Nun sind erstmals auch einige Fremde dabei.

Die großen Kulleraugen nehmen alles wahr

Karl und Otto sind hochaufmerksam, die großen, sanften, tiefdunklen Kulleraugen nehmen alles wahr, saugen die Umgebung förmlich auf. Deshalb dauert der Gang auch erst einmal keine halbe Stunde. Die Reizüberflutung soll die Tiere ja nicht überfordern. Bislang kannten sie nur den Tierpark in Hamm, wo sie zu Welt kamen, dann ihren Unterstand in Holtum und die angrenzenden 12.000 Quadratmeter Auslauffläche, die sie ganz für sich allein haben.

„Nach sechs Wochen waren sie dort wirklich gänzlich angekommen“, erzählt Simone Roolf, „und jetzt verteidigen sie ihr Revier auch. Wenn sich irgendein anderes Tier nähert oder in der Ferne jemand vorbei reitet. Dann bemerken die das noch vor meinem Hund. Denn sie haben eine ganz andere Wahrnehmung. Kein Wunder, dass man sie in den Anden zusätzlich zu den Hütehunden unter die Schafe mischt.“

Reittherapeutin Simone Roolf geht mit „ihren“ Lamas durch Holtum.

Rasch habe sie festgestellt, dass die beiden ganz unterschiedliche Charaktere haben: „Karl ist der vornehmere und noch etwas zurückhaltender. Otto ist mehr der Kumpeltyp, auch der Zutraulichere.“ Er gibt sogar Küsschen. „Boah, hat der Mundgeruch“, meint der kleine Levin nach einer Liebesbekundung des Lamas. „Sie suchen sich ihre Menschen selber aus“, meint Roolf.

Sie gleitet sanft mit der Hand über Ottos Hals. „Das ging vor vier Monaten noch gar nicht. Mehr als aus der Hand fressen war da noch nicht drin. Sie waren wirklich so scheu, dass ich nicht gedacht hätte, dass wir jetzt schon so weit wären.

Aber nun lassen sie sich anleinen, aufhalftern und streicheln und gehen mit uns durch ein Wohngebiet an Häusern, Autos und sogar Mähdreschern vorbei.“

Hündin Minu hat den Leopard erlegt

Das bedeutete viel Arbeit: „Wir haben mehrmals am Tag Vertrauen zu ihnen aufgebaut, uns viel zu ihnen ins Gehege gesetzt und uns von ihnen beschnuppern lassen. Eine große Hilfe war auch meine Hündin Minu.“ Sie und Otto sind schon ganz dicke Freunde. Jeden Morgen schlabbern sie sich zur Begrüßung gegenseitig die Nasen ab. Karl dagegen bleibt noch etwas auf Distanz. Roolf: „Anfangs befürchtete ich noch, sie würde die beiden durchs Gehege scheuchen. Aber es war genau umgekehrt. Die Lamas waren einfach total neugierig auf sie.“

Erst kurz zuvor hatte Minu von Frauchens Mutter ein neues Spielzeug erhalten: einen großen Plüsch-Leoparden. Den schleppte sie freudig zu ihren neuen Freunden. Als sie die vermeintliche Raubkatze sahen, stießen sie prompt einen ihrer Warnrufe aus, so wie wenn ein Fuchs aufs Gelände kommt. Dann merkten sie: Die Katze bewegt sich nicht. Ergo: Minu muss sie erlegt haben. Und schon war auch Karl voller Respekt.

Die Runde durchs Dorf geht ihrem Ende entgegen, und die Lamas merken: Gleich kommen sie nach Hause. Die hundert Kilogramm schweren Tiere ziehen an der Leine, sie freuen sich aufs gewohnte Terrain.

Es wird bei Weitem nicht ihr letzter Ausflug gewesen sein. Denn diese Spaziergänge sollen ab sofort auch Teil der tiergestützten Therapie mit psychisch Kranken sein, für die sich Lamas besonders gut eignen.

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