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Massive Änderungen der Krankenhauslandschaft: Laumann macht Hospital Hoffnung

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Von: Gerald Bus

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NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann beim Besuch in Werl.
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann beim Besuch in Werl. © Uta Müller

Skalpelle gehören zwar zum Krankenhausalltag. Aber einen „erbitterten Konkurrenzkampf bis aufs Messer“ unter den Krankenhäusern selber hält NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) für unerträglich. Das machte er bei einem Besuch des Werler Mariannen-Hospitals mehr als deutlich.

Werl - Daher stehen spätestens 2022 massive Änderungen in der Krankenhauslandschaft des Landes an – und die Verantwortlichen aus Werl und dem „Katholischen Hospitalverbund Hellweg“ hofften auf ein klärendes Wort des Ministers zur Zukunft des Hauses an der Unnaer Straße.

Das vermied Laumann zwar tunlichst. Aber dennoch gab es gleich mehrere positive Signale des Ministers, dass der Fortbestand des Werler Krankenhauses nicht akut gefährdet ist. „Die medizinische Versorgung braucht Strukturen, dafür braucht es eine gewisse Größe – die habt ihr auch“, sagte der Minister. Auch bedürfe es eines Mixes zwischen Grundversorgung und Spezialisierung, da allein von der Grund- und Regelversorgung heute kein Krankenhaus mehr leben könne.

Lob vom Ministerium

Auch da gab es ein Lob, wenn auch nicht direkt vom Minister, sondern von Ulrich Langenberg, Leiter der Gruppe „Krankenhaus“ in der Abteilung Krankenhausversorgung des Ministeriums. Bei der Geriatrie sehe das Land einen hohen Versorgungsbedarf. „Was das für dieses Krankenhaus bedeutet, kann ich noch nicht sagen, aber es ist gut, sich auf den Weg zu machen – und das tun Sie ja auch“, sagte Langenberg, der den Minister begleitete. Laumann ergänzte später, der Bereich „Geriatrie“ werde Wachstumsmarkt für alle Krankenhäuser, und so etwas gehe besser in kleinen Häusern. „Denn die Menschen lieben die Überschaubarkeit“, sagte Laumann.

Dass das Mariannen-Hospital eher ein kleines Haus ist, ist unbestritten. Und dass das Haus die vorhandene Geriatrie ausbauen möchte, hatte der Kaufmännische Direktor des 157 Jahre alten Krankenhauses, Tobias Franke, den Gästen aus Düsseldorf schon vorher gesagt. „Da wollen wir gerne etwas machen.“ Der Bereich soll ein Schwerpunkt der Zukunft werden. Ansonsten warb Franke nicht nur für das Mariannen-Hospital, sondern führte auch die Lage im ländlichen Raum ins Feld. „Wir sind nur ein kleiner Punkt, wo die Krankenhäuser schon weniger werden“, sagte der Kaufmännische Direktor unter Verweis auf „extrem viele Krankenhäuser in Ballungszentren“.

Die habe man im ländlichen Kreis Soest eben nicht. Und wenn es in Werl kein Hospital mehr gebe, seien nur das Krankenhaus Neheim (19 Minuten) und das Klinikum Stadt Soest (20 Minuten) soeben noch in der von Laumann propagierten Zeitspanne zu erreichen.

Ruinöser Wettbewerb

Der CDU-Minister formulierte später seinen Grundsatz nochmals: „Ein normaler Mensch in NRW muss ein Krankenhaus in 20 Minuten für die Grund- und Regelversorgung erreichen können.“

Dafür aber bedürfe es der längst überfälligen Krankenhausplanung. „Denn alle sehen: So kann es in der Krankenhauslandschaft NRW nicht weitergehen.“ Konkurrierende Häuser im ruinösen Wettbewerb soll es nicht mehr geben, daher hat das Land 2019 ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Situation aller Häuser in NRW krankenhausscharf beleuchtet, als Grundlage des Krankenhaus-Rahmenplans, der 2022 Kontur gewinnt – und vor dem auch das Mariannen-Hospital zittert. „Das Thema macht etwas mit den Mitarbeitern“, räumte Tobias Franke ein. Und auch mit ihm selber. Wenn man wisse, dass bald etwas passiert, aber keine wisse, was da kommt, „ist das nicht einfach zu managen.“ Aber Geduld wird nötig sein. Denn Laumann ließ sich keine klare Aussage entlocken: „Was bedeutet das für dieses Krankenhaus? Da kann ich nichts zu sagen, dann wollen das alle.“ Aber wenn ein Haus gute Zahlen schreibe, müsse es sich „nicht so viele Sorgen machen“, merkte der Minister kurz darauf an.

Krankenhausförderer in der Zwickmühle

Der Krankenhausförderverein hatte den NRW-Gesundheitsminister eingeladen – und freute sich, dass er kam und für das „Anliegen ein offenes Ohr hat“, sagte Ulrich Canisius in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden Klaus Eickenbusch. Denn der Verein sitzt etwas in der Zwickmühle. Er hat nicht zuletzt durch eine Erbschaft jede Menge Geld zur Verfügung, das er in das Mariannen-Hospital investieren will. Aber vor dem Hintergrund der noch unklaren Zwänge des Krankenhausplans wolle man auch „kein Geld verbrennen“, sagte Canisius. Heißt: Der Verein will nicht viel Geld in ein Haus stecken, das es schlimmstenfalls bald nicht mehr geben wird. Von einem hohen sechsstelligen Betrag sprach Canisius und von einem „Spannungsfeld“. Er verwies zudem auf die hohe Bedeutung des Hospitals für die Werler Bevölkerung.

Als die Existenz vor 40 Jahren gefährdet war, habe sich eben aus der Bevölkerung der Verein als Bürgerinitiative gegründet, um sich auch finanziell stark zu machen für die medizinische Versorgung vor Ort. In all der Zeit seien so rund 1,8 Millionen Euro für Verbesserungen ins Haus geflossen. Canisius betonte die „Wichtigkeit des Krankenhauses im ländlichen Raum und den dringenden Wunsch der Bürger zum Erhalt.“ Canisius hatte auch das letzte Wort: Aus Laumanns Worten ziehe er die Quintessenz, dass man „nicht ganz schwarz sehen muss“. Dennoch warte der Verein 2022 ab, „wir setzen uns ein Jahr auf das Geld“ – um es später „zukunftsorientiert und gewinnbringend einzusetzen.“ Und er wünschte Laumann „alles Gute für die Krankenhausplanung und – augenzwinkernd – insbesondere für Werl.“

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