Werl

E-Auto-Besitzer sollen kostenlos tanken

Seit diesem Jahr kostet das Tanken an öffentlichen Ladestationen. Ein Bürger will das jetzt ändern.

Die Stadt Werl hat, wie viele andere Städte und Gemeinden in der Umgebung, die Zeichen der Zeit erkannt. Deshalb hat sie in den vergangenen Jahren im Bereich der Elektromobilität aufgerüstet, um der größer werdenden Beliebtheit von strombetriebenen Fahrzeugen gerecht werden zu können.

Werl – Insgesamt 18 Ladestationen haben die Stadtwerke im Laufe der zunächst gestarteten Testphase installiert. In diesem Zeitraum war das Nutzen dieser Stationen daher auch kostenfrei für den Verbraucher. Besitzer von E-Autos hat’s gefreut. 

Mit dem Jahreswechsel endete die Testphase allerdings. Jetzt werden die Nutzer der E-Ladestationen genauso wie an einer altgedienten Tankstelle zur Kasse gebeten. 

Bürgerantrag fordert Änderung

Bürger Robert Hentschel passt das jedoch nicht, weshalb er bereits im Februar dieses Jahres einen Antrag auf kostenfreie Nutzung der städtischen Ladestationen beim Werler Rat gestellt hat. 

In der Sitzung des Hauptausschusses kommt dieser Antrag im öffentlichen Teil zur Sprache. Bisher seien die Ladestationen für die Stadt nicht rentabel, da deren Nutzen für den Verbraucher teurer sei als das Verwenden vom eigenen Hausstrom, argumentiert Hentschel. So würden Interessenten für E-Autos von einem Kauf abgeschreckt.

Er meint, mit kostenfreien Ladesäulen könne die Stadt durch vergleichsweise geringe Kosten für eine Steigerung der Lebensqualität ihrer Bürger sorgen. Schließlich würde eine vermehrte E-Mobilität die Feinstaubbelastung reduzieren und sogar indirekt den örtlichen Einzelhandel stärken, da die Nutzer der Stationen während des Ladevorgangs ihre Einkäufe erledigen könnten. 

Dazu fordert Hentschel die Installation von mehr Ladestationen in Werl, bisher seien diese nämlich hauptsächlich im Innenstadtbereich aufgestellt. Auch stärkere und damit schnellere Säulen als die aktuellen 22 Kilowatt-Stationen wären seiner Meinung nach nötig. 

Stadtwerke lehnen Antrag ab

Bei den Stadtwerken trifft Robert Hentschel mit seinem Antrag allerdings auf keine Gegenliebe. In einer Stellungnahme zu den Forderungen des Bürgers lehnt die Gesellschaft die zukünftige kostenfreie Nutzung ihrer Ladestationen ab. „Elektromobilität ist sicherlich innovativ“, heißt es in dem Schreiben. „Innovation definiert sich aber nicht dadurch, dass eine Leistung kostenlos ist.“ 

Die Finanzierung für den Aufbau und den Betrieb der Säulen haben die Stadtwerke bisher größtenteils selbst getragen, die Instandhaltung und Überwachung verursachen dazu stets laufende Kosten. Diese sollen nun ausgeglichen werden, indem die Nutzer der Stationen für den getankten Strom bezahlen. Alles andere sei gegenüber Nutzern anderer Treibstoffe unfair. 

Neue Ladepunkte nicht nötig

Auch die Installation neuer Ladesäulen halten die Stadtwerke nicht für nötig oder möglich. „18 Ladepunkte in Werl bedeuten im Vergleich zu anderen Orten eine sehr hohe Abdeckungsquote“, stellen sie fest. Eine Aufrüstung der vorhandenen Stationen sei dazu oftmals wegen der fehlenden netztechnischen Kapazitäten nicht umsetzbar. 

Der Hauptausschuss wird am Donnerstagabend entscheiden müssen, wessen Argumente für die Ratsmitglieder gewichtiger sind und ob E-Autofahrer demnächst wieder kostenfrei tanken können.

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