„Viva la Hund“ ist es leid

Rüder Ton bei Rüde & Co: Anfeindungen bei Ansturm auf Hundewelpen

Linfha war einer der Schützlinge von Natalie Plagemann, hier im Tierheim Mertola aus Portugal.
+
Linfha war einer der Schützlinge von Natalie Plagemann, hier im Tierheim Mertola aus Portugal.

Nichts gegen Schnauzer – wenn sie vier Beine haben. Aber Natalie Plagemann ist es leid, sich bei der Vermittlung von Hunden weiter anschnauzen zu lassen. Rüder Ton bei Rüde & Co? Die Vorsitzende des Vereins Viva la Hund hat die sprichwörtliche „Schnauze voll“. Seit geraumer Zeit werde der Verein bombardiert mit Anfragen von Menschen, die in Corona-Zeiten gerne einen Hund hätten. Und meckern.

Werl - „Bei uns ist Holland in Not“, sagt Natalie Plagemann. „Und das nur, weil die Leute Langeweile haben oder die Kinder nörgeln.“ Dabei sei die Anschaffung eines Hunds allein aus Corona-Gründen „nicht der richtige Weg“. Dennoch erhalte der Verein Anfragen für seine Schützlinge wie lange nicht mehr. Gerade für Welpen.

Anfragen „aus einer unüberdachten Langeweil-Laune heraus“

Vor allem aber nervt die Tierfreundin der Tonfall einiger Interessenten. Man werde „überhäuft mit Anrufen und Mails von unüberlegten Interessenten, die sich hier quasi um die Hunde streiten, manchmal werden wir angefeindet, angemotzt, weil wir uns nicht zurückmelden oder uns bereits für einen guten Platz entschieden haben“, schildert die Hilbeckerin. Der Verein habe das Gefühl, dass die ehrenamtliche Arbeit „wenig wertgeschätzt“ werde. 90 Prozent der aktuellen Anfragen kämen „aus einer unüberdachten Langeweil-Laune heraus“, sagt Plagemann. Viele Menschen seien durch die Corona-Beschränkungen offenbar einsam oder suchen Ablenkung. „Aber was passiert nach dem Lockdown?“ Die Frage ist, ob die Menschen der Aufgabe dann immer noch gewachsen seien, sich der Verantwortung für ein Tier zu stellen.

Coronavirus: Auflagen für die Einreise der Hunde erhöht

Für den Verein gebe es durch die Corona-Pandemie Erschwernisse, aber zumindest kein Dog-Down. Allerdings hänge an der Vermittlung von Tieren aus dem Ausland viel Herzblut. „Viele Interessenten mag das egal sein – aber wir wollen hellhörig bleiben, auch wenn wir bei der ein oder anderen Anfrage anecken“, sagt die Vorsitzende. Die Auflagen für die Einreise der Hunde seien erhöht worden, zusätzliche Bescheinigungen und Anmeldungen nötig. „Aber wir sind dankbar, dass unsere Tiere weitergut versorgt werden können und immer noch Tierärzte bereit sind, die Tiere für die gesicherte Einreise für uns ausreisefähig zu machen.“

Impfungen, Pässe, Kastrationen und wichtige Papiere – alles sei derzeit nicht so einfach wie gewohnt zu gewährleisten, zumal gerade Portugal, aus dem viele Hunde nach Deutschland zur Vermittlung kommen, ein Corona-Schwerpunktland ist.

Viva la Hund: Hunde erstmal in Pflegestellen

Viva la Hund, 2004 gegründet, arbeitet mit Pflegestellen zusammen, zu denen die Hunde erst mal kommen, bis sie ihr endgültiges Zuhause gefunden haben. Mit Hilfe von Pflegestellen könne man Hunde in Alltagssituationen „einschätzen und charakterliche Stärken aber auch eventuelle Schwächen erkennen und gezielt nach dem richtigen Zuhause suchen.“

Für den Verein sei es beim aktuellen Ansturm wichtig, die „ernst gemeinten und guten Anfragen raus zu filtern“. Nur die könne man noch beantworten. Ziel bleibe, zu hinterfragen, wo die Hunde hinkommen. Bis zu einem Rückruf könne es aus aktuellem Anlass etwas dauern.

Laut Statistik nur 19 Hunde mehr als im Vorjahr

Damit mancher in isolierenden Corona-Zeiten nicht sprichwörtlich „vor die Hunde geht“, könnte ein solcher Vierbeiner Abhilfe schaffen. Sich einen Hund anschaffen, um im Zuge von Kontaktbeschränkungen durch das Virus Gesellschaft zu haben (und jederzeit vor die Tür zu dürfen)? Zumindest laut Verwaltungs-Statistik sind 2020 nicht viele Werler auf diese Idee gekommen. Denn die Zahl der Hunde in Werl ist im Vorjahr nur unwesentlich angestiegen. 2 199 Hunde waren 2020 in Werl gemeldet, damit 19 mehr als im Jahr 2019 (2 180 Hunde). Das teilte Alexandra Kleine von der Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Die Zahl der als „gefährlich“ geltenden Hunde ist um zwei auf jetzt 15 gestiegen.

Unauffällig seien die Zahlen – und daher ist auch derzeit keine erneute Hundezählung in Werl geplant, so wie es sie vor zehn Jahren gab. Vom Oktober 2010 bis März 2011 wurden die Haushalte aufgesucht, um zu prüfen, wo nicht angemeldete Hunde wohnen. Schon die Ankündigung hatte gereicht, dass etliche Tiere nachgemeldet wurden. Letztlich waren es damals 2 300 und damit 505 mehr als wenige Wochen zuvor. „Wir gehen davon aus, dass die Bürger ihren Verpflichtungen zur Anmeldung auch nachkommen“, sagt Kleine. Natürlich sei eine Zählung jederzeit machbar – aber nicht zu Corona-Zeiten. Folgende Steuersätze gelten für Hunde in Werl:

- ein Hund: 82 Euro im Jahr

- zwei Hunde: 94 Euro pro Hund und Jahr

- drei Hunde und mehr: 106 Euro pro Hund.

- gefährlicher Hund: 645 Euro im Jahr

- zwei und mehr gefährliche Hunde: 805 Euro pro Hund/Jahr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare