Zehn Fälle

Missbrauchs-Prozess gegen Werler Familienvater: Freundin der Tochter sagt aus

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Die Staatsanwaltschaft will mit vier neuen Beweisanträgen Licht in das Dickkicht bekommen. 

Noch ist kein Urteil in Sicht im Falle des 49-jährigen Mannes aus Werl, dem sexueller Missbrauch an der Tochter seiner Lebensgefährtin vorgeworfen wird.

Arnsberg/Werl - Die Hoffnung, am dritten Prozesstag Klarheit darüber zu gewinnen, ob dem Werler die mindestens zehn Tatvorwürfe, nach denen er an dem zu Tatbeginn siebenjährigen Mädchen sexuelle Handlungen vorgenommen haben soll, zutreffend zu Last gelegt werden, erfüllte sich jetzt für die 6. große Strafkammer des Landgerichts in Arnsberg nicht.

Wie berichtet, hatte sich das Mädchen sechs Tage nach dem behaupteten letzten Übergriff des Mannes im Februar dieses Jahres seiner in Hamm wohnhaften Großmutter anvertraut. Im Mai allerdings, als das Mädchen im Rahmen eines vor dem Familiengericht stattfindenden Verfahrens befragt wurde, nahm das Kind seine Aussage zurück. Seitdem bleibt es dabei, gelogen und den Familienvater zu Unrecht belastet zu haben.

Freundin befragt

Die heute Achtjährige sei eifersüchtig auf die kleine Schwester gewesen und habe den Angeklagten durch die Falschbelastung zum Ausziehen aus der Familienwohnung nötigen wollen, so ein mögliches Motiv für das Handeln des Mädchens. Ein Motiv, von dem die gleichaltrige, beste Freundin des Mädchens jedoch nach eigener Aussage noch niemals etwas gehört hat.

Ihr gegenüber hat das Mädchen zu keinem Zeitpunkt erzählt, mit dem Lebensgefährten der Mutter uneins zu sein. Allerdings habe das Mädchen davon berichtet, dass der Mann etwas „Unrechtes“ an ihr getan habe, so das Kind, das in der Verhandlung als Zeugin zu Gehör kam.

Wissen aus Schulbüchern

Einfühlsam befragte sie der Richter nach diesem vertraulichen Gespräch vom Jahresbeginn, in dem sie davon erfuhr, dass ihre beste Freundin vom Angeklagten dort berührt worden sei, wo es sich nicht gehöre, weil es verboten sei.

Mit kindlichen Worten schilderte die Freundin in ihrer Aussage auch, dass sie selbst ihr Wissen über Fortpflanzung bislang allein aus Büchern bezieht, die sich in der Schulbibliothek befinden, und nicht etwa aus dem Schulunterricht oder dem Internet, wie die Mutter des Opfers in ihrer Aussage zu Protokoll gegeben hatte. Die als Zeugin vernommene Freundin konnte auch nicht bestätigen, dass das vermutliche Opfer über ein Tablet oder ein Handy verfügt, denn solche Gegenstände habe sie bei ihrer Freundin noch nie gesehen. Die Mutter des vermutlichen Opfers hatte ausgesagt, dass ihre Tochter ihr gezeigt habe, wie sie durch Eingabe der Buchstaben „S E X“ auf „ihrem“ Tablet – also dem Tablet Tochter – über eine Suchmaschine zu Filmen gelangt sei, die ihr das Wissen vermittelt hätten, was erforderlich gewesen sei, um den Angeklagten zu Unrecht zu beschuldigen.

Neue Beweisanträge

Ein „Pfad“, den die Freundin des vermutlichen Opfers im Zeugenstand nicht bestätigen konnte. Sie habe mit ihrer Freundin über solche Dinge niemals gesprochen und auch niemals gemeinsam mit ihr an einem Tablet gespielt. So habe sie selbst auch erst seit Ostern ein eigenes Handy erhalten. Nachdenkliche Blicke auf Seiten der Staatsanwaltschaft. Mit gleich vier neuen Beweisanträgen versucht die Staatsanwältin nun, Licht in das Dickicht zu bringen.

Unter anderem werden jetzt die Akten des Familienverfahrens hinzugezogen, um so Aufschluss darüber zu gewinnen, was wohl zur Meinungsänderung des vermutlichen Opfers bezüglich des Wahrheitsgehalts ihrer ursprünglichen Aussage geführt haben könnte. Auch wird darüber zu entscheiden sein, ob sich das Kind doch noch einer ärztlichen Begutachtung wird unterziehen müssen. Wie berichtet, hatte das Mädchen sich einer eingehenden ärztlichen Untersuchung im Rahmen des Ermittlungsverfahrens verweigert. Allerdings hatte eine Ärztin Auffälligkeiten bemerkt. Das Verfahren wird fortgesetzt.

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