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Kontrollen unter Hochspannung - mit dem Hubschrauber über Werl

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Eine Herausforderung für Pilot Benjamin Rück: Mit seinem Hubschrauber „Bell 206B III“ muss er sehr nahe an die Masten und Leitungen heranfliegen.

Ein Hubschrauber fliegt über Werl, immer in der Nähe der Höchstspannungsleitungen. Am Donnerstag hat der Übertragungsnetzbetreiber Amprion aus Dortmund in Werl Masten und Leitungen in Augenschein genommen, um Mängel zu erkennen. Der Flug ist eine große Herausforderung für den Piloten.

Werl - Benjamin Rück landet mit seinem Hubschrauber auf einem Feld in der Nähe von Budberg. Eigentlich war ein anderer Landeplatz vorgesehen, rund 200 Meter entfernt. „Da wirbeln wir zu viel Staub auf“, erklärt Benjamin Rück seine Landung auf einem benachbarten Stoppelacker. Er ist Pilot bei „rotorflug helicopters“, ein Dienstleistungsunternehmen, das sich auf Öl-, Gas- und Energieversorger spezialisiert hat.

Amprion-Mitarbeiter kontrollieren im Hubschrauber Höchstspannungsleitungen

Benjamin Rück hat zwei Mitarbeiter des Übertragungsnetzbetreibers Amprion an Bord: Ulrich Richter, Leiter des Leitungsbereichs Lotte, und Freileitungsmonteur Hans Brinkers. Brinkers und Richter kontrollieren vom Hubschrauber aus die Höchstspannungsfreileitungen (220 000/380 000 Volt). „Für einen Masten brauchen wir rund 60 Sekunden. Das macht 60 Masten in der Stunde“, sagt Ulrich Richter. Es wird nach Seilschäden, defekten Isolatoren oder Schäden am Mastgestänge gesucht. Sie achten aber auch auf Bäume, die zu nah an Leitungen heranwachsen, Reifenstapel in Mastnähe oder Plastikplanen. Da die Höchstspannungsleitungen in Werl noch recht neu sind – sie wurden erst vor zwei Jahren ausgebaut – finden die Amprion-Mitarbeiter keine nennenswerten Schäden. Doch regelmäßig entdecken sie ein Vogelnest in einem der Masten. Das muss entfernt werden.

Mängel landen in Datenbank 

Während Ulrich Richter neben Pilot Benjamin Rück Platz genommen hat, sitzt Hans Brinkers auf der Rückbank, immer mit einem Laptop auf dem Schoß. „Wir können die Mängel sofort in eine Datenbank einspeisen. Dann könnte am nächsten Tag sofort ein Trupp loslegen und die Schäden beseitigen“, erklärt Ulrich Richter. Die Zeiten, in denen Richter und Brinkers die Mängel mit Zettel und Stift protokolliert und später abgetippt haben, sind mittlerweile vorbei.

Die beiden Amprion-Mitarbeiter kontrollieren 4500 Freileitungsmasten und etwa 1250 Kilometer Freileitungen von Dortmund-Kruckel bis Hamm-Uentrop. Das Netz zieht sich dabei auch über Werler Stadtgebiet.

29 Millionen Menschen versorgt

Insgesamt betreibt Amprion 11 000 Kilometer Höchstspannungsleitungen. Das Netz, das in vier Abschnitte eingeteilt ist, reicht von Niedersachsen bis zu den Alpen – es ist eines der längsten Übertragungsnetze in Deutschland. Damit versorgt Amprion rund 29 Millionen Menschen. Der Netzabschnitt, der durch Werl führt, gehört zu dem Gebiet Nord. Das führt unter anderem durch Dortmund, das Sauerland bis nach Osnabrück.

Regelmäßig entdecken die Amprion-Mitarbeiter, Ulrich Richter und Hans Brinkers, Vogelnester in den Stromleitungsmasten auf Werler Gebiet. Die müssen entfernt werden.

Rund sechs Wochen lang sind Ulrich Richter und Hans Brinkers mit Pilot Benjamin Rück unterwegs. Ein anstrengender Beruf, sagen die Amprion-Mitarbeiter. Sie schweben regelmäßig zwischen 30 und 150 Metern in der Luft. Für Pilot Benjamin Rück ist die Kontrolle von Freileitungsmasten eine Herausforderung. Mit seinem Hubschrauber „Bell 206B III“ muss er sehr nahe an die Masten und Leitungen heranfliegen, teilweise in sehr niedriger Flughöhe.

Denn die Amprion-Mitarbeiter arbeiten ohne Fernglas. „Das ist gar nicht möglich“, sagt Ulrich Richter und fügt hinzu: „Man sieht damit einfach nichts.“

Rund zweieinhalb Stunden dauert ein einzelner Kontroll-Abschnitt, dann muss die Hubschrauber-Crew landen. „Der Hubschrauber muss wieder aufgetankt werden“, sagt Benjamin Rück. Diese Unterbrechungen nutzen Pilot und Amprion-Mitarbeiter für eine längere Pause. Denn nicht nur der Hubschrauber muss zwischendurch mal auftanken.

Hohe Temperaturen stören die Technik

Eigentlich wollten die Amprion-Mitarbeiter bereits eine Woche zuvor die Höchstspannungsleitungen auf dem Werler Gebiet auf Mängel überprüfen, aber „die Technik hat gestreikt“, sagt Ulrich Richter. Dem Hubschrauber waren die Temperaturen um 40 Grad schlicht zu hoch. „Die Lüftung funktioniert nicht so gut, wenn man langsam fliegt“, sagt Benjamin Rück. Denn die Kontrolleure fliegen nur zwischen acht und 16 Knoten, das sind zwischen 14 und 30 Kilometer pro Stunde.

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