Zigarettenstummel bleiben ein Ärgernis

Kippen schnippen: Wer erwischt wird, muss zahlen

Zigarettenstummel auf der Straße
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Ist die Zigarette aufgeraucht, muss sie irgendwie entsorgt werden. Doch nicht überall ist ein Aschenbecher vorhanden. Das Wegschnippen von Kippen ist eine Ordnungswidrigkeit, die auch in Werl geahndet wird.

 Weggeworfene Zigarettenkippen bleiben ein Ärgernis - sowohl am Bahnhof, an Bushaltestellen oder in der Innenstadt.

Werl - Noch ein paar Züge, dann kommt der Zug. „Das Schotterbett am Bahnhof ist voll mit Kippen“, weiß Jürgen Staubach, der Leiter des Werler Kommunalbetriebs (KBW). Dort ist die Bahn für die Reinigung zuständig.

Der KBW muss Straßen und Parks sauber halten. „Überall dort, wo die Leute länger stehen, in der Fußgängerzone oder an Bushaltestellen zum Beispiel, werfen sie ihre Kippen weg. Manche schnippen sie in die Grünanlagen und aus dem Auto heraus“, weiß Staubach. Dort rücken dann die Mitarbeiter mit Karre und Besen oder Kleinkehrmaschinen an oder harken sie auf den Grünflächen mühsam zusammen. Selbst auf Spielplätzen werden immer mal wieder Kippen gefunden. „Die werden wöchentlich gereinigt“, sagt Staubach.

Zigarettenkippen in der Umwelt seien vor zehn Jahren ein Ärgernis gewesen und sie sind es heute noch. Ob mehr oder weniger, kann er nicht sagen. „In anderen Ländern werden höhere Bußgelder erhoben als bei uns“, sagt er. Und bittet die Raucher: „Nutzen Sie die Aschenbecher an den öffentlichen Papierkörben und nehmen Sie immer einen Taschen-Aschenbecher mit.“

Die Schadstoffe aus herumliegenden Kippen landen nämlich beim nächsten Regenguss schnell im Grundwasser. Nach Angaben des Naturschutzbunds (Nabu) verunreinigt ein einziger Filter-Zigarettenstummel 40 Liter Grundwasser. Demnach enthält eine Zigarettenkippe circa 200 Giftstoffe – neben Nikotin auch Arsen, Blei und Kupfer. Nikotin in Pfützen könne sogar Tiere töten, die daraus trinken und wurde schon in Fischen nachgewiesen.

In Werl ist jede Verunreinigung der Verkehrsflächen und Anlagen untersagt. „Da fällt auch das vorsätzliche oder fahrlässige Wegschmeißen von Zigaretten darunter“, erklärt Clarissa Stich, die Leiterin des Ordnungsamts. Die Stadt könne für weggeworfene Zigarettenstummel ein Verwarngeld von 5 bis 55 Euro kassieren.

Einen eigenen Passus für das Wegschnippen von Zigaretten hat die Stadt Werl nicht. Das NRW-Umweltministerium empfiehlt für diese Ordnungswidrigkeit ein Bußgeld von bis zu 100 Euro. Doch nicht nur in Werl fällt das Bußgeld geringer aus, auch in Dortmund sind lediglich 50 Euro fällig. In Hamm wird differenziert: 5 Euro kostet das Wegschnippen einer einzelnen Kippe, 35 Euro die Entsorgung eines vollen Aschenbechers in die Umwelt.

Clarissa Stich betont, dass es keine pauschale Festlegung gibt. Die Werler Ordnungsamtsleiterin weist auch daraufhin, dass filterlose Kippen wesentlich weniger schädlich für die Umwelt sind als welche mit Filter. Die Höhe der Geldstrafe hänge von der Menge der entsorgten Kippen ab und von der Einsicht des Müllsünders. Zeige jemand keine Einsicht, falle die Geldstrafe höher aus.

Was passiert eigentlich, wenn jemand seine Kippe aus dem Auto wirft oder gleich den vollen Aschenbecher an der Ampel oder auf einem Parkplatz entsorgt? Innerstädtisch ist immer das Ordnungsamt zuständig – siehe oben. „Kommt zufällig eine Polizeistreife vorbei, kann sie eine Anzeige schreiben“, erklärt Sprecher Wolfgang Lückenkemper von der Kreispolizei. Werde ein Fahrer außerhalb geschlossener Ortschaften dabei erwischt, könne sie auf Grundlage des Kreislaufwirtschaftsgesetzes NRW eine Geldbuße von 5 bis 25 Euro verhängen. „Ich glaube allerdings nicht, dass dafür ein Auto angehalten wird“, sagt Lückenkemper. Das käme wohl nur „alle Jubeljahre“ vor.

Polizei und Ordnungsamt haben Probleme mit der Umsetzung der Strafen. „Es kommt ehrlich gesagt kaum vor, dass wir jemanden erwischen“, sagt Clarissa Stich. „Das gleiche Problem haben wir übrigens auch bei Kaugummis.“

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