Erste Einschätzung zum Insolvenz-Verfahren

Vorläufiger Sachwalter zur Kettler-Krise: In den Köpfen muss sich etwas ändern

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Die Kettler-Zentrale in Ense-Parsit: Das Unternehmen steht vor entscheidenden Wochen.

Werl/Ense - Viel Zeit hatte der vom Amtsgericht Arnsberg bestellte vorläufige Sachwalter Dr. Georg Kreplin noch nicht, um sich in den Insolvenzfall Kettler einzuarbeiten. Doch zu einer ersten Einschätzung war er auf Anfrage bereit.

„Es ist eine schwere, aber lösbare Aufgabe“, sagt Kreplin. Es sei nun an der eigenverwaltenden Schuldnerin (also den beiden insolventen Kettler GmbHs) all die Maßnahmen einzuleiten und umzusetzen, die man schon vor einem halben Jahr hätte umsetzen können. 

Ähnlich hatten es der Investor Lafayette Mittelstand Capital und das Unternehmen bereits in der offiziellen Pressemitteilung zum Insolvenz-Antrag formuliert. „Die Möglichkeiten im vorherigen Verfahren seien nicht hinreichend genutzt worden, und nicht alle Aufgaben hätten ausreichend erledigt werden können, um Kettler zukunftsfähig aufzustellen“, hatte es geheißen. 

Allein die Tatsache, dass es die dritte Insolvenz in relativ kurzer Zeit ist, mache das Unterfangen nicht leicht, sagt Kreplin. Kunden und Lieferanten seien leidgeprüft. „Es ist nun die Aufgabe, das Vertrauen auf Seite der Kunden und Lieferanten wiederherzustellen“, so Kreplin. Optimistisch stimme ihn, „dass die Marke Kettler nach wie vor ein Pfund ist. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt.“ 

Dieses Mal wird kein Investor gesucht

Ein wesentlicher Unterschied zum vorangegangenen Insolvenzverfahren sei die Tatsache, dass kein Investor gesucht werde. Der Investor habe bereits beträchtliche Mittel investiert. Er habe das Verfahren auch eingeleitet, weil er weiter an Bord bleiben möchte. Es gehe ihm darum, Strukturen im Unternehmen zu ändern. Wäre dies nicht auch ohne ein erneutes Insolvenzverfahren möglich gewesen? Vielleicht schon, sagt Kreplin. Aber nicht, wenn aus Investorensicht die Unwägbarkeiten zu groß erscheinen. 

"Es braucht eine tatkräftige Mannschaft"

Das neue Insolvenzverfahren bereitet vielen Mitarbeitern und Beobachtern Sorge. Bei den beiden vorangegangenen Verfahren hatten jeweils rund 200 ehemalige Kettler-Beschäftigte ihre Jobs verloren. Doch Kreplin sagt: „Das Verfahren ist nicht eingeleitet worden, um einen Kahlschlag bei den Mitarbeitern durchzuführen.“ Es habe in der Vergangenheit bereits ein erheblicher Personalabbau stattgefunden. Und letztlich brauche es ja auch eine tatkräftige Mannschaft, um die ganze Produktion und die Dienstleistungen abbilden zu können. 

"Jeder Stein wird umgedreht"

Nötig sei jetzt eine schnelle und konkrete Analyse der Gründe für die aktuelle Krise. „Jeder Stein wird umgedreht“, sagt Kreplin.  Nach seiner ersten Einschätzung müsse sich bei Kettler vor allem in den Köpfen etwas ändern. Es brauche einen Neustart, innovativeres Denken und den Willen, neue Wege zu beschreiten. Bei den Produkten sei es wichtig, genauer hinzuschauen, was sich rentiert und was weniger. Dann könne das Unternehmen aus eigener Kraft gesunden und wachsen. 

Insolvenzplan bis zum vierten Quartal

Kreplins Ziel sei es, im vierten Quartal einen Insolvenzplan vorzulegen. Wenn die Mehrheit der Gläubiger dem zustimmt, habe das Unternehmen eine Zukunft.

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