Suche im Untergrund

Firma spürt Schäden unter der Werler Innenstadt auf

+
Mehmet Brahimi und Cynthia Schreuder von der Firma Augustin Entsorgungsbetrieb GmbH untersuchen im Auftrag des Kommunalbetrieb Werl das öffentliche Kanalisationsnetz in der Wallfahrtsstadt.

Über 200 Kilometer lang ist das Kanalnetz unter Werl und den Ortsteilen insgesamt. Jedes Jahr muss der Kommunalbetrieb Werl (KBW) fünf Prozent davon untersuchen lassen. 

Werl - Bis Dezember ist die Firma Augustin Entsorgungsbetrieb GmbH aus Meppen in der Wallfahrtsstadt unterwegs, um mit einer Kamera das öffentliche Kanalisationsnetz in der Innenstadt zu prüfen.

Mit einem Joystick steuert Cynthia Schreuder die kleine Kamera durch das Werler Kanalsystem. „Wir suchen nach Schäden, Verstopfungen, dokumentieren aber zum Beispiel auch Anschlüsse“, sagt die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice von der Firma Augustin Entsorgungsbetrieb GmbH.

Mit dem Joystick steuert Cynthia Schreuder die Kamera durch die Rohre unter der Stadt.

„Es ist eine reine Vorbeugungsmaßnahme“, erklärt der zuständige Mitarbeiter des KBW, Daniel Schmitt, „So kann mit wenig Aufwand großer und teurer Schaden verhindert werden.“

16 Kilometer in der Werler Kernstadt sollen Cynthia Schreuder und ihr Kollege Mehmet Brahimi überprüfen – rund 400 Meter schaffen sie täglich. Bis zum 15. Dezember sollen die Arbeiten endgültig erledigt sein. Seit dem 23. September sind

Bett und Vibrator im Kanal gefunden

Ein Bett und ein Vibrator, sagt Cynthia Schreuder, seien das Ungewöhnlichste, was sie bei einer solchen Kanal-Untersuchung jemals gefunden habe. „Am schlimmsten sind aber Feuchttücher, die verstopfen die Pumpen der Pumpwerke“, sagt sie. Feuchttücher verursachen Ablagerungen und Verstopfungen, weil diese sich nicht in der Kanalisation zersetzen. In Werl habe das Team bislang aber kaum etwas Auffälliges entdecken können. Mit einer Kamera auf einem rollbaren Untersatz fährt Cynthia Schreuder durch das Kanalnetz. Die Kamera kann sie bequem aus dem Transporter steuern. Eine komplette Bestandsaufnahme wird gemacht, die später in das Kanalkataster des KBW eingespielt wird. Anschlüsse, Risse oder undichte Stellen an den Muffen, den Verbindungsstücken der Rohre, werden so unter anderem dokumentiert.

Schäden in der Kanalisation führen dazu, dass Abwässer ungeklärt in Boden, Grundwasser und Gewässer gelangen und so die Umwelt gefährden können. Deswegen müssen die Mitarbeiter der Firma Augustin auch jeden kleinsten Riss dokumentieren.

Prioritätenliste wird erstellt

Untersuchungsprotokolle, Inspektionsgrafiken und Fotodokumentation werden anschließend ausgewertet und in einer Liste geordnet. „Ziel ist es, alle notwendigen Sanierungsmaßnahmen entsprechend ihrer Priorität in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen“, erklärt Daniel Schmitt.

In einen Kanal klettern die Mitarbeiter der Firma Augustin nur noch sehr selten. Cynthia Schreuder deutet auf ihre saubere Arbeitshose. Dafür sind die Kanäle in Werl normalerweise auch einfach zu klein, erklärt Daniel Schmitt, „außer an den Stellen, wo die Kanäle zusammenlaufen“. In der Innenstadt gibt es gar keine begehbaren Kanäle, so Schmitt. Ab einem Nenndurchmesser von 800 Millimetern ist es gesetzlich erlaubt, dass eine Person in den Kanal steigt. „Mein Ausbilder hat immer gescherzt, dass die Azubis mit einem Skateboard da runter geschickt werden“, sagt Cynthia Schreuder. Die Realität sieht anders aus – „In meinem Beruf musste ich erst einmal eine Begehung machen. Der Kanal war 2,5 Meter hoch.“ Bevor ein Kanal überhaupt untersucht werden kann, muss er aber gereinigt werden. Deswegen sind Cynthia Schreuder und ihr Kollege auf ein Spülfahrzeug angewiesen, das zuvor einen Kanal mit einem Hochdruck-Düse säubert. „Sonst wäre der einfach zu dreckig“, sagt Daniel Schmitt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare