Vorgezogene Ferien

Wenn Eltern der Urlaub ausgeht: Schulen stellen Betreuung sicher

Die Weihnachtsferien beginnen dieses Jahr früher.
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Die Weihnachtsferien beginnen dieses Jahr früher.

Aus Elternsicht lösen die vorgezogenen Weihnachtsferien zwiespältige Gefühle aus. Auf der einen Seite könnte die Vorquarantäne ein unbeschwerteres Weihnachtsfest im Kreis der Lieben ermöglichen, auf der anderen Seite gehen ihnen schlicht die Urlaubstage aus, um die Betreuung zuhause zu ermöglichen. In den Schulen ist – wie so oft im Corona-Jahr – Organisationstalent gefragt.

Werl - Mareike Bätge, Schulpflegschaftsvorsitzende an der Walburgisschule und Mutter einer Erstklässlerin, kennt aus Gesprächen die ganze Bandbreite der Elternsicht. Sie selbst arbeite zurzeit viel im Homeoffice. Für die zwei Tage mehr könne sie die Betreuung organisieren. „Ich verstehe aber auch Eltern, die sagen, dass das gar nicht geht.“ Zum Beispiel bei Alten- und Krankenpflegern, die zurzeit sowieso unabkömmlich seien. „Da sind zwei Tage mehr schon schwierig.“

Alle Lehrer sind da

Andrea Humpert, Leiterin der Walburgisgrundschule, kann nachvollziehen, dass die längeren Ferien einigen Familien mehr Planungssicherheit für das Weihnachtsfest geben. „Auf der anderen Seite ist es so, dass die Kinder gerne bei uns in der Schule seien dürfen.“ Alle Lehrer seien da. Eltern die eine Notbetreuung brauchen, würden diese bekommen. Die notwendigen Informationen werden mit einem Elternbrief versandt.

Abgesehen vom Corona-Fall Ende Oktober im Offenen Ganztag sei die Walburgisschule bislang gut durch die vergangenen Wochen gekommen, so Humpert. Es habe zwar immer wieder Verdachtsfälle gegeben, „aber wir mussten noch keine Lehrer oder Klassen nach Hause schicken“. Mit Blick auf mögliche Entscheidungen von Bund und Ländern am heutigen Mittwoch sagt Humpert: „Es ist für alle Kinder wahnsinnig wichtig, dass die Schulen offen bleiben.“ Viele Kinder bräuchten die zuverlässige Struktur und die Unterstützung im Unterricht.

„Viel Arbeit“

Stefan Cordes, Leiter der Marienschule in Büderich, kann den vorgezogenen Ferien nicht so viel abgewinnen: „Es läuft gerade gut, warum muss man das für zwei Tage ändern. Das schafft viel zusätzliche Arbeit bei wenig Nutzen.“ Cordes geht davon aus, dass die Nachfrage nach der Notbetreuung eher gering ausfallen wird. Und da man nicht ein oder zwei Grundschüler allein mit einem Lehrer in einen Raum setzen möchte, könnte es im Rahmen der Notbetreuung durchaus zur Durchmischung bislang getrennter Schüler kommen. Deshalb gelte in der Notbetreuung Masken- und Abstandspflicht. Ein regulärer Unterricht findet nicht statt.

Auch Cordes hofft, dass die Schüler grundsätzlich weiter vor Ort unterrichtet werden dürfen. Schule sei zurzeit einer der wenigen Orte, an denen die Kinder überhaupt noch soziale Kontakte haben können. Trotzdem bereite sich die Schule auf Formen des digitalen Lernens vor, praktiziere diese ja auch schon bei einigen Schülern, die zurzeit nicht zur Schule gehen, weil sie einer Risikogruppe angehören. Darüber hinaus habe man in den vergangenen Wochen an weiteren Stellschrauben gedreht. So setze man – wie auch die Walburgisschule – verstärkt auf Klassenlehrer-Unterricht, um im Infektionsfall die Folgen zu minimieren. Kommen wie beim Seelsorgeunterricht oder beim Jekits-Projekt Außenstehende in die Schule, gelte ständige Maskenpflicht.

Bislang gab es in Büderich noch keinen Corona-Fall. Cordes lobt die Eltern für ihr vorsichtiges Verhalten. Und auch die Kinder hätten die Regeln gut verinnerlicht.

Am Marien-Gymnasium werde man sich bei der Notbetreuung an dem Konzept orientieren, das sich beim Frühjahrs-Lockdown bewährt habe, sagt Schulleiter Michael Prünte. Er hält die früheren Ferien mit Blick auf das Ziel, das Infektionsgeschehen gering zu halten, grundsätzlich für begrüßenswert.

Lösung für Klausuren

Im elften und zwölften Jahrgang stünden kurz vor Weihnachten eigentlich noch Klausuren an. Doch hier schwebe der Schule nun die Lösung vor, die Arbeiten in den Januar zu verschieben, erläutert Prünte. In Ausnahmefällen, wenn die Kursleiter mit Blick auf den Lernstoff Bedarf anmelden, könnte durchaus am 21. und 22. Dezember noch Unterricht stattfinden. Dann allerdings unter strengen Auflagen, mit maximal neun Schülern im Raum. Auch der Leiter des MG spricht sich deutlich für den Präsenzunterricht aus. „Es tut den Kindern gut. Lehrer sind wichtige Sozialagenten, die niemand ersetzen kann, pädagogisch, aber gerade auch im sozialen Miteinander.“ Ausdrücklich lobt Prünte der Einsatz des Kollegiums. Alle seien an Bord, auch Lehrer, die bei einer Corona-Infektion ein höheres Krankheits-Risiko hätten.

Interventionen des Gesundheitsamtes habe es am MG bislang nicht gegeben, so Prünte. Auch wenn man an der Schule sehr vorsichtig agiere, sei da sicher auch eine Portion Glück dabei.

Soziale Komponente

An der Hedwig-Dransfeld-Schule, einer Förderschule, in der zum Teil schwerstbehinderte Schüler betreut werden, sei die soziale Komponente besonders wichtig, sagt Schulleiter Jörg Schultze. Entsprechend werde auch der Notbetreuung eine besondere Bedeutung zukommen. Davor wie aufopferungsvoll sich viele Eltern in diesem schwierigen Jahr bereits um ihre Kinder gekümmert haben, könne er nur den Hut ziehen. Doch irgendwann sei jedes Zeitkonto ausgereizt. Toll sei auch, wie die Schüler mitziehen, wie diszipliniert sie zum Beispiel Maske tragen. Auch die Dransfeld-Schule blieb bislang von Corona-Fällen verschont.

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