Ein aktueller Film begeistert ihn besonders

Benedict Kölsche kritisiert Filme auf Youtube und ist nun für einen Preis nominiert

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Filme sind seine große Leidenschaft: der gebürtoge Werler Benedict Kölsche.

Werl – „Auf der Straße hat mich bisher noch niemand erkannt. Aber im Kino ist mir das schon ein paarmal passiert.“ Nein, eine Berühmtheit ist Benedict Kölsche nicht. Noch nicht. Das könnte sich am   Samstagabend ein wenig ändern, denn dann wird es spannend für den gebürtigen Werler. Er ist für einen Youtube-Preis nominiert.

Der mittlerweile in Münster lebende Mediziner und Filmfan betreibt seit 2013 in seiner Freizeit den Youtube-Kanal MovieCheck. Dort veröffentlicht er regelmäßig Filmkritiken. Und das so professionell, dass er jetzt für den Youtube-Award „Youlius“ nominiert wurde. Am Samstag werden die Gewinner bei einer Veranstaltung im Bochumer Schauspielhaus bekannt gegeben. Im Anzeiger-Gespräch mit Olaf Windgassen erzählt Benedict Kölsche von seiner großen Leidenschaft.

Wie kamen Sie dazu, einen Youtube-Kanal mit Filmkritiken zu eröffnen? Gibt es nicht schon genug?
Es gibt unzählige Kanäle. Ich habe schon früh mit Youtube angefangen, etwa im Jahr 2006. Da war ich noch auf dem Ursulinen-Gymnasium und eher als Gamer unterwegs. Angefangen hat es mit aufgenommenen Spielszenen, aus denen ich Filme zusammengestellt habe. Filme waren schon immer schon meine große Leidenschaft, über die ich mit anderen Leuten diskutiert habe. Auf Youtube hat mich der leider mittlerweile verstorbene Filmkritiker Frank Tausch in seinen Bann gezogen. Weil er Filme in der selben Art gesehen hat, wie ich auch. Das hat den Anstoß gegeben, 2013 meinen Kanal MovieCheck zu gründen. 

Gibt es einen bestimmten Film, der Sie dazu veranlasst hat?
Der erste von mir besprochene Film war „12 Years a Slave“. Das war aber eher Zufall. Entscheidend war der Enthusiasmus von Frank Tausch. Es ging mir immer mehr um das ganze Medium Film. Und ich finde die Diskussion über das Kulturgut Film mega spannend. Ich möchte Zuschauer animieren, Filme auch anders zu sehen. 

Wie viele Filmkritiken haben Sie seit dem Start des Youtube-Kanals veröffentlicht?
Mittlerweile um die 200. 

Welche sind Ihre Favoriten?
Aus aktuellem Anlass die Kritik zu „1917“. Natürlich auch „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“. 

Haben Sie auch schon mal daneben gelegen, und eine Kritik zu einem Film veröffentlicht, den Sie mittlerweile mit anderen Augen sehen?
Nein, spontan würde ich sagen, ich bin noch immer mit allem d’accord.

Wie kam es zur Nominierung für den „Youlius“?
Die Initiatoren haben vergangenes Jahr die Ausschreibung für den Award 2020 bekannt gegeben, worauf ich mich beworben habe. Am 17. November wurden dann die Nominierten in einem Lifestream auf Youtube bekannt gegeben. So habe ich erfahren, dass ich mit drei Konkurrenten in der Rubrik „News, Reviews und Kommentare“ nominiert worden bin. 

Kannten Sie die drei Mitbewerber bereits vorab?
Nein, die habe ich erst durch die Nominierung kennen lernen dürfen. Die Konkurrenz ist auf jeden Fall stark. Es sind die Kanäle Marius Scholz, Kammi.n1et, und Techtrixa. Sie widmen sich auch anderen Themen wie etwa technischen Reviews. 

