Neue Corona-Verordnung in Werl

Sieben-Tage-Inzidenz von 143: Was halten Sie von der Maskenpflicht in der Fußgängerzone?

Wegen steigender Corona-Inzidenz: Maskenpflicht in Werler Innenstadt
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Das Ordnungsamt wird die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Jedoch will die Stadt die Verhältnismäßigkeiten bei ihrem Vorgehen bewahren und „nicht mit der Keule draufhauen“.

Aufgrund steigender Corona-Zahlen gibt es in Werl durch eine Allgemeinverfügung der Stadt neue Vorschriften. Unter anderem wurde eine Maskenpflicht in der Fußgängerzone angeordnet. Wir haben uns umgehört, was von den Maßnahmen gehalten wird.

Werl – Die Zahlen steigen, Werl bleibt der Corona-Hotspot im Kreis Soest. Deshalb reagierte die Stadt mit einer Allgemeinverfügung, in denen „zum Zwecke der Verhütung und Bekämpfung“ des Coronavirus weitere Maßnahmen angeordnet wurden.

Corona-Regeln in Werl: Feste

Feste, auch in privaten Räumen und auf privaten Grundstücken, mit vornehmlich geselligem Charakter aus herausragendem Anlass, mit mehr als 25 bis maximal 50 Personen müssen mindestens drei Werktage vor dem Fest bei der Stadt angemeldet werden. Dabei muss unter anderem eine Liste mit Namen und Kontaktdaten der erwarteten Gäste eingereicht werden.

Corona-Regeln in Werl: Zusammentreffen im öffentlichen Raum

Im öffentlichen Raum dürfen maximal fünf Personen oder Personen aus maximal zwei häuslichen Gemeinschaften zusammentreffen.

Corona-Regeln in Werl: Sport und Kultur

Bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel und Kulturveranstaltungen, die allerdings auch in geschlossenen Räumen stattfinden dürfen, sind maximal 150 Zuschauer zugelassen. Abseits von Sitzplätzen muss eine Maske getragen werden.

Corona-Regeln in Werl: Masken an der frischen Luft

Auf dem gesamten Wochenmarkt und in der Fußgängerzone sind Mund-Nasen-Bedeckungen verpflichtend.

Corona-Regeln in Werl: Strafen

Wer sich nicht an die Vorschriften hält und „vorsätzlich oder fahrlässig gegen eine der vollziehbaren Anordnungen verstößt“, kann laut der Allgemeinverfügung mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro bestraft werden. Stadtsprecher Ulrich Canisius betont jedoch: „Wir werden nicht mit der Keule draufhauen, sondern für die neuen Vorschriften werben. Bußgelder werden erst bei beharrlicher Verweigerung vor den Regeln eingesetzt.“ Die Stadt werde „mit Augenmaß vorgehen und die Verhältnismäßigkeit betrachten“.

Corona-Regeln in Werl: Umsetzung der Maßnahmen

Das Ordnungsamt wird kontrollieren, ob die Vorschriften von den Bürgern beachtet werden. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, werde das Ordnungsamts-Personal von Mitarbeitern aus anderen Bereichen der Stadtverwaltung ergänzt, erklärt Ulrich Canisius. 

Das Ordnungsamt wird die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Jedoch will die Stadt die Verhältnismäßigkeiten bei ihrem Vorgehen bewahren und „nicht mit der Keule draufhauen“.

Zudem gebe es Überlegungen, ob auch „externe Hilfe“ akquiriert wird, da die „relativ kleine Verwaltung“ sowieso schon mit „einer allgemein hohen Arbeitsbelastung“ konfrontiert sei.

Coronavirus in Werl: So kommen die neuen Regeln an

Der Anzeiger hat sich in der Fußgängerzone umgesehen. Auffällig war, dass ein Großteil der wenigen Leute, die bei dem zugegebenermaßen ungemütlichen Wetter zu Fuß unterwegs waren, bereits eine Maske im Freien trug.

Hans-Joachim Seeliger aus Werl.

Hans-Joachim Seeliger aus Werl finde es in Ordnung, in der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, sagt er und betont: „Es sollte in meinen Augen noch mehr kontrolliert werden, aber dafür gibt es wahrscheinlich nicht genug Personal.“ Für ihn hätten die ergänzten Maßnahmen sogar noch früher kommen können: „Da hätte man früher reagieren müssen. Die Zahlen hätten gar nicht erst so steigen müssen. Die Maske ist für mich überhaupt kein Übel, sondern eine gute Vorsichtsmaßnahme.“

Marietta Puhl aus Hilbeck.

