Urteil vor Gericht

Polizei erwischt Ehepaar (59 und 57) mit Cannabis-Plantage in der Wohnung 

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Vor dem Soester Amtsgericht ist ein Ehepaar aus Werl glimpflich davon gekommen. Obwohl beide ihre Wohnung zu einer Cannabisplantage umfunktioniert hatten, wurden sie nur wegen „Besitzes einer erheblichen Menge“ belangt.

Werl - Die 59 und 57 Jahre alten Angeklagten kamen mit einem Jahr (er) beziehungsweise einem halben Jahr Haft (sie) – ausgesetzt zur Bewährung – davon. Gleichzeitig gibt die Geschichte Einblick in einen wenig bekannten Aspekt staatlicher Drogenpolitik.

Der Reihe nach: Im Mai 2018 wurde die Wohnung der beiden durchsucht. Dort wurden diverse Pflanzen sowie Federwaagen, Leuchten und – nicht zuletzt – 128,8 Gramm Cannabis beziehungsweise 4500 Konsumeinheiten (laut Landeskriminalamt) sichergestellt.

Das Ehepaar nahm die Anschuldigungen zur Kenntnis; Sie machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und reichten einen Arztbrief ein, er ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Laut Arztbrief leidet die 59-Jährige seit Jahren unter diversen Krebsleiden, geht von einer Chemotherapie in die nächste Bestrahlung. Aktuell wurde bei ihr Krebs in der Lunge, der Speiseröhre und im Kopf diagnostiziert. Der Anwalt des Ehemanns gab zu Protokoll, dass dieser sich irgendwann dazu entschlossen habe, Cannabis anzubauen, um seiner Frau damit das Leben zu erleichtern.

Haschkekse zur Beruhigung

Ihm sei klar gewesen, dass er sich damit strafbar mache, er habe aber keinen anderen Ausweg gesehen. „Die Haschkekse haben sie beruhigt und es ihr ermöglicht, besser schlafen zu können.“ Cannabis sei als unterstützendes Medikament in der Krebstherapie von seriösen Ärzten als hilfreich eingestuft, werde zu diesem Zweck auch verschrieben. Das Problem: Erstens Es gäbe zu wenig legales Cannabis für den Apothekenvertrieb in Deutschland. Gerade erst habe die Bundesregierung eine Tonne aus Portugal importiert. Zweitens: „Braucht ein Patient aus therapeutischen Gründen fünf Gramm pro Tag, würden die in der Apotheke etwa 2000 Euro im Monat kosten, die keine Krankenkasse bezahlt“, referierte der Anwalt. Dieses Geld hätte das Ehepaar nicht aufbringen können.

Deshalb habe der Mann, ein gelernter Chemielaborant, sich dazu entschlossen, es selbst anzubauen. „Dann weiß ich auch, dass nichts Schädliches beigemischt ist, wie sonst auf dem Schwarzmarkt. Ich habe sogar nur mit Regenwasser gegossen, um den Schadstoffanteil so gering wie möglich zu halten.“ Handel habe er nicht damit getrieben, wohl aber eine nicht näher beschriebene „Interessengemeinschaft“ in Werl zum Selbstkostenpreis mitversorgt.

Und dann äußert sich der Mann doch noch: „Wir haben uns erst gar nicht um eine legale Verschreibung bemüht. Die Apotheke in Werl könnte nicht genug liefern und wir könnten es uns nicht leisten“, sagte er bitter. Und kritisierte auch gleich das Gros der Ärzte: „Die verschreiben erst jede Menge Gifte, aber Cannabis wenn überhaupt, dann erst, wenn die Patienten schon taumeln, erbrechen oder umfallen.“ Seiner Frau gehe es deutlich schlechter, seitdem sie keine Haschkekse mehr esse, attestiert er. Betroffenes Schweigen im Gerichtssaal.

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