Gibt es ein Preisgeld oder etwas anderes zu gewinnen?
Es gibt Sponsoren, die das Ganze unterstützen. Zu gewinnen gibt es zum Beispiel Lizenzen für Online-Musik-und -Sound-Bibliotheken. 

Wie rechnen Sie sich selbst Ihre Chancen aus?
Kann ich nicht sagen. Am Samstag werde ich auf jeden Fall supernervös sein. Und natürlich werde ich mit meiner Familie im Bochumer Schauspielhaus dabei sein. 

Gibt es Wünsche oder Pläne, die Sie sich erfüllen möchten?
Natürlich möchte man auf jeden Fall expandieren. Ich bin aber vor drei Monaten Papa geworden und setze erst mal andere Prioritäten. Langfristig plane ich, mir ein größeres Studio zuzulegen. Momentan habe ich noch ein kleines Studio unter dem Dach. 

Verdienen Sie Geld mit dem Youtube-Kanal, oder ist das mal geplant?
Zurzeit mach ich keine Werbung. Das aber auch aus Unwissenheit, da ich nicht genau weiß, wie das geht. Im Moment lohnt es sich auch noch nicht. 

Welches Filmgenre bevorzugen Sie?
Auf jeden Fall Thriller, wie „Das perfekte Verbrechen“ oder „Identität“. Das ist immer ein Genre, bei dem man mitraten kann, wer der Täter ist oder selbst Zusammenhänge herstellen kann. 

Auf Ihrem Kanal beschäftigen Sie sich hauptsächlich mit neueren Streifen. Gibt es auch Filmklassiker unter Ihren Favoriten?
Auf jeden Fall alle Filme mit Heinz Rühmann. Wohl auch bedingt durch meine Kindheit. Ich habe immer mit meinem Opa „Pater Brown“ geschaut. Oder „Es geschah am helllichten Tag“ mit Gerd Fröbe. Das sind Thriller, die mich damals fasziniert haben. Sehr intensiv und großartig gespielt. 

Auf welche kommende Neuveröffentlichung freuen Sie sich am meisten?
Ich war sehr gespannt auf „1917“. Demnächst kommt „Black Widow“ aus dem Marvel-Universum heraus. Interessant werden sicher auch „A Quiet Place 2“, „Birds of Prey“, „Godzilla vs. Kong“, „Fantasy Island“, das Remake von „Der Unsichtbare“ oder „Moonfall“ von Roland Emmerich. 

Welchen aktuellen Film sollte man nicht verpassen?
„1917“ – auf keinen Fall. Unglaublich! Weil dieser Film atmosphärisch so dicht und beklemmend den schrecklichen Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg vor Augen führt. Historisch sehr gut unterfüttert und inszeniert. Auch die technische Ausführung ist grandios. Er bietet im Sinn eines „One Shot Movie“ ein Erlebnis aus einem Guss. 

Dann brauche ich Sie nach Ihrem Tipp zum Gewinner der Oscar-Verleihung in der Kategorie „Bester Film“ nicht zu fragen?
Das wird „1917“ – das ist jedenfalls mein Favorit. Die Konkurrenz ist sicher nicht schlecht. Aber dieser Film hat es meiner Ansicht nach verdient. Ich glaube, dass er sich auch gegen den „Joker“ oder „The Irishman“ durchsetzen kann, oder auch gegen „Once Upon a Time in Hollywood“

Der Youlius-Award

Der gemeinnützige Verein zur Förderung der Webvideokultur verleiht seit 2017 jährlich den Youlius-Award an „kleinere YouTube-Kanäle mit geringer Reichweite, aber großartigen Inhalten“. Diese werden ausgewählt von einer Jury aus Mitgliedern des Organisationsteams, Gewinnern der Vorjahre, sowie Experten aus dem Bereich Webvideo. Gefördert wird der Youlius-Award durch die Film- und Medienstiftung NRW. Die Kategorien reichen von „Kochen & Backen“ bis „Politik, Umwelt & Soziales“.

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