Auch Marietta Puhl aus Hilbeck sieht es „nicht als Einschränkung“, in der Öffentlichkeit die Maske auf Mund und Nase zu tragen: „Wenn man so dazu beitragen kann, dass die Verbreitung eingedämmt wird – warum denn nicht? Ob es hilft, weiß ich nicht, da kenne ich mich nicht genug mit aus. Aber es ist doch kein Problem, mal eben eine Maske aufzusetzen.“

Petra Tümmler aus Unna.

Petra Tümmler aus Unna, die mit dem Fahrrad auf Durchreise nach Soest Halt in der Werler Innenstadt machte, trägt die Maske ebenso aus Überzeugung: „Gemeinsam sind wir stark. Ich bin viel an der frischen Luft unterwegs und sehe im Masken-Tragen keine Einschränkung.“ Sie unterstreicht: „Mir persönlich fehlt der wissenschaftliche Hintergrund. Deswegen müssen wir Vertrauen in Wissenschaft und Politik haben.“

Michael Hölscher aus Hamm.

Das sieht Michael Hölscher aus Hamm grundlegend anders: „Ich besuche die Stadt Werl sehr gerne und kaufe hier oft ein. Wenn ich in der Innenstadt jetzt jedoch eine Maske tragen soll, ist das vorbei.“ Er sieht einen Widerspruch in den Vorgaben: „Es kann doch nicht sein, dass man im Biergarten am Tisch sitzt und keine Masken tragen muss und hier auf offener Straße schon. Das finde ich sinnlos.“

Jörg Piontek aus Soest.

Jörg Piontek aus Soest hebt hervor, dass die neuen Corona-Regeln in Werl „wohl ihre Gründe“ hätten. „Vor dem Hintergrund, wie sehr die Zahlen in die Höhe schießen, empfinde ich es als Sicherheitsmaßnahme und nicht als Panikmache. An Orten wie der Innenstadt, wo möglicherweise viele Menschen aufeinander kommen können, ist das Risiko nun mal größer.“

Henrik Holthoff aus Soest.

Henrik Holthoff aus Soest war am Donnerstag ohne Maske in der Steinerstraße unterwegs. Er hatte von der neuen Verordnung noch nichts mitbekommen: „Wenn dem aber so ist, halte ich mich daran. Mit dem Maske-Tragen habe ich kein Problem.“ Aber: „Wenn im Freien viel Platz ist und die Leute nicht dicht gedrängt sind, bräuchte es die Maskenpflicht meiner Meinung nach nicht unbedingt. Ich denke, das muss man den Umständen entsprechend anpassen.“

Neue Corona-Regeln in Werl: Das sagt die Stadt

Die Stadt Werl betont in ihrer Allgemeinverfügung, dass die getroffenen Maßnahmen „zur Verhinderung der Verbreitung erforderlich und angemessen“ seien. In Werl liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert mit den neuen Zahlen, die der Kreis Soest am Donnerstag veröffentlichte, bei 143. Die neuen Maßnahmen sollen die Ausbreitung des Coronavirus „verhindern oder zumindest verlangsamen.“

Maßgeblich zum lokalen Infektionsgeschehen hätten unter anderem „private Feierlichkeiten im geselligen Bereich“ beigetragen. Die Beschränkung „für Zusammenkünfte im öffentlichen Raum“ sei „zwingend geboten“, um das „allgemeine Infektionsrisiko“ zu verringern. 

In der Fußgängerzone Werls und dem Wochenmarkt muss durch die neue Verordnung Maske getragen werden.

Der Wochenmarkt und die von der Maskenpflicht betroffenen Straßen werden von der Stadt als „stark frequentierte Bereiche“ eingestuft. Zudem spreche „die allgemeine Lebenserfahrung dafür, dass bei größeren Zusammenkünften die Abstandsgebote nicht eingehalten werden.“

Corona in Werl: Bürgermeister erinnert an "Lebensgefährlichkeit des Virus"

Bürgermeister Michael Grossmann, der sich zu Beginn der Pandemie selbst mit dem Coronavirus infiziert hatte und wegen seines zwischenzeitlich schlechten Gesundheitszustands im Krankenhaus lag, mittlerweile aber wieder von den gesundheitlichen Folgen genesen ist, betont in der Allgemeinverfügung, dass er die Maßnahmen „in Anbetracht des bestehenden Infektionsrisikos und der Lebensgefährlichkeit des Virus“ anordne. 

Im Interview, dass er dem Anzeiger im April nach seiner Erkrankung gab, sagte er mit Blick auf seine Sicht auf das Virus: „Wenn man es selbst erlebt, dann fängst du damit an, über dich selbst nachzudenken. Dann denkst du darüber nach, was passieren könnte oder was hätte passieren können. Es wird einem klar, dass in der Welt Dinge passieren können, die man selbst nicht im Griff hat. Wir müssen als Gesellschaft jetzt alles dafür tun, damit die Verbreitung in Grenzen gehalten wird.“

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