Unternehmer Karl-Helmut Loster findet keine weiteren Fahrer

Taxinotstand in Werl: Einziger Anbieter kann Nachfrage nicht bewältigen

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In Werl ist eine Seltenheit, was an anderen Orten eine Selbstverständlichkeit ist: Zu jeder Tages- und Nachtzeit ein Taxi ergattern.

Werl – Für Anzeiger-Leser Manfred Klein nahm ein schöner Samstagabend einen ärgerlichen Ausgang. Als er nach dem Besuch eines Werler Restaurants gegen Mitternacht ein Taxi ordern wollte, das seine Geschwister und deren Familien heimfahren sollte nach Büderich und Holtum, bekam er schlichtweg keins und fühlte sich wie bestellt und nicht abgeholt.

Der Büdericher Teil der Familie inklusive zweier Kinder habe letztlich zu Fuß den Heimweg antreten müssen. „Die anderen Familienmitglieder mit Ziel Holtum wurden schließlich freundlicherweise von der Wirtsfamilie nach Hause gefahren“, bedankt sich Klein bei seinen Gastgebern.

Nicht zum ersten Mal habe er Probleme gehabt, am Wochenende zu später Stunde in Werl eine „Droschke“ zu ordern: „Die vielen Anrufe im Zeitraum einer geschlagenen Stunde blieben unbeantwortet“, schreibt Klein. 

„Man landet in einer Warteschleife und kann sehen, wo man bleibt. Obwohl das ja nicht Sinn der Sache ist, da man eigentlich nach Hause will. Wer in Werl, ob er nicht selbst fahren kann oder will, nicht gut zu Fuß ist, weil er an Krücken läuft oder vielleicht zu jung oder zu alt ist, um mehrere Kilometer, in unserem Fall nach Büderich beziehungsweise Holtum, zu laufen, hat schlechte Karten. Ein Trauerspiel und eine Frechheit, potenzielle Kundschaft im Regen stehen zu lassen, an diesem Abend sogar buchstäblich.“

Für Klein scheint der Grund festzustehen, warum er schließlich zu Fuß heimgehen musste: „Weil der Werler Taxiunternehmer seiner Betriebspflicht scheinbar nicht nachkommt, seine Dienstleistung auch tatsächlich anzubieten.“

Taxifahrer ist ein unbeliebter Job

Ganz so einfach sei die Sache jedoch nicht, erwidert Werls einziger Taxiunternehmer Karl-Helmut Loster auf Anzeiger-Anfrage. Für Kleins Verdruss zeigt er volles Verständnis: „Um die Zeit tobt der Bär, da wollen alle ein Taxi, und bei uns steht das Telefon nicht still. Und wenn ich da stünde, bekäme erst niemanden ans Telefon und müsste dann vielleicht noch lange warten, dann hätte auch ich einen Hals, dicker geht’s nicht.“ Der Betriebspflicht widersprächen Wartezeiten dagegen nicht.

Er wirbt aber auch für Verständnis: „Ich fahre mit allem, was ich habe, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr. Doch als meine Eltern vor 50 Jahren den Betrieb gründeten, fuhren in Werl 50 Taxen. Heute sind es nur noch meine acht.“

Vor zwei Jahren zog sein letzter Mitbewerber Uwe Ziegert final den Zündschlüssel seiner vier Fahrzeuge. Seither sind auf Werls Straßen drei Taxen weniger unterwegs als zuvor. Loster übernahm einige von Ziegerts Mitarbeitern, meldete jedoch nur ein weiteres Fahrzeug an. Denn: Expandieren ist schwer in der Branche.

Karl-Helmut Loster ist zurzeit Werls einziger Taxiunternehmer. Expandieren kann er schlecht, weil er keine weiteren Fahrer findet.

„Mir sagen die Leute immer: Ist doch toll, Du bist ja jetzt der Platzhirsch und kannst machen, was Du willst. Aber ganz ehrlich – es wäre mir lieb und billig, es gäbe wenigstens ein weiteres Unternehmen, mit dem wir kooperieren könnten. Die Zeit für Eigenbrödlerei ist vorbei“, fährt Loster fort.

Denn als Einzelkämpfer ist er der Nachfrage nicht gewachsen, „das kann ich schon rein vom Personal her nicht abdecken.“ Es werde immer schwerer, Fahrer zu finden. Auch aktuell suche er händeringend, räumt aber ganz klar ein: „Viel verdient man nicht, und die Arbeitszeiten sind alles andere als attraktiv. Für schmales Geld sollen die Leute bereit sein, nachts und am Wochenende zu fahren, Heiligabend und Silvester.“ Also gerade dann, wenn die anderen feiern und dann mehr denn je ein Taxi brauchen, weil sie selber nicht mehr fahrtüchtig sind.

Unattraktive Arbeitszeiten

Den Fuhrpark zu erweitern, würde also erst Sinn machen, wenn er mehr Fahrer fände. Loster: „Wir versuchen bereits, mit Unternehmen aus den Nachbarkommunen zu kooperieren. Wir sagen den Kunden: Gerade haben wir keinen Wagen frei, wenn es dringend ist, versuchen Sie es doch mal in Hamm, Wickede oder Soest. Auch auf die Gefahr hin, dass wir dadurch einen Kunden an die Kollegen verlieren. Aber besser, wir verlieren einen zufriedenen Kunden, als dass einer permanent unzufrieden bleibt. Bislang bin ich damit buchstäblich gut gefahren.“

Auch müsse man sich vor Augen führen, dass eine Fuhre an Arbeitsaufwand nicht mit der reinen Fahrzeit des Kunden gleichzusetzen sei, rechnet Loster vor: „Nehmen wir an, Sie bestellen ein Taxi. Dann fährt der Fahrer los, um Sie abzuholen. Dann muss er vielleicht noch warten, bis Sie Ihren Mantel übergezogen haben oder Sie in der Kneipe ausfindig machen, wo Sie eben noch das letzte Bier austrinken wollen, was Wartezeit bedeutet. Dann fährt er Sie ans Ziel, dann erst kann er zum nächsten Kunden aufbrechen.“ Gerade in Stoßzeiten könne es da bei nur acht Wagen rasch zu Engpässen kommen.

Eine Lösung ist also nicht in Sicht. Man kann den Kunden also nur raten, vorausschauend zu planen und sich das Taxi bereits im Vorfeld zu bestellen – auch auf die Gefahr hin, dass man die Feier gerade dann verlässt, wenn es am schönsten ist.

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