Sand muss 1x pro Jahr ausgetauscht werden

Werler Kindergärten wehren sich gegen Landes-Erlass

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Sand im Kindergarten soll jedes Jahr ausgetauscht werden. Das sorgt für Verärgerung beim Träger von sechs Kindergärten in Werl.

Werl - Sie werden wohl gedacht haben, der Gesetzgeber wolle das mit ihnen tun, was Kinder so gerne mit Sand machen: auf die Schippe nehmen. Aber weit gefehlt. In der Tat sollen Kindergärten den Sand ihrer Einrichtungen jährlich tauschen. Ein teurer Ärger für die Träger. Und mit ein paar Schüppen ist es nicht getan.

Die „Katholische Kindertageseinrichtungen Hellweg gem. GmbH“ nutzte jetzt den Besuch des heimischen Landtagsabgeordneten Heinrich Frieling (CDU) in Westönnen, um die Verärgerung über diese jüngst geänderte Richtlinie des Landes NRW deutlich zu machen und die Richtlinie aufs (Sand-)Korn zu nehmen.

Frieling zog sich den Schuh durchaus an – und versprach, das Thema in Düsseldorf vorzutragen. „Alle reden von Bürokratieabbau, dann muss man das auch machen“, sagte der Politiker. Sinnvoller könne tatsächlich durchaus sein, anhand gemessener Belastungswerte den Austausch von Sand vorzunehmen und nicht fristgebunden.

Er verwies aber auch darauf: So sehr das Thema nun auch diskutiert werden wird, so wenig habe die aktuelle Landesregierung das grundsätzlich zu verantworten. Diese Richtlinie gebe es schon länger, sei nun aber erst durch Aktualisierungen „aufgeploppt“ – zumindest sei es nun das zweite Mal in kurzer Zeit, dass er danach gefragt werde.

Sandaustausch 1 x im Jahr

Unter anderem wurden zuletzt die Grenzwerte für Schadstoffbelastungen verschärft. Aber schon im Jahr 2000 habe es im Runderlass geheißen: „Aus hygienischen Gründen ist der Spielsand mindestens 1 x jährlich auszutauschen“. Nur sei das offenbar kaum beachtet worden. Michael Stratmann (Geschäftsführer der Kita Hellweg gem. GmbH) sprach von „Vertrauen auf Menschen“, das die Landespolitik doch bitte den Einrichtungen entgegenbringen solle.

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Wenn man den Sand tatsächlich jährlich tauschen müsse, bedeute das 8.000 bis 9.000 Euro Extrakosten pro Jahr. „Wenn ich überlege, was man mit 8.000 Euro alles machen könnte...“, fügte Westönnens Kindergartenleiterin Heike Gruchot an. Für Stratmann stellte sich die Frage, ob die Politik tatsächlich „alles haarklein regeln muss oder das nicht besser in der Trägerverantwortung überlässt“.

Andere Regeln für kirchliche Träger?

Außerdem wisse man noch immer nicht, ob es sich bei Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft nur um eine Empfehlung oder um eine Verpflichtung handelt. „Kommunen müssen es tun“, sagt Stratmann. „Aber wir haben das noch nicht berücksichtigt.“

Der regelmäßige Sandaustausch soll wegen möglicher Belastungen des Sandes durch Umwelteinflüsse erfolgen. Wegen der Kostenfrage werde die Kita GmbH überlegen müssen, ob sie den oft auch als Fallschutz eingesetzten Sand austauscht gegen Hackschnitzel oder Gummibeläge.

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Frieling zeigte Verständnis für die Richtlinien-Verstimmung bei den Kindergärten. Es sei sicher richtig, dass man den verantwortlich Handelnden in den Einrichtungen auch Vertrauen entgegen bringen müsse. Er werde den Besuch in Westönnen „zum Anlass nehmen, ob sich dass nicht unbürokratischer regeln lässt“. Offenbar beziehe sich der Erlass auf Spielflächen in „verkehrsnahen Lagen“, also auf Großstädte. Im ländlichen Raum passe das nicht.

Die Kita GmbH ist Träger von sechs Werler Kindergärten: St. Antonius Sönnern, St. Cäcilia Westönnen, St. Vinzenz Büderich, St. Norbert, St. Peter und St. Walburga.

Der Erlass:

„Vorsorgender Gesundheitsschutz für Kinder auf Kinderspielflächen“ heißt der Runderlass des NRW-Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, der Ende 2018 aktualisiert wurde und den Vor-Erlass aus dem Jahr 2000 ersetzt. Demnach gelte zwar für Spielsand nicht die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung, „gleichwohl besteht Bedarf an der Begrenzung von Schadstoffgehalten und an der ergänzenden Festlegung hygienischer Anforderungen“.

Dann folgt der Passus, der die Träger verärgert: „Aus hygienischen Gründen ist der Spielsand mindestens 1 x jährlich auszutauschen“ – übernommen aus dem Alt-Erlass, aber kaum bekannt. Geändert oder neu festgesetzt worden sind aber zuletzt die Grenzwerte für Belastungen durch Arsen, Blei, Kadmium, Chrom, Nickel, Quecksilber und Thallium. Dabei wurden die zulässigen Werte in Milligramm pro Kilogramm Trockensubstanz gesenkt. Der Erlass erging „im Einvernehmen mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales“.

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