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Nachfrage nach Kaminöfen zieht stark an

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Von: Fabian Neuenzeit

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Im neu gestalteten Kaminofenstudio der Firma H&S an der Unionstraße können Geschäftsführer Matthias Kleinschnittger und sein Team den Kunden individuelle Beratung anbieten.
Im neu gestalteten Kaminofenstudio der Firma H&S an der Unionstraße können Geschäftsführer Matthias Kleinschnittger und sein Team den Kunden individuelle Beratung anbieten. © Fabian Neuenzeit

Die frühlingshaften Temperaturen locken ins Freie: Da macht sich kaum einer Gedanken darüber, im nächsten Winter der Kälte mit einem neuen Kaminofen zu entkommen. Könnte man meinen, ist aber nicht der Fall. Im Gegenteil.

Werl - „Wir gehen davon aus, dass, nur wer im April bestellt, seine neue Feuerstätte noch in diesem Jahr bekommen wird“, schätzt Matthias Kleinschnittger, Geschäftsführer der H&S Heizungs- Sanitär- und Kaminofentechnik GmbH die Marktsituation ein.

Denn: In der Branche komme aktuell viel zusammen. Zum einen sei das die hohe Nachfrage, weil „bis Ende 2024 wegen der Bundesemissionsschutzverordnung sukzessive alte Geräte außer Dienst genommen werden müssen“, erklärt Kleinschnittger. Davon seien im Kreis Soest knapp 1 000 sogenannte Feuerstätten betroffen. Wo kein Bestandsschutz besteht, wird der Kaminofen vom Schornsteinfeger außer Betrieb gesetzt.

Zum anderen gebe es Materialknappheiten, vor allem bei Stahl, Glas und Nickel. Denn letzteres komme zu großen Teilen aus der Ukraine, so Kleinschnittger. Für Unternehmen, die in der Kaminofen-Branche tätig sind, bedeute das einen enormen Mehraufwand, besonders bei den kaufmännischen Tätigkeiten.

Vier Mitarbeiter neu angestellt

„Wir haben vier Mitarbeiter in diesem Bereich neu angestellt, da sich das Arbeitsvolumen dort stark erhöht hat“, sagt der Geschäftsführer von H&S. Um Kunden bei der Anschaffung weiterhin individuell beraten zu können, ist im Kaminofenstudio von H&S an der Unionstraße bereits keine ad hoc-Bedienung mehr möglich. Interessierte werden gebeten, sich wegen der hohen Nachfrage, aber auch zur Einhaltung der Corona-Regeln, vorher einen Beratungstermin zu vereinbaren.

„Wir haben 250 Feuerstätten, also Holz- und Pelletöfen, auf Lager bestellt, um überhaupt liefern zu können.“ Die Gestaltung von Kamin- und Pelletöfen ist eigentlich sehr individuell und multimedial, immer häufiger gebe es ganze Wohnmöbel, in die eine Feuerstätte integriert ist. „Die Auswahl- und Gestaltungsmöglichkeiten sind groß“, so Kleinschnittger.

Vor allem wasserführende Kaminöfen, solche mit einer Abbrandsteuerung und Pellet-Alternativen seien bei den Werlern beliebt. Bei diesen modernen Lösungen wird die Technik immer spezifischer, vor allem, wenn Warmwasser vom Ofen in das Heizsystem eines Gebäudes eingespeist wird.

Kamin ist nicht gleich Kamin

Kamin ist nicht gleich Kamin: Die Modelle werden immer individueller. Besonders nachgefragt sind zwei Typen. Bei sogenannten wasserführenden Öfen wird um den Brennraum herum Wasser erhitzt, welches dann in das zentrale Heizungssystem eingespeist wird und so zur temporären Eigenversorgung beiträgt. So können fossile Energieträger gespart werden. Der Kaminofen wird bei Einbau daher in den Heizkreislauf des Gebäudes integriert.

Außerdem beliebt: Ofenmodelle mit einer Abbrandsteuerung. Die sorgt dafür, dass der Brennstoff automatisch und reguliert abbrennt. Für Kunden ein doppelter Vorteil: Weniger Aufwand und eine längere Wärmeabgabe durch die höhere Effizienz. Denn: Die Steuerung der Verbrennungsluft optimiert den Brennprozess.

„Kaminmöbel“

Bei H&S sei man froh, als Sanitär- und Heizungstechniker dafür die Fachleute zu haben. Doch die hohe Nachfrage ziehe sich durch das gesamte Sortiment: Auch reine Luftgeräte, die häufig im Wohnzimmer stehen und dieses temporär beheizen, sind im Trend. „Nicht umsonst spricht man von Kaminmöbeln“, weiß Kleinschnittger, dass Öfen für die Kunden auch optisch ansprechend sind.

Schon in den vergangenen Jahren sei die Nachfrage an effizienten und modernen Feuerstätten sehr hoch gewesen, explizit bei Pelletöfen die auch über einen Luftkanal angrenzende Räume, wie beispielsweise einen Flur, zusätzlich beheizen können. Warmluft-Kanalisierung nennt es der Fachmann.

Und die Nachfrage wird weiter steigen, da ist man sich sicher. „Studien von den Herstellern zeigen, dass sich jeder zweite Hausbesitzer in Deutschland mit der Anschaffung einer Feuerstätte beschäftigt“, gibt Kleinschnittger weiter. Der Nachfrage wird im Moment vor allem durch Ware aus Österreich und Dänemark nachgekommen.

H&S erwägt weiteren Ausbau

Da auch der Bedarf an Beratungen im Kaminofenstudio gestiegen ist, wurde dies bei H&S umgebaut und neu gestaltet. Die Maßnahmen sind in großen Teilen bereits abgeschlossen, „mit kompletter Fertigstellung rechnen wir Ende des Jahres“, gibt Kleinschnittger Auskunft. Aufgrund der hohen Nachfrage erwägt man bei H&S weitere Investitionen in den Standort Werl, auch Ausbauoptionen für eine räumliche Erweiterung in Richtung der Soester Straße sind vorhanden.

Bereits seit rund 15 Jahren hat das Unternehmen seinen Standort an der Unionstraße, nachdem man am Neuwerk angefangen hatte und dann lange Jahre nahe der Windmühle beheimatet war.

Und: Die hohe Nachfrage beschränkt sich nicht bloß auf Werl. Klagen über Lieferengpässe und Co. seien auch unter den Mitbewerben in der Branche Konsens, weiß Kleinschnittger. Fazit des Fachmanns: „Wer das neue Gerät nutzen will, bevor es kalt wird, sollte jetzt bestellen“.

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