Sieben Bands

Endlich wieder Livekonzerte: Ausgelassene Stimmung beim Open-Air im Kreis Soest

Konzert unter freiem Himmel: Metaller lassen es in Hilbeck krachen
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Konzert unter freiem Himmel: Metaller lassen es in Hilbeck krachen.

Sieben Bands mit ihrem Repertoire sorgten im Kreis Soest am Wochenende für einen musikalischen Querschnitt, wie er selten zu finden ist. 

Werl-Hilbeck - Während am Freitag die Bands Enojado und Wheel Gitarrenriffs für Fans der härteren Gangart in Reinkultur boten, wurde am Samstag von den Coverbands Orff und College Radio wenig an Genres ausgelassen. Reinrassig blieben dagegen Pot O‘Stovies, die mit ihrem melodischen British und Irish Folk das genussvolle Zuhören im Fokus hatten.

Kaum ein Genre ließ die Kinderrockband Randale aus, die sich seit jeher nicht scheut, Metal, Reggae oder Techno auch am Sonntag zu einem Bühnenprogramm zu vereinen.

Raus aus Gefängnis

Trotz oder wegen der Sicherheit der notwendigen, negativen Coronatests konnte Organisator Dirk „Else“ Niggemann über drei Tage verteilt mehr als 400 Fans der Live-Musik auf dem Schützenplatz zählen. „So muss es sein, wenn man im Gefängnis gesessen hat und jetzt raus kommt“, findet Florian Lehn eine Beschreibung für das Gefühl, endlich wieder im sozialen Miteinander Live Musik zu erleben. Die Sitzplatzordnung schreckte sowohl die Fans als auch die Familien am Sonntag nicht ab.

„Was die hier möglich machen“, empfindet Alex Fähnrich, der am Freitag extra 250 Kilometer aus dem Hunsrück angereist ist, „als gutes Zeichen für die Szene“. Unterstützung erhielt Niggemann beim Catering und den Einlasskontrollen vom Schützen- und Sportverein, dessen Erlös in ihre Kasse fließt. In Zeiten vieler ausgefallener Veranstaltungen ein nicht unerheblicher Aspekt.

Spaß haben die Zuschauer bei „Randale“: Philipp und Sylvana Squar .

„Endlich geht wieder was“, äußert sich Marcel Westervoß, der in dem Zusammenhang das Zusammenspiel von Organisation und Vereinen hervor hebt.

Endlich gibt es wieder die ersehnte Live-Musik: Das war durchweg die Resonanz der Fans, die Dirk Niggemann gleich zu Beginn mit einem Special Act überraschte. Erst vor neun Tagen haben sich bei einem privaten Treffen Wooden Steel zusammen gefunden. Als leidenschaftliche Musiker können Toto Lipinski, Henrik Redig und Oliver Zicholl viele Metallklassiker aus dem Bauch heraus auf die Bühne zaubern und ließen die Herzen der Fans höher schlagen.

Open Air Konzertwochenende in Hilbeck

Bands Enojado, Wheel, Wooden Steel, Orff, Pot O`Stovies, College Radio, Randale
Bands Enojado, Wheel, Wooden Steel, Orff, Pot O`Stovies, College Radio, Randale
Bands Enojado, Wheel, Wooden Steel, Orff, Pot O`Stovies, College Radio, Randale
Bands Enojado, Wheel, Wooden Steel, Orff, Pot O`Stovies, College Radio, Randale
Open Air Konzertwochenende in Hilbeck

Was so spielerisch ausschaut, ist trotzdem nicht zu unterschätzen „was so schwer ist, den Stücken den eigenen Stempel aufzudrücken“ so Lipinski. Der aber auch gleich klarstellt, dass nicht nur die Fans das Aufleben genossen: „Es ist so geil, euch hier sitzen zu sehen“, so der Sänger in Richtung Publikum, um auch im Nachhinein zu bestätigen „es ist so toll, alle mit einem Lächeln im Gesicht zu sehen“.

Souverän: Die Kinderrockband „Randale“ rockt für ihre kleinen Zuschauer.

„Die Leute haben es aufgesaugt“, konnte auch Thomas Schnabel, Bassist der Band Enojado, den Abend genießen, mit denen es dann in die eigene Schmiede des Rock ging. Denn eins ist bei ihnen Programm: „Wir wollen uns gar nicht so in eine Nische pressen lassen“, betont Sänger Stephan Kieserling, ist die härtere Gangart ihrer selbst geschriebenen Songs zwar ihr Ding, aber mit Rockstücken mit Doom und Metaleinschlägen aus eigener Feder präsentiert sich das Trio aus Hamm abwechslungsreich. Sie wissen, was sie wollen und setzen dies auf der Bühne auch genauso um.

