Bei Mawicke

Kritik an 250-Meter-Anlage: Vogelschützer stellen sich gegen Windradpläne

Kohle- und Windenergie auf einen Blick: Im Vordergrund sind die beiden westlichen der fünf alten Windräder bei Mawicke zu sehen, die allesamt für die neuen 250-Meter-Anlagen weichen sollen. Im Hintergrund ragt das Kraftwerk Westfalen in den Himmel.
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Kohle- und Windenergie auf einen Blick: Im Vordergrund sind die beiden westlichen der fünf alten Windräder bei Mawicke zu sehen, die allesamt für die neuen 250-Meter-Anlagen weichen sollen. Im Hintergrund ragt das Kraftwerk Westfalen in den Himmel.

Es regt sich erster Widerstand gegen die zwei 250-Meter-Windräder, die die SL Windenergie GmbH bei Mawicke errichten will. 

Mawicke - Fünf alte Windräder sollen für die neuen weichen. Doch die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest (ABU) sieht das Projekt trotzdem kritisch und hat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens eine entsprechende Stellungnahme abgegeben.

Standort und Größe der beantragten Windräder erfüllen nach Einschätzung der ABU nicht die Voraussetzungen für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergienutzung. Gegenüber den fünf alten Anlagen sei die Rotorfläche der zwei neuen Anlagen zusammen um 58 Prozent größer, rechnet Hubertus Illner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der ABU, vor. Außerdem reichten sie mit 250 Metern Gesamthöhe gegenüber 133 Metern der alten Anlagen viel höher. Gegenüber kleineren Anlagen würden sich die neuen Räder deshalb häufiger und länger drehen.

Windrad-Bau: Höheres Risiko für Vogelarten

Was die Investoren freut, stellt laut ABU ein Problem für verschiedene Vogelarten dar. Für Vögel wie Gold- und Mornellregenpfeifer, die in der Regel einen Bogen um Windkraftanlagen machen, erhöhe sich bei den neuen Anlagen der Meideabstand auf mehr als 1000 Meter. „Aber nur 500 Meter südlich der beantragten Windenergieanlagen befindet sich ein bedeutendes Rastgebiet beider Arten im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, das damit entwertet würde“, heißt es in der Stellungnahme.

Auch die Abstandsempfehlung der staatlichen Vogelschutzwarten würde durch die beiden neuen Anlagen nicht eingehalten. Diese sehe einen Abstand von mindestens 1200 Metern oder das Zehnfache der Anlagenhöhe – in diesem Fall 2500 Meter – für Rastplätze des Mornellregenpfeifers vor. Weiter heißt es: „Für Wiesenweihen und andere Greifvögel wie Rotmilane, die im Umfeld brüten, würde sich durch die größere Rotorfläche und die längeren Laufzeiten das Risiko einer Kollision erheblich erhöhen.“

Die nach dem Artenschutzrecht erforderlichen Vermeidungs- und/oder Kompensations-Maßnahmen fehlen laut ABU in den Genehmigungsunterlagen. Auch sei die Abschaltregelung für Fledermäuse zu eng gefasst und die Überwachung des Gondelmonitorings, also der Lauf- und Abschaltzeiten, fehle.

Illner sieht noch ein weiteres Problem, das die ABU in der Stellungnahme gar nicht eigens aufgeführt habe: Durch die enorme Höhe der neuen Anlagen würden diese immer mehr zur Gefahr für Zugvögel, die sich in der Regel in einem Korridor zwischen 200 und 400 Metern Höhe bewegen.

Windrad-Bau: Umgeben vom Vogelschutzgebiet

Knackpunkt beim Windkraftprojekt in Mawicke: Die Konzentrationsfläche ist umgeben vom Vogelschutzgebiet Hellwegbörde, das erst nach dem Bau der Windräder eingerichtet wurde. Das Repowering in Vogelschutzgebieten wird zwischen Branchenvertretern, Kommunen und Naturschützern kontrovers diskutiert. 2015 gab es eine vom Land begleitete Mediationsvereinbarung, nach der das Repowering in der Hellwegbörde grundsätzlich möglich sein soll.

Das sei aber kein Freibrief, erläutert Illner. Denn laut Vereinbarung dürfe es zu keiner Verschlechterung des Artenschutzes durch die Windenergienutzung kommen. In der Folge dieser Vereinbarung habe es Mediationsgespräche zu den Planungen speziell auf Werler Gebiet gegeben. „In diesen Gesprächen hat unser Naturschutzverein Alternativstandorte am Autobahnkreuz Werl vorgeschlagen, die aber offensichtlich vom Betreiber nicht aufgegriffen wurden“, so Illner. Schon bei diesen Alternativen sei die ABU einen Kompromiss eingegangen. Denn die Standorte nördlich des Kreuzes lägen innerhalb des 300-Meter-Puffers für das Vogelschutzgebiet. Sie seien für Vögel aber nicht so wertvoll wie die Fläche bei Mawicke.

Die Investoren der SL Naturenergie-Gruppe sehen keine Probleme in Bezug auf den Artenschutz: „Obwohl wir in Mawicke in einer ausgewiesenen Windzone bauen, in der bereits Anlagen stehen, haben wir zum Schutz der einheimischen Vogelarten erneut umfassende Kartierungen und Raumnutzungsanalyen von Fachgutachtern durchführen lassen. Diese haben ergeben, dass auch die neuen Windenergieanlagen in keinem Konflikt mit dem Artenschutz vor Ort stehen werden“, äußerte sich Milan Nitzschke, Geschäftsführer von SL NaturEnergie bei der Veröffentlichung der Pläne Anfang des Jahres.

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