Auch Corona ist Schuld

Handwerkern in Werl fehlt Holz: Unternehmen kämpfen mit Lieferengpässen und steigenden Preisen

Andreas Nierhoff von Holz Rubarth. Auf dem 1000 Quadratmeter großen Platz, der sonst immer gut gefüllt war, liegt nur wenig Holz.
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Andreas Nierhoff von Holz Rubarth. Auf dem 1000 Quadratmeter großen Platz, der sonst immer gut gefüllt war, liegt nur wenig Holz.

Lieferengpässe sowie steigende Preise beim Holz und Baumaterialien bereiten den heimischen Lieferanten und Baufirmen immer mehr Kopfzerbrechen. Seit einigen Wochen ist die Situation sehr angespannt.

Werl - Andreas Nierhoff, Geschäftsführer von Holz Rubarth, berichtet, dass die große Nachfrage für Holz in China und den USA die Lieferengpässe in Deutschland verursachen. „Die zahlen mehr für das Holz und bekommen so den Zuschlag“, sagt der Werler Unternehmer. Der Werler Zimmermann Clemens Gerbens weiß, dass Deutschland nicht drei Märkte gleichzeitig beliefern kann.

Darunter leidet jetzt das Bauwesen. Die Nachfrage aus China und den USA ist so gewaltig, dass hierzulande das Baumaterial knapp wird. Das hat die Folgen, dass nicht nur die Lieferzeiten länger sind, auch die Preise schießen in der Höhe. Zimmermann Clemens Gerbens rechnet damit, dass die Preise bis Sommer dreimal so hoch sind wie es vor einem Jahr der Fall war. Extrem betroffen ist das Geschäft mit Holz.

Die Holzhandlung Rubarth ist ein traditionelles Unternehmen, Geschäftsführer Andreas Nierhoff ist seit gut 30 Jahren im Unternehmen tätig. Aber: „So was habe ich in den ganzen Jahren, in denen ich hier bin, noch nicht erlebt“, sagt er. „Alles, was als Bauholz gebraucht wird, ist knapp am Markt.“ Neben den Problemen mit den Märkten in China und den USA sieht er auch die Corona-Pandemie als Ursache für die Knappheit. „Viele konnten seit mehr als einem Jahr nicht mehr in den Urlaub fahren, und jetzt machen die Leute sich ihr Eigenheim schön.“ Aus seiner beruflichen Erfahrung weiß er, dass das gesparte Geld jetzt in die eigenen vier Wände gesteckt wird.

Die Anfragen bei Holz Rubarth nehmen kein Ende. „An einem Tag hatten wir 150 Anrufe und zahlreiche Anfragen per E-Mail. So viel können wir mit drei Leuten gar nicht beantworten“, berichtet der Geschäftsführer. „Selbst bei Anfragen für Angebote kommen wir nicht hinterher. Das kann dann auch schon mal drei Wochen dauern.“ Neulich bekam er einen Anruf aus Hagen, der Kunde hatte wegen einer Aufdachdämmung sein Dach offen und benötigte dringend Holz. Nun versuchte er in der gesamten Umgebung schnell an das Baumaterial zu kommen. „Wir waren der 23. Lieferant, den er angerufen hatte. Seine frühesten Lieferzeiten waren August und September. Aber auch wir konnten ihm nicht helfen“, so Nierhoff.

Wie er schildert, lagen die normalen Lieferzeiten früher bei vier bis fünf Wochen. Heute geht er bei der Bestellung von zehn Wochen aus. Auch die Preise auf dem Markt sind gestiegen. „Teilweise zahlen wir jetzt fast 60 Prozent mehr“, sagt der Werler. Aus Schilderungen von Kollegen aus Bayern weiß er, dass Betriebe Kurzarbeit angemeldet haben, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Dies alles nur, weil das Material auf dem Bau fehlt.

Dieses Problem hat Clemens Gerbens nicht. „Ich mache viele Sanierungen, und da benötige ich nicht so viel Holz.“ Doch demnächst stehen wieder zwei Neubauten an. „Das Holz habe ich schon vor fünf Wochen bestellt, obwohl ich das erst in knapp zwei Monaten brauche“, so der Zimmermann. Er hört bei seinen Anfragen von den Lieferanten immer nur, dass nichts auf Lager ist. „Die Bauherren müssen jetzt mit höheren Preisen rechnen“, sagt er. Er schildert, dass bei den Angeboten der Bauhandwerker keine genauen Preise mehr angegeben werden. „Der Lohn ist mit aufgeführt, und beim Baumaterial wird auf den dann aktuellen Preis verwiesen. Damit halten sich die Unternehmen die Türen offen für Preisanstiege“, erklärt Gerbens. Er fände es schlimm, wenn es hier so weit kommen würde, dass Betriebe wegen Baustoffmangel schließen müssten.

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