Mit Wheel wurde es dann metallisch schwermütig. Sänger Arkadus Kurek zelebriert mit Stimme und Bühnenpräsenz den Doom Metal in seiner reinsten Form. Seine prägnante aber nicht minder melodische Stimme holt aus den Songs ihres neuen Albums „Preserved in time“ auch live die letzte Nuance hervor. In Zusammenspiel mit Ben Homberger, der sein Gitarren-Handwerk mit Bravour beherrscht, wird die epische Stimmung ihrer selbst komponierten Songs bis zum letzten Fan transportiert. Trotzdem muss der leidenschaftliche Metaller nicht auf kraftvolle Gitarrenriffs verzichten, ist ein Saitenvirtuose am Werk. Was auch von den Fans so empfunden wird: „Ich fand Wheel großartig“, sagt Dirk Eckhard, der als Bassist selbst in der Musik zu Hause ist.

Typveränderung

Die Lokalmatadoren von Orff sind immer für eine Überraschung gut, was sie auch am Samstag wieder bestätigten. „Orff hat eine Typveränderung hinter sich“ so Sängerin Katja Wieschhoff. Diesmal waren es Kilts (Schottenröcke) für die männlichen Musiker. Mit denen sie dann gleich auch einen mehr oder weniger gekonnten Showtanz, sehr zur Freude der Zuschauer, auf die Bühne brachten. „Auch so Füße machen Spaß“, geht die Frontfrau auf die durch die Corona Schutzbestimmungen ausgefallenen Tanzmöglichkeiten ein. Mit ihrer herausragenden Kommunikation lässt sie das Publikum zu keiner Zeit außen vor, trotz eingeschränkter Bewegungsmöglichkeiten. So wurde der Auftritt der fünf Hilbecker mit ihren Coversongs aus den Charts trotzdem zur Party: „Party geht auch im Sitzen“, so die Sängerin.

Professionelle Passion betrat dann mit Pot O´Stoovies die Bühne. Bousouki, Bodhrán, irische Blockflöte, Akustik-Gitarre, Banjo und zwei melodische Stimme luden zum Zuhören und Genießen ein. Den irischen Charakter der Songs transportiert das Duo aus Oliver Zicholl und Glen Redgen sowohl mit frechen, schnellen Passagen als auch gefühlvollen Balladen bis in die letzte Ecken des Schützenplatzes. „Hervorragend“ äußert sich Hans-Jürgen Zacher später, der als Musiklehrer sicherlich noch einen anderen Blick auf diese mit außergewöhnlichen Talent gesegneten Musiker hat.

Es ist so toll, euch alle mit einem Lächeln im Gesicht hier zu sehen.

Sänger Toto Lipinski

Während bei Letzteren Hören und Genießen angesagt war, hieß es dann mit College Radio Höchststrafe, auf den Plätzen zu bleiben. Mit ihrer besonderen Präsenz und Power auf der Bühne waren zumindest Hände und Füße der Zuhörer bei ihren Indie- und Alternativ-Coversongs ständig in Bewegung.

Ihre Bühnenshow mit der charismatischen Stimme von Susi Vondermaßen, gespickt mit powervollen Gitarrenriffs von Hans Bruland, und der stimmigen Unterlegung von Eddi Laforet an den Drums und dem Bass von Daniel Spitz bietet eine auffallend lebendige Bühnenshow. Zusätzlich mit Freunden im Gesang und Gitarre bereichert, hätte es für die Fans auch noch gern eine Stunde länger sein können.

Besonderer Dank

Das letzte Konzert im September 2020 in Hilbeck und das erste nach dem Corona Lockdown hieß es dann nach neunmonatiger Pause am Sonntag für Randale. Die vier Bielefelder Profis wissen sofort, wie sie ihr kindliches Publikum, aber auch deren Eltern, ganz bei sich haben. Polizei, Familie, Fledermäuse, Hardrockhase Harald, Liebe –kein Thema, was das Quartett nicht weiß, kindgerecht und mit einer Portion Humor für die Eltern aufzugreifen. Mit den unterschiedlichen Musikrichtungen unterlegt, hieß es auch für sie, Hände, Po und Füße in Bewegung zu setzen, die sonst keinen Kontakt mit dem Publikum scheuen. „Es ist, wie es ist, wir können nur das Beste daraus machen“, genießt Sänger Jochen Vahle mit seinen Mitstreitern trotzdem, endlich wieder auftreten zu können.

Dirk „Else“ Niggemann war auf jeden Fall der Dank von Bands und Fans in vielfältigster Weise für dieses Open Air Konzert unter besonderen Vorzeichen gewiss. Wiederholung möglich.

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