Landwirt hat Sorgen

71 Unterschriften: Anwohner sind gegen neuen Häuser

Auf diesem Stück Grünland mitten in Werl-Büderich soll das kleine Wohngebiet entstehen.
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Auf diesem Stück Grünland mitten in Werl-Büderich soll das kleine Wohngebiet entstehen.

Zurzeit ist die 4 200 Quadratmeter große Fläche zwischen Kletter- und Schlesienstraße in Büderich Weideland. Und wenn es nach den Anwohnern geht, soll sie es auch bleiben. Sie sprechen sich deutlich gegen die Pläne des Eigentümers aus, dort zwei Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen zu errichten, und sammelten Unterschriften für den Erhalt der Freifläche. Auch ein benachbarter Landwirt hat Sorgen. Die Stadt teilt die Bedenken nicht. Entscheiden muss nun die Politik.

Werl-Büderich - Um an dieser Stelle überhaupt bauen zu dürfen, muss die Weide planerisch vom Außenbereich zum Innenbereich umgewidmet werden. Hierfür ist eine Satzungsänderung notwendig. Im Rahmen des Verfahrens durften sich auch die Anwohner rund um die Vituskapelle zu Wort melden und machten von ihrem Recht ausführlich Gebrauch. Auf der Unterschriftenliste gegen die Bebauung, die von 71 Anwohnern unterzeichnet wurde, werden drei Gründe ins Feld geführt:

  • Verkehr: Die Kreuzung Krusestraße/Kletterstraße sei schon jetzt ein Gefahrenpunkt. Oftmals komme es hier zu Beinahe-Unfällen. Die Kurvenführung sei zu eng und es fehle ein sicherer Bürgersteig, dabei handele es sich um einen Schulweg. „Noch mehr Verkehr würde noch mehr Gefahren mit sich bringen.“
  • Kanalisation: Die Kanalisation entlang der Kletterstraße stoße schon jetzt an ihre Leistungsgrenze. Vor allem bei Starkregen überfluteten die Schächte. „Noch mehr Anwohner kann das System nicht tragen!“
  • Dorf-Charakter: „Wir leben in einem Dorf, ganz bewusst“, schreiben die Anwohner. Zu einem Dorf gehörten auch Grünflächen. Deshalb sprechen sich die Büdericher gegen eine weitere Verdichtung aus.


Aus Sicht der Stadt sprechen die drei Argumente nicht gegen eine Bebauung. Die Kletterstraße sei zur Aufnahme der zusätzlichen Verkehre geeignet, heißt es in der Abwägung. Genügend Parkraum sei auf den neuen Wohngrundstücken vorhanden.

Stadt sieht dörflichen Charakter nicht gestört

Die Entwässerung der Fläche sei im Trennsystem vorgesehen, so die Stadtverwaltung. Eine ausreichend große Regenrückhaltung auf dem Privatgelände soll eine Überlastung der öffentlichen Kanäle verhindern. Den dörflichen Charakter sieht die Stadt auch durch die zusätzliche Wohnbebauung nicht gestört.

Der neuen Wohnbebauung entgegenstehen könnte allerdings eine Unverträglichkeit mit einem südlich angrenzenden landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb. Entsprechende Sorgen hatte der Gemüsebauer im Oktober 2019 im Planungsausschuss geäußert. In der Öffentlichkeitsbeteiligung nahmen hierzu die Landwirtschaftskammer, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband und der Kreis Soest Stellung.

Die Landwirtschaftskammer regte ein Schallgutachten an: „Bedingt durch den Gemüseanbau kommt es zu massiven Maschinenbewegungen spät abends und früh morgens.“ Auch durch das Verladen entstünde eine „enorme Geräuschkulisse“.

Landwirtschaftsverband sieht Konfliktsituation „bis zur Existenzbedrohung“

In der Stellungnahme des Landwirtschaftsverbandes heißt es: „Aus unserer Sicht kann es durch die heranrückende Wohnbebauung zu Konfliktsituationen bis hin zur Existenzbedrohung kommen.“ Auch der Verband sprach sich für ein Gutachten aus.

Der Kreis Soest griff die gleichen Einwände auf und schrieb in seiner ersten Stellungnahme von „erheblichen Bedenken“ seitens des Immissionsschutzes. Arbeiten auf dem Hof fänden von den frühen Morgenstunden bis in den Abend, zum Teil sogar in der Nacht statt. Der Kreis hielt eine schalltechnische Untersuchung deshalb schon im Bauleitplanverfahren für notwendig. Inzwischen liegt eine entsprechende „schalltechnische Beratung“ vor. Nur ein Untersuchungspunkt direkt an der Kletterstraße zeige eine Überschreitung bei den Spitzenpegeln in der Nacht um 2 dB(A), schreibt die Stadt. Dieser liege aber nicht im neu überplanten Bereich. Im Plangebiet selbst würden keine Richtwerte überschritten. Bei Realisierung von konkreten Bauvorhaben sei zudem ein Immissionsschutznachweis zu erbringen.

Der Kreis hält die Untersuchungen für plausibel. Am Untersuchungspunkt außerhalb des Plangebiets könnten Abschirmungen oder das Verlegen schutzwürdiger Räume auf die schallabgewandte Seite sicherstellen, dass keine Richtwerte überschritten werden.

Der Kreis verwies auch auf mögliche Störungen durch Gerüche des nördlich gelegenen Pferdehofes. Die Stadt hält die 80 Meter Abstand aber für ausreichend.

Archäologische Untersuchungen

Klar ist schon jetzt: Vor einem Baustart stünden zunächst archäologische Untersuchungen an. Denn in der Nähe wurden in der Vergangenheit bereits Spuren einer Siedlung aus der Römischen Kaiserzeit gefunden. Auch Funde aus anderen Epochen werden von den Denkmalpflegern für möglich gehalten.

Sitzungstermin

Der Planungsausschuss entscheidet über die Satzungsänderung in seiner nächsten Sitzung am 21. April ab 18 Uhr in der Stadthalle. Danach müsste auch noch der Rat zustimmen, beziehungsweise der Hauptausschuss, an den der Rat seine Befugnisse zurzeit delegiert hat.

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