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Straßen-NRW hat neue Idee für Iwering-Kreuzung

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So sehen Linksabbieger auf dem Iwering die Bundestraße 63. Zu Stoßzeiten wird Abbiegen hier zur Geduldsprobe.

Werl - Wer vom Iwering bei Budberg links auf die B63 abbiegen möchte, hat es wahrlich nicht leicht. Schilder behindern das Sichtfeld, ein Radweg kreuzt, und zu Stoßzeiten lassen einem die Auto- und Lasterkolonnen auf der Bundesstraße kaum eine Lücke. Eigentlich sollte hier eine Ampel für Abhilfe sorgen. 

Doch der Landesbetrieb Straßen-NRW hat nun eine neue Idee.

Welche Lösung schwebt Straßen-NRW vor?
Das Ziel des Landesbetriebs sei es, den Verkehr von und nach Turflon mit Hilfe neuer Schilder so umzuleiten, dass die Iwering-Kreuzung entlastet wird, sagte Straßen-NRW-Sprecher Oscar Santos auf Anfrage. Der Verkehr solle in beide Richtungen über die K18n, die B1 und die A445 geführt werden. Vertreter des Landesbetriebs hätten darüber bereits mit der Stadt und dem Kreis gesprochen, so Santos. Nun gehe es noch um die Detailabstimmung. Führe die neue Beschilderung nicht zum Erfolg, müsse man noch einmal neu denken. 

Was spricht aus Sicht von Straßen-NRW gegen die Ampel-Lösung?
Eine Ampel-Anlage zu bauen, ist teuer. Wenn später dann die geplante Weiterführung des Hanserings gegenüber dem Iwering auf die Bundesstraße trifft, müsste die Ampel umgebaut werden, was erneut Kosten verursachen würde. Außerdem hemmt eine Ampel den Verkehrsfluss auf der Bundesstraße. Es wäre mit der Ampel am Maifeld und der Ampel an der Autobahnauffahrt bereits die dritte auf relativ kurzer Strecke. 

Was sagt die Stadt dazu?
„Wir halten die angestrebte Umleitungslösung für sehr schwierig“, sagt Clarissa Stich, Leiterin des Werler Ordnungsamtes. Die Stadt gehe davon aus, dass die Umleitung von den Autofahrern nicht akzeptiert werde. Die Strecke über den Iwering sei rund zwei Kilometer lang, die von Straßen-NRW angestrebte Strecke sechs Kilometer. Außerdem führten Navis die Turflon-Kunden ohnehin über den Iwering. 


Was sagt der Ortsvorsteher von Budberg zu der Schilder-Idee?
„Zielführend ist das nicht“, sagt Klemens Becker. Das behebt das Problem nicht. Becker spricht sich deshalb klar für eine Ampel aus. Auch mit Blick auf die Budberger Ortsdurchfahrt Michaelstraße, die von vielen Ortskundigen als Alternativroute gewählt wird, weil sie dort an der B63-Einfahrt als Linksabbieger deutlich besser wegkommen. Daran habe auch die Ausschilderung als Anliegerstraße nicht viel geändert. Trotzdem: „Meine Position ist, die Anliegerstraße bleibt solange, bis da oben eine Ampel steht.“ Zusätzlich würde sich Becker mehr Polizeikontrollen an der Michaelstraße wünschen. Becker steht mit seiner Meinung nicht alleine, auch andere Anwohner sind der vielen Autos, die zum Teil auch zu schnell fahren würden, überdrüssig. 

Wie schätzt Turflon die Situation ein?
Turflon-Chef Guido Münstermann spricht sich klar für eine Ampel an der Kreuzung aus: „Wir haben eine große Anzahl von Kunden, die aus nördlicher Richtung kommen, die wollen natürlich bequem über den Iwering fahren.“ Und es sei eine „blöde Geschichte“, wenn Stammkunden auf dem Rückweg an der Kreuzung nicht mehr wegkommen. „Es wäre gut, wenn da eine Ampel hinkommt.“ Von einer anderen Ausschilderung, die die Kunden auf einen „riesen Umweg“ schickt, hält Münstermann nichts: „Unsere Kunden haben das Verkehrschaos auf der B63 nicht verursacht, sondern müssen damit zurecht kommen.“ Außerdem glaubt Münstermann auch nicht, dass Schilder etwas am Verhalten ändern würden: „Das ist ähnlich wie beim Wasser, Kunden nehmen immer den kürzesten Weg.“

KOMMENTAR
Schilder lösen das Problem nicht
Wer die Kreuzung von Iwering und B63 entschärfen will, wird dies mit ein paar Schildern nicht schaffen. Wer selbst einmal als Linksabbieger an der Kreuzung gestanden hat, weiß, wie schwierig es ist, sich zwischen die Kolonnen auf der B63 zu mogeln. Es ist fast schon verwunderlich, dass die Kreuzung kein Unfallschwerpunkt ist. 

Viele Ortskundige weichen der Geduldsprobe am Iwering inzwischen aus und fahren zum Nachteil der Budberger mitten durchs Dorf. Auch das kann auf Dauer keine Lösung des Problems sein. Doch die Hoffnung, dass künftig alle Turflon-Kunden über die K18n, die B1 und die A445 fahren, hat Straßen-NRW wohl exklusiv. Kunden von außerhalb fahren in der Regel mit einem Navi, und das lotst nun mal alle über den Iwering. Die Strecke ist deutlich kürzer – und wird auch von Turflon mit einem riesigen roten Pfeil empfohlen.

Eine Ampel wäre die teurere, aber effektivere Lösung. Das wird den Autofahrern auf der B63 nicht unbedingt schmecken, ist aber auf jeden Fall besser als ein schwerer Unfall. 

Letztlich bietet an dieser Stelle ohnehin nur der Weiterbau der A445 eine wirkliche Entlastung. Doch das Warten darauf wird sogar noch länger dauern, als das Linksabbiegen am Iwering.

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